Landwirtschaft


Reduzierte Bodenbearbeitung – schont Boden und Klima

Flachgrubber. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Der Flachgrubber eignet sich für die Mulchsaat auf leichten bis mittleren Böden. Foto: FiBL

Je weniger intensiv man einen landwirtschaftlichen Boden bearbeitet, umso besser. Eine reduzierte Bodenbearbeitung schützt vor Erosion und Verschlämmung, erhöht die Tragfähigkeit des Bodens, fördert das Bodenleben und die Humusbildung und trägt dadurch maßgeblich zum Klimaschutz bei.

In Deutschland werden aktuell 40 Prozent der Ackerfläche reduziert bearbeitet, allerdings überwiegend in konventioneller Bewirtschaftung. Vielen Ökolandwirtinnen und -landwirten sind die Vorteile einer weniger intensiven Bearbeitung bekannt. Die meisten schrecken jedoch vor dem hohen Unkrautdruck zurück, den das System mit sich bringt. Langjährige Untersuchungen des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) zeigen: Bei richtigem Management kann man auch im Ökolandbau erfolgreich ohne Pflug arbeiten und damit langfristig stabile Erträge erwirtschaften.

Verfahren der reduzierten Bodenbearbeitung

Unter reduzierter Bodenbearbeitung versteht man eine Reihe von Bodenbearbeitungsmaßnahmen, bei denen der Boden vor der Saat wenig bis gar nicht bearbeitet wird. Häufig wird auch von pflugloser oder konservierender Bodenbearbeitung gesprochen. Die Mulchsaat ist das am häufigsten angewendete Verfahren. Darunter versteht man die Einsaat einer Hauptfrucht in die Erntereste der Vorfrucht oder Zwischenfrucht. Der Boden wird dabei vor der Saat tief- bis flachgründig gelockert, jedoch nicht gewendet. In der Regel verwendet man dafür den Grubber. Vor oder gleichzeitig mit der Aussaat kann noch eine Saatbettbereitung in Form einer flachen Bodenbearbeitung stattfinden.

Die Mulchsaat bietet Vorteile: Eine Schicht aus organischem Material bleibt an der Oberfläche erhalten und schützt den Boden vor Erosion und Verschlämmung. Das Verrotten der organischen Substanz in der obersten, gut durchlüfteten Bodenschicht reichert den Boden zudem mit Humus an. Die geringe Arbeitstiefe schont das Bodenleben, erhält die Bodenstruktur und verbessert damit die Tragfähigkeit und Wasserverfügbarkeit des Bodens.

Ein Extrem der reduzierten Bodenbearbeitung stellt die Direktsaat dar. Bei diesem Verfahren wird auf eine Bodenbearbeitung verzichtet. Das Saatgut wird hier lediglich über einen mechanisch geschaffenen Saatschlitz in den Boden eingebracht.

Problem: Unkrautdruck und verzögerte Mineralisierung

Dass sich die pfluglose Bodenbearbeitung im ökologischen Anbau bisher nicht durchsetzen konnte, hat verschiedene Gründe: Zum einen kann der Unkrautdruck nach Umstellung auf die pfluglose Bearbeitung stark zunehmen. Im konventionellen Anbau begegnet man dem Problem mit dem Einsatz von Herbiziden, was im Ökolandbau nicht möglich ist. Hinzu kommt, dass je nach reduziertem Verfahren auch eine mechanische Unkrautregulierung nur noch eingeschränkt möglich ist.

Ein weiteres, nicht weniger gewichtiges Problem ist: Durch die pfluglose Bearbeitung kommt es zu einer langsameren Erwärmung und Abtrocknung des Bodens im Frühjahr. Dadurch setzt auch die Nährstoffmineralisierung erst später ein. Im Gegensatz zum konventionellen Ackerbau, wo nach Bedarf schnelllösliche Stickstoffdünger zugeführt werden können, kann es im Ökolandbau zu Problemen mit der Nährstoffversorgung kommen. Je schwerer und feuchter der Boden, desto problematischer.

Was muss im Ökolandbau beachtet werden

Auch wenn der Ökolandbau durch vielseitige Fruchtfolgen und Gründüngungen bereits wesentlich zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit beiträgt. Durch eine weniger intensive Bodenbearbeitung ließe sich der Zustand noch verbessern. Wie das funktionieren kann, erforschte das FiBL in einem fünfjährigen Projekt. 20 Betriebe in der Schweiz wurden dafür teilweise oder ganz auf reduzierte Bodenbearbeitung umgestellt, um verschiedene Verfahren und Maschinen zu testen. Abschließend wurden daraus Empfehlungen abgeleitet, die das FiBL in verschiedenen Publikationen für Landwirtinnen und Landwirte kostenlos bereitstellt, unter anderem in zahlreichen Youtube-Videos und einem Merkblatt (siehe Weblinks unten).

Das richtige Gerät

Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der reduzierten Bodenbearbeitung, ist die Wahl des geeigneten Geräts. Neben Flachgrubbern mit breiten, überlappenden Gänsefußscharen kommen für den ökologischen Anbau flachschälende Pflüge infrage. Letztere stellen eine Zwischenlösung dar: Sie wenden den Boden flach bis auf zehn Zentimeter Tiefe. Eine zu flache Einstellung kann allerdings zu Stellen mit unvollständiger Wendung führen, was zu Durchwuchs in der Folgekultur führt. Schälpflüge eignen sich insbesondere für schwere Böden. Der Flachrubber hingegen kommt für leichte bis mittlere Böden infrage. Er unterschneidet den Boden ganzflächig, ähnlich wie der Schälpflug, wendet ihn aber nicht.

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Maschinen, wie zum Beispiel der On-Land-Pflug. Dieses Gerät funktioniert wie ein gewöhnlicher Pflug mit Vorschäler. Der Traktor fährt jedoch nicht wie üblich, in der Furche sondern mit allen vier Rädern auf gewachsenem, tragfähigem Boden, wodurch eine Pflugsohlenverdichtung verhindert wird. Dank der Bauweise und einem Stützrad ist hier auch eine flache Tiefenführung bis 15 Zentimeter möglich.

Das Gerät allein macht es aber noch nicht…

Ein Verzicht auf den Pflug bedeutet in einem System wie dem ökologischen Landbau allerdings mehr als nur die Auswahl der richtigen Geräte. Besonders wichtig ist die Wahl vorsorglicher Maßnahmen, um dem Unkrautdruck entgegen zu wirken und eine ausreichende Stickstoffmobilisierung zu gewährleisten. Die wichtigsten Maßnahmen hierzu sind die Wahl geeigneter Kulturen und Fruchtfolgen. So sind zum Beispiel Fruchtfolgen mit Getreide, Mais und Körnerleguminosen in Mischkultur einfacher auf reduzierte Bodenbearbeitung umzustellen, als solche mit unkrautempfindlichen Kulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln oder Feldgemüse. Ebenfalls wichtig ist es, eine konstante Bodenbedeckung sicherzustellen, unter anderem durch den Anbau von Zwischenfrüchten und die Auswahl hochwachsender, stickstoffeffizienter Sorten. Untersaaten helfen außerdem gegen Spätverunkrautung und bei lückigen Beständen.

Schwierig: Kleegrasumbruch und Direktsaat

Als schwierig erweist sich im Ökolandbau der Umbruch einer Kleegraswiese mit den Mitteln der reduzierten Bodenbearbeitung. Dies kann bei Mulchsaat mehrere Arbeitsschritte über eine längere Zeitspanne erfordern. Am besten für den Umbruch geeignet sind Schälpflüge mit Stützrad, die die Grasnarbe in einer Tiefe von maximal 10 Zentimetern unterschneiden und teilweise wenden. Beim Einsatz des Flachgrubbers sind in der Regel zwei bis drei Durchgänge mit zunehmender Arbeitstiefe erforderlich. Der Flachgrubber ist allerdings nur bei trockener Witterung erfolgversprechend.

Direktsaat: Auch im Ökolandbau keine Wunschvorstellung mehr

Direktsaatmaschine. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine Direktsaat ist auch unter ökologischen Bedingungen möglich. Foto: FiBL

Bei der Direktsaat wird der Boden so gut wie gar nicht mechanisch bearbeitet. Auf diese Weise will man eine optimale Bodenstruktur und eine maximale Tragfähigkeit erreichen. Im konventionellen Anbau funktioniert diese Methode nur mit dem Einsatz von Herbiziden und schnelllöslichen Stickstoffdüngern. Da diese Hilfsmittel im Ökolandbau nicht zur Verfügung stehen, stellt die Direktsaat hier ein äußerst schwieriges Unterfangen dar und galt daher lange Zeit als Wunschdenken. Jüngste Versuche des FiBL zeigen jedoch, dass die Direktsaat von Mais und Winterweizen durchaus auch unter ökologischen Anbaubedingungen erfolgreich sein kann. Entscheidend für den Erfolg ist die Wahl einer geeigneten Gründüngung. Sie muss kräftig genug entwickelt sein und das Unkraut optimal unterdrücken. Kurz vor der Saat wird die Gründüngung mithilfe einer Messerwalze (mit stumpfen Messern) so fest gequetscht, dass sie abstirbt. Anschließend wird mit einer Direktsaatmaschine gesät. Das abgestorbene Material hindert das Unkraut am Auflaufen und der Mais beziehungsweise Weizen kann im freigeräumten Säschlitz heranwachsen. Mehr zur Direktsaat im Ökolandbau unter:

FiBL-Praxistipp: Direktsaat von Mais in gewalzte Futtererbse

Mit einfachen Verfahren beginnen

Im Schnitt aller vom FiBL untersuchten Ökobetriebe kam es durch die reduzierte Bodenbearbeitung zu einem Minderertrag von acht Prozent. Die Spannbreite war jedoch groß. Das heißt, es gab auch Betriebe, die keine Ertragseinbußen hatten und mit einer ausgeklügelten Fruchtfolge und guter Mechanisierung langfristig sogar von der reduzierten Bodenbearbeitung profitierten, indem sie höhere Erträge erwirtschafteten. Im Maisanbau auf trockenen Standorten oder in trockenen Jahren erbrachten die reduzierten Verfahren insgesamt sogar Ertragsvorteile.

Der Erfolg der reduzierten Bodenbearbeitung hängt stark davon ab, wie viel Erfahrung der Betrieb mit den Verfahren und Maschinen hat. Das FiBL rät daher allen umstellungsinteressierten Landwirtinnen und Landwirten, mit einfacheren Anbauverfahren zu beginnen, zum Beispiel mit der Mulchsaat von einer Gründüngung nach Getreide oder mit Getreide nach Kartoffeln. Später kann man dann anspruchsvollere Varianten wie Kleegrasumbruch oder Mais-Direktsaat in Angriff nehmen.

Ausführliche Informationen zur reduzierten Bodenbearbeitung und zu den FiBL-Forschungsergebnissen finden Sie auf der FiBL-Themenseite "Reduzierte Bodenbearbeitung" und auf der Seite von BioAktuell.


Letzte Aktualisierung: 22.10.2017