Stoffstrombilanzverordnung

Stoffstrombilanzverordnung

Am 1. Januar 2018 ist die neue Stoffstrombilanzverordnung in Kraft getreten. Sie regelt den Umgang mit N├Ąhrstoffen auf dem Betrieb ÔÇô mit dem Ziel, die N├Ąhrstoffverluste aus der Landwirtschaft zu verringern und die Einhaltung von Umweltzielen zu gew├Ąhrleisten.

Was wird durch die Stoffstrombilanz ermittelt?

Bei der Stoffstrombilanz werden alle Stoffstr├Âme, die in den Betrieb hinein gehen, und solche, die wieder hinausgehen dokumentiert und bewertet. Damit unterscheidet sie sich vom N├Ąhrstoffvergleich, wie ihn die D├╝ngeverordnung vorschreibt. Dieser ist eine reine Fl├Ąchenbilanz, bei der nur innerbetrieblich erzeugte und verwertete Futtermittel und Wirtschaftsd├╝nger ber├╝cksichtigt werden. Die gesamtbetriebliche Stoffstrombilanz ist eine Erg├Ąnzung zum N├Ąhrstoffvergleich, sie ersetzt ihn nicht. Somit kommt auf die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe ein zus├Ątzlicher Dokumentationsaufwand zu.

Gestuftes Verfahren: Ab 2018 auch einige Biobetriebe betroffen

Die Stoffstrombilanz wird schrittweise eingef├╝hrt. Bereits ab 2018 m├╝ssen alle Betriebe mit mehr als 50 Gro├čvieheinheiten je Betrieb oder mit mehr als 30 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfl├Ąche bei einer Besatzdichte von jeweils mehr als 2,5 Gro├čvieheinheiten je Hektar eine Stoffstrombilanz erstellen. Das hei├čt, es betrifft in erster Linie viehstarke Betriebe mit einer hohen Besatzdichte, die im ├ľkolandbau nicht zu finden sind. Dar├╝ber hinaus sind ab diesem Jahr aber auch schon kleinere viehhaltende Betriebe betroffen, wenn sie Wirtschaftsd├╝nger von anderen Landwirtschaftsbetrieben aufnehmen. Hierunter fallen auch ├ľkobetriebe, die in D├╝ngekooperationen mit anderen Betrieben stehen. Zur Stoffstrombilanz verpflichtet sind ab 2018 au├čerdem Betriebe mit Biogasanlage, wenn sie Wirtschaftsd├╝nger aus anderen Betrieben beziehen.

Bagatellgrenzen f├╝r kleine Betriebe

Um kleine Betriebe zu entlasten, sieht die Verordnung jedoch Bagatellgrenzen vor. F├╝r die Einf├╝hrung dieser Bagatellgrenzen hatten sich insbesondere Vertreter der ├Âkologischen Landwirtschaft eingesetzt. So m├╝ssen viehhaltende Betriebe nur dann eine Stoffstrombilanz erstellen, wenn sie mehr als 750 Kilogramm Gesamtstickstoff aus betriebsfremden Wirtschaftsd├╝ngern beziehen. Als "viehhaltend" gelten dabei solche Betriebe, bei denen mehr als 750 Kilogramm Stickstoff aus Wirtschaftsd├╝ngern tierischer Herkunft anf├Ąllt. Das hei├čt, Ackerbaubetriebe, die beispielsweise nebenbei einen kleinen Mobilh├╝hnerstall betreiben oder ein paar Schafe zur Beweidung von Gr├╝nlandfl├Ąchen halten, sind nicht betroffen.

Ab 2023 gilt Stoffstrombilanz auch f├╝r viehlose Betriebe

Geplant ist, dass die Stoffstrombilanzierung zuk├╝nftig auch auf viehlose Betriebe ausgeweitet wird. So soll ab 2023 auf allen Betrieben mit mehr als 20 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fl├Ąche eine Stoffstrombilanz erstellt werden. Vorher wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) allerdings noch einmal ├╝berpr├╝ft, ob sich die Stoffstrombilanzierung in gew├╝nschter Weise ausgewirkt hat. Das BMEL wird dazu Ende 2021 einen Bericht vorlegen.

Bewertung der Stoffstrombilanz: Zwei M├Âglichkeiten

Aus den Zu- und Abfl├╝ssen errechnen die Betriebe j├Ąhrlich einen N├Ąhrstoffsaldo, den sie zu einer fortgeschriebenen dreij├Ąhrigen Stoffstrombilanz zusammenfassen m├╝ssen. F├╝r die Bewertung der errechneten Bilanz ÔÇô bewertet wird nur Stickstoff ÔÇô gibt die Verordnung zwei M├Âglichkeiten vor: Entweder der Betrieb entscheidet sich f├╝r eine dreij├Ąhrige betriebliche Stoffstrombilanz mit einem zul├Ąssigen Bilanzwert in H├Âhe von 175 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr. Oder der Betrieb setzt einen betriebsindividuellen dreij├Ąhrigen Bilanzwert an, bei dem verschiedene Verlustpotenziale in Ansatz gebracht werden k├Ânnen.

Kritik an betriebsindividuellem Bilanzwert

Vor allem diese Option zum betriebsindividuellen Bilanzwert wird von Seiten der Umwelt- und Bioverb├Ąnde, aber auch von Vertreterinnen und Vertretern der Wasserwirtschaft und der Wissenschaft kritisiert. "Der betriebsindividuelle Bilanzwert erm├Âglicht es insbesondere Betrieben, die viel Stickstoff ausbringen, Bilanz├╝bersch├╝sse kleinzurechnen", sagt der Vorsitzende des Bundes der ├ľkologischen Lebensmittelwirtschaft Felix Prinz zu L├Âwenstein. "So sei es m├Âglich, f├╝r G├╝lle in der Stoffstrombilanz Stickstoff abzuziehen, f├╝r Leguminosen, mit ├Ąu├čerst wechselhafter Stickstofffixierung, gelten dagegen starre und hohe Werte". Umgekehrt m├╝ssten Biobetriebe jetzt kommagenau bilanzieren, obwohl sie in keiner Weise zur Grundwasserbelastung beitragen, so der B├ľLW-Vorsitzende.

Entt├Ąuscht zeigt sich auch Schleswig-Holsteins gr├╝ner Landwirtschaftsminister Robert Habeck ├╝ber die verabschiedete Verordnung: "Das verursacht nur unn├Âtigen und zus├Ątzlichen Verwaltungsaufwand. Zudem werden die N├Ąhrstoffsalden verf├Ąlscht und sind damit f├╝r eine Auswertung untauglich", ├Ąu├čert der Minister gegen├╝ber Top Agrar.

Auch Prof. Dr. Friedhelm Taube kritisiert den Beschluss scharf. Der Direktor des Instituts f├╝r Pflanzenbau und Pflanzenz├╝chtung der Universit├Ąt Kiel, der als Mitglied der BMEL-Arbeitsgruppe "Betriebliche Stoffstrombilanzen" mitwirkte, bezeichnet die Stoffstrombilanzverordnung in einem Bericht der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft als "legalisierte Wasserverschmutzung durch die Intensivtierhaltung". Er hatte mit seiner Kieler Gruppe eine einheitliche Obergrenze von 130 Kilogramm Stickstoff pro Hektar als maximalen Stickstoff├╝berschuss gefordert. Der Agrarwissenschaftler geht davon aus, dass bis zum n├Ąchsten Nitratbericht 2020 kein positiver Trend bez├╝glich des Nitratgehaltes im Grundwasser zu erkennen sein wird ÔÇô eher das Gegenteil werde der Fall sein.


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Letzte Aktualisierung 13.02.2018

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