Kleine Striegelkunde

Kleine Striegelkunde

Selbst wenn viele allgemeine Erfahrungen zu Striegeln vorliegen, sind dennoch die aktuellen Rahmenbedingungen vorort immer entscheidend. Deswegen ist es besonders wichtig, gerade am Beginn der Umstellung möglichst viele Erfahrungen vor allem in Extremen zu sammeln. Die Grenzen für "zu früh" oder "zu spät" beziehungsweise "zu scharf" oder "zu vorsichtig" etc. sind immer wieder unter den Bedingungen des eigenen Standorts und der Witterung auszuloten.

Die Striegelwirkung besteht zu 70 Prozent im Verschütten mit Erdreich und zu 30 Prozent im Ausreißen der Unkräuter. Deshalb müssen alle Maßnahmen darauf ausgerichtet sein, eine möglichst krümelige Oberfläche zu sichern, um ein Verschütten zu ermöglichen. Insbesondere die Kalk- und Humusversorgung spielen dabei eine zentrale Rolle und sind eine wichtige Voraussetzung für eine optimale Striegelwirkung.

Langfristig betrachtet wird mit dem Striegeln ein gewisser Anstieg des Unkrautsamenpotenzials zu erwarten sein. Die Kunst liegt darin, diesen Anstieg hin zu einem neuen Gleichgewichtszustand möglichst niedrig zu halten. Selbst wenn im Einzelfall auch nur eine geringe kurzfristige Wirkung zu erzielen ist (zum Beispiel weil Roggen auch ohne Bearbeitung gut mit der Konkurrenz klarkommt und kaum zusätzliche Ertragswirkung zeigt), kann das Striegeln hilfreich sein. Neuer Samen, der sich gar nicht erst entwickeln kann, kann später nie zur möglichen Konkurrenz keimen.

Jede Bodenbearbeitung stellt auch ein Startsignal dar, indem sie neue Unkrautsamen in Keimstimmung bringt. Dies ist insbesondere für Kulturen mit wenig Konkurrenzkraft von Bedeutung. Bei Erbsen ist beispielsweise aus diesem Grund ein möglichst spätes zusätzliches Striegeln kurz vor Rankenschluss hilfreich, um einen möglichst großen Konkurrenzvorsprung für die Kultur zu erzielen.

Striegeln ist zunächst auch ein gewisser Stress für die Kulturpflanze. Dieser wird aber sehr schnell von den positiven Folgen der Bearbeitung (insbesondere Mineralisierungsschub) überlagert, sodass ein Wachstumsschub erfolgt. Bei schwach entwickelten Pflanzen sind zusätzliche Stressfaktoren wie Frost zu beachten und eventuell die Maßnahme zu verschieben. Insbesondere Roggen reagiert als Flachwurzler hier sehr empfindlich.

Feldvorbereitung

Die Saatbettbereitung darf nicht zu fein sein, ansonsten wird durch die Neigung zur Verschlämmung - insbesondere bei schluffigen Böden - die Schüttwirkung des Striegels gemindert. Ein möglichst ebenes Saatbett ist hilfreich, damit der Striegel in der Bearbeitungstiefe gut einstellbar ist.

Zeitpunkt des Striegelns

Die Wahl des richtigen Zeitpunktes ist entscheidend für den Erfolg der Unkrautregulierung. Die Wirkung des Striegels ist um so besser, je früher die Maßnahme - gemessen am Entwicklungsstadium - ausgeführt wird. Bei fortschreitendem Wachstum und Kräftigung der Unkräuter ist die Regulierungswirkung des Striegels nur in Grenzen möglich.

Besonders effizient kann, sofern die Witterung mitspielt, das sogenannte Blindstriegeln sein, mit dem die Unkrautkonkurrenz im frühesten Stadium noch vor dem Auflaufen der Kultur dezimiert werden kann. Insbesondere bei tiefer gesäten Arten (zum Beispiel Körnerleguminosen) kann der Wachstumsvorsprung der näher an der Bodenoberfläche keimenden Unkräuter zu deren einfacher Beseitigung genutzt werden.

Nach Durchstoßen der Bodenoberfläche müssen die Bewurzelung und Vitalität der Kulturpflanzen ausreichend entwickelt sein, damit der Striegel keinen Schaden veursacht. Die Kulturpflanzen müssen das Drei- bis Vier-Blattstadium erreicht haben und sollten durch die Schüttwirkung des Hackstriegels nicht selbst vollständig zugedeckt werden.

Der Feuchtigkeitszustand der Böden ist dann optimal, wenn eine hohe Schüttwirkung des Striegels gewährleistet ist. Bei schweren Böden ist dieses Zeitfenster im Frühjahr oft eng (ein bis drei Tage).

Gegebenenfalls ist ein vorheriges Walzen oder Eggen des Bestandes hilfreich beziehungsweise sogar notwendig, um Krusten zu brechen und damit die Striegelwirkung zu verbessern.

Mögliche Zeiträume für das Striegeln:

  • Abschleppen des Feldes vor der Saatbettbereitung
  • Blindstriegeln: etwa drei bis acht  Tage nach der Saat - je nach Temperatur und Feuchtigkeit - vor dem Auflauf der Kultur
  • Striegeln ab dem Drei- bis Vier-Blattstadium des Getreides beziehungsweise bei entsprechender Wuchshöhe anderer Kulturen
  • Als Besonderheit moderner Striegel mit großem Durchgang: es besteht die Möglichkeit, auch noch sehr spät in den Bestand zu fahren und hoch rankende Unkräuter (vor allem Klettenlabkraut) herauszukämmen

Häufigkeit des Striegelns

In der Regel ist ein zweimaliger Striegeleinsatz ausreichend. Roggen wird meist nur einmal, nicht selten auch gar nicht gestriegelt. Bei einigen Kulturen sind hingegen auch drei Arbeitsgänge erforderlich und sinnvoll, zum Beispiel bei Erbsen (Blindstriegeln, erster Striegelgang bei etwa fünf Zentimeter Wuchshöhe und - wenn möglich - ein zweiter Striegelgang kurz vor Verranken des Bestandes). Häufigere Arbeitsgänge sind meist unproduktiv, da die Unkrautwirkung mit zunehmender Vegetation rasch abnimmt. Was beim ersten und zweiten Striegeln nicht erfasst wurde, kann auch bei späteren Einsätzen nicht leichter verschüttet oder ausgerissen werden.

Striegelverträglichkeit

Die Striegelverträglichkeit der verschiedenen Kulturarten ist unterschiedlich ausgeprägt:

  • Hohe Verträglichkeit: Weizen, Dinkel, Ackerbohnen, Hafer
  • Mittlere Verträglichkeit: Triticale, Gerste, Mais, Sonnenblumen
  • Geringe Verträglichkeit: Roggen, Erbsen

Besonderheiten

Als Zusatznutzen des Striegelns ist durch die bessere Durchlüftung meist ein deutlicher Effekt einer Stickstoffmineralisierung festzustellen.

Wenn jedoch die Fruchtfolge nicht geeignet ist und der Bestand selbst nicht in der Lage ist, dem Unkrautwachstum ausreichend Konkurrenz zu bieten, kann der ökologisch wirtschaftende Betrieb bei allen Fortschritten in der Landtechnik mit modernen Hackstriegeln in der Unkrautregulierung nur in Grenzen erfolgreich sein.


Letzte Aktualisierung 03.01.2020

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