Bodenbeurteilung im Feld

Bodenbeurteilung im Feld

Bodenfruchtbarkeit wird häufig mit guter Nährstoffverfügung gleichgesetzt. Im weiteren Sinn ist Boden aber dann fruchtbar, wenn er eine artenreiche und biologisch aktive Tier- und Pflanzenwelt, eine für seinen Standort typische Struktur und eine ungestörte Abbaufähigkeit besitzt. Der Boden ist heute zahlreichen Belastungen durch das Bearbeiten und Befahren ausgesetzt.

Was unter einer optimalen Struktur zu verstehen ist, ist immer noch eher eine Frage der Erfahrung und der ganzheitlichen Beobachtung als einzelner messbarer Größen. Die Beurteilung der Struktur muss deshalb vor allem im Feld erfolgen. Dafür bietet sich vor allem die Spatenprobe und Prüfung des Krumenprofils an. Die Struktur lässt sich im Feld durch Aufgraben des Bodens und durch Beobachten von Merkmalen wie Geruch, Farbe, Wurzeln, Bodenteilchen oder Schichten sehr gut beurteilen.

Die Spatenprobe

Für die Spatenprobe benötigt man einen Drainagespaten. Die besondere Länge (45 cm) des Spatens ermöglicht es, Proben bis in den ungestörten Unterboden zu entnehmen.

Beim Graben erhält man bereits erste Eindrücke über den Bodenzustand:

  • Welchen Widerstand spürt man beim Einstechen?
  • Wie zerfällt die ausgehobene Erde?
  • Wie viele Regenwürmer sind zu sehen?

Mit Spatenstichen wird die auszuhebende Grube vorgezeichnet, die von oben gesehen die Form eines vergrößerten Spatenblattes hat. Es genügt, die Grube keilförmig auszuheben. Nur auf einer Seite wird sie bis zur vollen Länge des Spatenblattes vertieft.

Schließlich wird ein Erdziegel von 45 Zentimeter Tiefe und 10 Zentimeter Dicke ausgestochen und herausgehoben. In steinigen Böden ist das Einstechen des Spatens bis zur vollen Tiefe erschwert. Am ausgestochenen Erdziegel wird die Bodenstruktur beurteilt.

Stärke

Die Spatenprobe ist zeit- und platzsparend. Proben von guten und schlechten Stellen können nebeneinander gelegt und direkt verglichen werden. Für viele einfache Fragen, etwa ob der Boden genügend abgetrocknet ist zum Pflügen, reicht die Spatenprobe aus.

Schwäche

Die Spatenprobe ist eine punktuelle Untersuchung. Die Bodenstruktur ändert sich aber von Ort zu Ort. Um Aussagen über die ganze Parzelle und ihre Bewirtschaftung zu machen, muss die Spatenprobe an verschiedenen Stellen wiederholt werden.


Die Spatenprobe im Film

Der Film entstand im Rahmen der Projekte Fertilcrop (Finanzierung CORE Organic), OK-Net Arable (Finanzierung Europäische Union), iSQAPER (Finanzierung Europäische Union) sowie Boden- und klimaschonender Bioackerbau BKBA (Coop Fonds für Nachhaltigkeit). Realisierung des Films: Thomas Alföldi, FiBL.


Das Krumenprofil

Das Krumenprofil ist im Grunde das Ergebnis mehrerer unmittelbar nebeneinander ausgeführter Spatenproben. Beim Krumenprofil wird die Bodenstruktur an der freigelegten Profilwand beurteilt, bei der Spatenprobe dagegen am ausgestochenen Erdziegel .

Mit Spaten und Grabschaufel wird dabei quer zur Richtung der Grundbodenbearbeitung eine Grube ausgehoben. Sie ist etwa 60 Zentimeter tief und 80 Zentimeter breit. Die Länge der Grube entspricht der halben Arbeitsbreite der Bodenbearbeitungsgeräte (circa 1,5 Meter).

Mit einem biegsamen Messer wird die von den Grabwerkzeugen verschmierte Oberfläche der Profilwand entfernt. Für die Beobachtung wählt man die Grubenwand mit den besten Lichtverhältnissen. Stufenweise wird die Schichtung im Profil herauspräpariert. So werden die Schichten, ihr horizontaler Verlauf und die Struktureigenschaften deutlich sichtbar. 

Stärke

Der Beobachter sieht das ganze, durch die Bearbeitungsgeräte dem Boden aufgeprägte Strukturmuster und seinen horizontalen Verlauf. Das Krumenprofil eignet sich deshalb sehr gut, um die Einstellung von Bodenbearbeitungsgeräten zu beurteilen.

Schwäche

Das Krumenprofil braucht viel Zeit und Platz. Bei kleinen oder ungleichmäßigen Parzellen ist der Aufwand groß.

Bodenfeuchtigkeit

Anhand der Beurteilung der Bodenfeuchtigkeit kann entschieden werden, ob der Boden befahren oder bearbeitet werden sollte. Bei zu hoher Bodenfeuchtigkeit besteht Verdichtungsgefahr. Der Bearbeitungsaufwand steigt und die Arbeitsqualität nimmt ab.

Entnehmen Sie einige Erdbrocken aus verschiedenen Bodentiefen und zerdrücken Sie diese mit den Fingern. Vergleichen Sie Ihre Beobachtung mit den Bildern und ziehen Sie die Konsequenzen für eine schonende Bodenbewirtschaftung.

Boden hart

  • Beobachtung: Erdbrocken können nur mit Mühe auseinandergebrochen werden.
  • Konsequenz: Bearbeitung unterlassen. Der Boden wird durch das Bearbeitungsgerät mechanisch zertrümmert und dadurch stark geschädigt (hoher Energieaufwand).
  • Befahren: Ideal. Boden ist tragfähig.

Boden brüchig

  • Beobachtung: Erdbrocken zerbröseln beim Drücken zwischen den Fingern .
  • Konsequenz: Bearbeitung ideal. Der Boden zerbricht entlang der Trennflächen.
  • Befahren: Möglich. Der Boden ist aber verdichtungsgefährdet, wenn schwere Maschinen oder ungünstige Reifen verwendet werden.

Boden plastisch

  • Beobachtung: Die Erde ist knetbar bis breiig.
  • Konsequenz: Bearbeitung unterlassen. Der Boden wird verformt und verknetet.
  • Befahren: Unterlassen. Der Boden wird verdichtet.

Bodengeruch

Riechen Sie an einer frisch aufgebrochenen Erdprobe. Vom Geruch können Sie Rückschlüsse auf den Lufthaushalt und den Abbau des organischen Materials ziehen.

Im Oberboden ist der Geruch wesentlich ausgeprägter als im Unterboden. Besonders intensiv ist er im warmen, feuchten Boden und in Gegenwart von leicht abbaubarem organischem Material.

Ein angenehmer, erdiger Geruch ist ein Zeichen guter Durchlüftung: Abgestorbenes organisches Material verrottet, die Bodenstruktur ist günstig. Ein übler, fauliger Geruch weist dagegen auf ungenügende Durchlüftung hin: Abgestorbenes organisches Material verfault. Dies ist ein Indiz für Bodenverdichtung.

Bodenfarbe

Die Farbe lässt Rückschlüsse auf den Luft- und Wasserhaushalt und den Humusgehalt zu.

Aufgrund der Beurteilung der Farbe und des Geruches können erste Schlussfolgerungen gezogen werden, ob pflanzenschädigende Strukturschäden vorliegen.

Letzte Aktualisierung 03.03.2017

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