Bodenverdichtungen vermeiden

Weniger Druck für den Boden

Jeder Einsatz von Landtechnik beeinflusst das Bodengefüge. Der Landwirt hat also entscheidenden Einfluss darauf, die Bodenstruktur in einem guten Zustand zu erhalten und Verdichtungen zu vermeiden.

Was sind Bodenverdichtungen und wie entstehen sie?

Bodenverdichtungen entstehen, wenn beim Befahren zu hohe Bodendrücke wirken. Dadurch werden die Poren im Boden, welche die Sauerstoffversorgung und die Wasserdränung gewährleisten, eingeengt oder zerstört. Grundsätzlich lässt sich jeder Boden verdichten - egal ob Sand- oder Tonboden. Werden Tonböden zu nass befahren, sind Luftführung und Drainage sofort stark beeinträchtigt. Kulturen auf schweren Böden zeigen Verdichtung deshalb am deutlichsten an. Aber auch fruchtbare Lösslehmböden reagieren auf Bodenverdichtungen mit Ertragseinbußen, die aber meist nur in Jahren mit extremer Witterung wahrgenommen werden. Auch Sandböden sollte man nicht jederzeit befahren. Schon geringe Feinanteile erhöhen ihre Verdichtungsempfindlichkeit.

Beim Befahren von Böden wirken zwei entgegengerichtete Kräfte: Einerseits der Bodendruck (die Gewichts- und Antriebskräfte der Landtechnik), der über die Kontaktfläche am Rad direkt in den Boden eingeleitet wird. Andererseits wirkt die notwendige Gegenkraft im Boden, die durch die Reibung- und Wasserspannung zwischen den Bodenpartikeln entsteht. Zudem bilden auch Wasser und Luft in den Bodenporen als Gegenkraft, wenn sie während der Überfahrt der Maschine nicht aus den Poren gedrückt werden. Wo der Boden nicht genügend Gegenkraft aufbringen kann, wird er durch den Druck verformt. Dabei verliert er luftführende und wasserleitende Grobporen und wird gleichzeitig besser tragfähig. Ob beziehungsweise wie stark ein Boden verformt wird, hängt von seiner Tragfähigkeit und vom Ausmaß und der Art der Belastung durch das Fahrzeug ab.

Was beeinflusst die Tragfähigkeit des Bodens?

  • Die Bodenfeuchte: Sie hat den größten Einfluss auf die Tragfähigkeit der Böden. Je mehr Wasser im Boden ist, desto geringer ist der Reibungswiderstand zwischen den Bodenpartikeln. Die Tragfähigkeit des Bodens sinkt mit zunehmender Feuchte, das heißt, die Bodenstruktur trägt nicht mehr.
  • Die Bodenart: Kleine Tonplättchen bilden deutlich feinere und wesentlich mehr Poren als große Sandkörner. Nach der gleichen Menge Niederschlag ist ein Sandboden noch befahrbar, ein Tonboden jedoch nicht mehr.
  • Die Erhaltung des natürlichen Bodengefüges: Das natürliche Bodengefüge schafft ein durchgehendes Porensystem bei vergleichsweise kompakter Lagerung. Bei der Gefügebildung spielen Regenwürmer eine wichtige Rolle. Mit sinkender Bearbeitungstiefe und -intensität bleiben die Bodengefüge intakter und die Tragfähigkeit der Böden steigt. Um Verdichtungen unterhalb der Bearbeitungstiefe zu vermeiden, muss trotzdem auf bodenschonendes Befahren Wert gelegt werden.
  • Die größtmögliche Kontaktfläche zwischen Reifen und Boden: je größer sie ist, desto kleiner ist der Kontaktflächendruck und desto geringer die Bodenbeanspruchung. Die Kontaktfläche kann durch die Wahl eines optimalen Reifens und der Einstellung des niedrigst möglichen Reifeninnendrucks vergrößert werden. Als Faustregel gilt: Der Bodendruck in 10 cm Bodentiefe entspricht in etwa dem Reifeninnendruck.
  • Die Radlasten gering halten: Der Kontaktflächendruck und die Tiefenwirkung der Bodenbeanspruchung nehmen mit steigender Radlast zu. Ein Fahrzeug mit niedriger Radlast ist – bei optimaler Bereifung – also immer die bodenschonendere Alternative. Nehmen Radlast und Kontaktfläche in gleichem Verhältnis zu, bleibt der Kontaktflächendruck zwar gleich, aber es wird ein größeres Bodenvolumen mechanisch beansprucht und die Tiefenwirkung des Bodendruckes nimmt zu. Eine erhöhte Beanspruchung des Unterbodens ist die Folge. Erst eine überproportional vergrößerte Kontaktfläche kann vermeiden, dass im Unterboden höhere Drücke als bisher wirken. Diese bodenmechanische Gesetzmäßigkeit ist die Begründung dafür, dass schwere landwirtschaftliche Fahrzeuge die Unterböden verdichten können.

Wie wirken sich Bodenverdichtungen aus?

Bodenverdichtungen beeinträchtigen das Pflanzenwachstum, erhöhen den Dieselverbrauch bei der Bodenbearbeitung und wirken sich negativ auf die Erosionsanfälligkeit von Böden aus. 

Eine gute Bodenstruktur bis in den Unterboden ist eine wichtige Voraussetzung, um standortanhängig optimale Erträge erzielen zu können. Je nach Bodenart bilden viele Kulturarten Wurzeln bis in eine Tiefe von einem Meter und mehr. Ist der Boden unterhalb der Krume verdichtet, können die meisten Pflanzen den Unterboden nicht mehr durchwurzeln. Das Tiefenwachstum endet an der Pflugsohle und die Pflanzen können das Wasser- und Nährstoffpotenzial des Standortes nicht vollständig ausschöpfen. Wachstumsdepressionen und Ertragseinbußen können die Folge sein.

In einem zu kompakt lagernden Boden ist auch der Wasser- und Gastransport nicht optimal. Besonders im Frühjahr und bei Starkregen besteht bei den kompakt lagernden Böden die Gefahr, dass überschüssiges Wasser oberflächlich abgeleitet wird anstatt im Boden zu versickern. Dadurch erhöht sich das Erosionspotenzial. Zudem erwärmt sich die Krume im Frühjahr schlechter und die Stickstoffmineralisierung kommt langsamer in Gang.

Wie kann ich meinen Boden schonen?

  • Nasse Böden nicht befahren! Denn mit zunehmendem Wassergehalt nimmt die Tragfähigkeit aller Boden stark ab. Warten auf bessere Befahrbarkeit ist das wirksamste Mittel zum Bodengefügeschutz!
  • Moderne Reifentechnologie nutzen: Moderne Landwirtschaftsreifen (Radialreifen) besitzen ein großes Potenzial zum Boden schonenden Befahren von Acker und Grünland. Außerdem können sie als Antriebsreifen von Traktoren die Motorleistung effizient in Zugkraft umsetzen. Da sie sehr flexibel sind, vergrößern sie bei angepasstem Reifendruck die Kontaktfläche, verteilen den Druck so auf eine größere Kontaktfläche und verringern damit die Krafteinwirkung pro Flächeneinheit. Für die Anpassung des Reifendrucks muss die Radlast bekannt sein. Um hier mit dem richtigen Gewicht kalkulieren zu können, ist es notwendig, die Radlasten auf einer Fuhrwerkswaage festzustellen. Dabei müssen die Vorratsbehälter von Drillmaschinen, Düngerstreuern et cetera gefüllt sein. Die niedrigst möglichen Reifeninnendrücke bei der ermittelten Radlast für Feldfahrten (10 km/h) und Straßenfahrten (30 bis 50 km/h) können aus der für den Reifen entsprechenden Reifedrucktabelle entnommen werden. Mit Hilfe von Luftdruckregelanlagen kann eine Veränderung bequem vom Schleppersitz aus vorgenommen werden. Alternativ gibt es zum schnellen Einstellen des Reifendrucks im Feld Airbooster-Sets, die mit der Druckluftanlage am Schlepper arbeiten. Auch bei den übrigen Landmaschinen muss eine bodenschonende Bereifung eingesetzt werden, auch bei Anhängern. LKW- Hochdruckreifen gehören nicht auf den Acker oder das Grünland!
  • Fahrwerke mit großen Kontaktflächen verwenden: Müssen hohe Gesamtlasten abgestützt werden, sollten bevorzugt Fahrwerke eingesetzt werden, die sehr große Kontaktflächen ermöglichen. Zwillingsräder verteilen die Last auf zusätzliche Räder, der Reifenluftdruck kann abgesenkt werden.
  • Geräte aufsatteln: Der bei großen Gerätebreiten übliche Einsatz von aufgesattelten Geräten anstelle von dreipunktangebauten reduziert die Radlast vor allem an der Traktorhinterachse.
  • Zwischenfrüchte anbauen: Pflanzen leeren in ihrer Hauptwachstumsphase den Wasserspeicher bis in tiefere Bodenschichten. Zur Getreideernte sind die Böden deshalb im Unterboden häufig relativ trocken und tragfähig. Bei höheren Sommerniederschlägen leeren Zwischenfrüchte nach früh räumenden Kulturen den Bodenwasserspeicher. Das Einarbeiten im Herbst erfolgt dann auf tragfähigem Unterboden. Wer einen Spatenstich Boden aus einem Zwischenfruchtbestand nach Getreide und einem benachbarten Stoppelfeld vergleicht, bemerkt den Unterschied: Der Boden auf dem Stoppelfeld ist bis in tiefere Bodenschichten feucht und bei Pflugarbeit im Oktober verdichtungsempfindlich. In den meisten Regionen Deutschlands wird der Bodenwasserspeicher über den Winter wieder aufgefüllt.

Quelle: Themenblatt Bodenverdichtung: Wenig Druck dem Boden zuliebe (pdf-Datei)


Letzte Aktualisierung 03.03.2017

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