Unkrautregulierung im Hackfruchtanbau

Unkrautregulierung im Hackfruchtanbau

Besonders im ökologischen Hackfruchtanbau ist ein Unkrautregulierungskonzept, bestehend aus vorbeugenden und gerätetechnischen Maßnahmen sehr wichtig.

Vorbeugende Maßnahmen

Erfolgversprechend sind Kombinationen verschiedener Maßnahmen, die vorausschauend geplant und mit den übrigen Kulturmaßnahmen in Einklang gebracht werden müssen:

  • Sortenwahl (konkurrenzstarke Sorten mit schneller Jugendentwicklung)
  • Jungpflanzen statt Direktsaat (zum Beispiel bei Kohl, Feldsalat, Spinat)
  • Aussamen der "Begleitpflanzen" verhindern (zum Beispiel sofort nach der Salaternte die Beete abmulchen)
  • Felderauswahl (bei Säkulturen stark verunkrautete Flächen meiden beziehungsweise keine mehrjährigen Kulturen auf Schläge mit reichlich Wurzelunkräutern)
  • Ebenes, feinkrümeliges Saatbeet (erleichtert exakte Saat und Unkrautregulierung)
  • "Ins Unkraut säen": Sieben bis zehn Tage Abstand zwischen Saatbeetbereitung und Aussaat sichern dem Unkraut einen Vorsprung und verbessern damit die Unkrautregulierung im Vorauflauf
  • Mulchmaterialien, Untersaaten (nur für bestimmte Kulturen geeignet)
  • Fruchtfolgegestaltung (mindestens 20 Prozent Kleegras; Abwechslung von konkurrenzstarken und -schwachen Arten)
  • Exakte Saat/Pflanzung: Reihenausrichtung, Ablagetiefe, Andruckrollen verwenden
  • Optimales Wachstum sicherstellen (Bodenpflege, Bewässerung, Düngung)

Direkte Maßnahmen

Geräte im Zwischenachsanbau am Schlepper (Geräteträger) ermöglichen ein exakteres Fahren als im Front- und Heckanbau. Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen Maßnahmen vor der Saat/Pflanzung, vor dem Auflaufen und nach dem Auflaufen/der Pflanzung.

Vor der Saat/Pflanzung

Unkrautkuren: Einige Wochen vor geplanter Saat/Pflanzung die Flächen saatfertig herrichten, Unkraut keimen lassen (wenn nötig beziehungsweise möglich, mit Beregnung nachhelfen), alle sieben bis zehn Tage mit der Egge oder dem Striegel drei bis fünf Zentimeter flach bearbeiten (keine rotierenden Geräte verwenden, da immer wieder neue Unkrautsamen hervorgeholt werden). Dadurch kann der Unkrautdruck erheblich gesenkt werden.

Vor dem Auflaufen

Blindstriegeln

Tief gesäte Kulturen (tiefer als drei Zentimeter) wie Spinat, Bohnen, Erbsen, Zuckermais werden zwischen Saat und Auflaufen ein- bis zweimal gestriegelt. Dabei sind die Striegelzinken ganz flach zu stellen, um Kulturkeimlinge nicht zu verletzen. Unkrautkeimlinge werden verschüttet oder herausgerissen und somit Opfer ihres Wachstumsvorsprungs. Optimal ist dieses Verfahren bei sonnigem und windigem Wetter. Verwendet werden Hack- oder Beetstriegel sowie Netzeggen.

Abflammen

Konkurrenzschwache Kulturen mit langsamer Jugendentwicklung wie Möhren, Zwiebeln, Feldsalat, Schwarzwurzeln, Pastinaken und ähnliche werden vor dem Auflaufen abgeflammt. Wichtig ist die exakte Bestimmung des optimalen Termins, an dem möglichst viel Unkraut "erfasst", aber die Kulturpflanzenkeimlinge gerade noch nicht geschädigt werden (kurz vor dem Durchstoßen). Dafür sollte man ein Kontrollfenster mit dichterer Saat und Vliesabdeckung anlegen, an welchem ab dem fünften Tag nach der Saat täglich kontrolliert wird.

Verwendet werden Abflammgeräte, die mit Gas oder Heizöl betrieben werden. Sie sollten mit einer isolierten Windabdeckung ausgerüstet sein, um den Energieverbrauch zu reduzieren und die Wirkung zu verbessern.

Es kann ganzflächig oder aber nur in den Kulturreihen abgeflammt werden (ausreichende Wirkung, weniger Energieverbrauch). Geräte (meist Eigenbau) mit Komplettabdeckung und Heizungsbrenner (Gas oder Öl) erhitzen den gesamten Luftraum unter einer Abdeckhaube und ermöglichen dadurch höhere Fahrgeschwindigkeiten.

Beide Vorauflaufmaßnahmen können in ihrer Wirkung durch gezielte Stimulierung der Unkrautkeimung und dem anschließenden Säen "ins Unkraut" wesentlich verbessert werden. Optimal ist die Wirkung bei Unkrautkeimlingen bis hin zum Zwei-Blattstadium.

Nach dem Auflaufen/der Pflanzung: Unkrautregulierung zwischen den Reihen

Zur Unkrautregulierung zwischen den Reihen steht eine sehr große Auswahl unterschiedlichster Geräte zur Verfügung. Fast immer werden für den optimalen Kulturerfolg mehrere Geräte benötigt, die während unterschiedlicher Kulturstadien nacheinander, zum Teil aber auch als Gerätekombination eingesetzt werden. Um frühzeitig hacken zu können und dabei die Kulturen nicht zu verletzen, wird anfangs häufig mit Hohlschutzscheiben oder Schutztunneln gearbeitet.

Scharhacke

Scharhacke: Standardgerät auf Hackfruchtbetrieben; verschiedene Werkzeuge wie Federzinken (an einem starren Rahmen) oder Gänsefuß- oder Winkelmesser (an einem Parallelogramm mit Stützrad), die schneiden und verschütten; Parallelogramme ermöglichen exakte Tiefenführung jedes Aggregates. Im frühen Stadium werden die Kulturen durch Hohlschutzscheiben oder Schutztunnel geschützt, im späteren Stadium ist der Häufeleffekt zur Unkrautverschüttung in die Reihe erwünscht. Geeignet für alle Kulturen, optimale Wirkung bis zum Vier-Blattstadium.

Hackbürste

Bewährte Technik mit querliegenden Nylonbürsten, welche die Unkräuter ausreißen und oberflächlich ablegen. Geeignet für alle Kulturen, bei aufrecht wachsenden Kulturen (z. B. Zwiebeln, Lauch; nicht Salate) auch noch in späteren Kulturstadien. Optimale Wirkung bis zum Vier-Blattstadium.

Trennhacke

Die Trennhacke ist ein Gerät, das Wirkungen der Scharhacke und der Hackbürste miteinander kombiniert.  Es schneidet, enterdet, legt oberflächlich ab und ist für alle Kulturen geeignet; bei aufrecht wachsenden Kulturen (z.B. Zwiebeln, Lauch; nicht Salate) auch noch in späteren Kulturstadien. Optimale Wirkung bis zum Acht-Blattstadium. Durch Enterdung besteht ein reduziertes Risiko des Wiederanwachsens bei feuchten Bedingungen.

Hackfräse

Fräsmesser schneiden ab, reißen aus und verschütten. Geeignet für alle Kulturen, bei aufrecht wachsenden Kulturen (z.B. Zwiebeln, Lauch; nicht Salate) auch noch in späteren Kulturstadien. Optimale Wirkung auch noch bei älteren Unkräutern. Wegen Verschlämmungsgefahr, Vermehrung von Wurzelunkräutern und negativem Einfluss auf Bodenstruktur ist die Hackfräse nur als Notmaßnahme (z. B. nach längerer Regenperiode) zu empfehlen.

Rollhacke

Die Rollhacke wird auch als Sternradhacke angeboten. Variabel einstellbare, vertikale Sternräder können, je nach Schräge und Richtung des Anstellwinkels, mehr oder weniger intensiv an- und abhäufeln, reißen Unkräuter ab und verschütten diese. Geeignet nur für robuste Kulturen mit einem Mindestreihenabstand von über 40 Zentimetern (z.B. Kartoffeln, Kohl, Sellerie, Lauch, Möhren). Auf humosen Böden ist eine sehr gute Wirkung zu erreichen. Auf zur Verschlämmung neigenden Böden ist die Wirkung der Scharhacken besser. Optimale Wirkung bis zum Vier-Blattstadium.

Unkrautregulierung in der Reihe

Die Effizienz der Unkrautregulierung in der Reihe entscheidet in vielen Fällen über den wirtschaftlichen Erfolg der Hackfruchtkultur. Jeder Zentimeter, der nicht von Hand bearbeitet werden muss, spart kostbare Hackstunden. Deshalb wird auf verschiedensten Ebenen an der Verbesserung der zur Verfügung stehenden Methoden gearbeitet. Das Problem ist aber nach wie vor nicht so zufriedenstellend gelöst wie die Unkrautregulierung zwischen den Reihen.

Hackstriegel

Der Hackstriegel kann - wie der Beetstriegel und die Netzegge auch - nach dem Auflaufen in verschiedenen Kulturen eingesetzt werden, sobald diese genügend verwurzelt sind (ca. Vier-Blattstadium). Er verschüttet und reißt aus. "Mutige" Anbauer striegeln auch quer zur Sä-/Pflanzrichtung. Geeignet für Kartoffeln, Kürbis, Zuckermais, Bohnen, Erbsen, Kohl, Rote Bete, Lauch, Sellerie, Spinat, Zwiebeln. Optimale Wirkung bis zum Zwei-Blattstadium.

Fingerhacke

An einer Metallscheibe befestigte Fingersterne (flexibel, unterschiedliche Härtegrade) greifen, durch Bodenantrieb bewegt, von beiden Seiten in die Kulturpflanzenreihe, reißen Unkräuter heraus und verschütten sie. Einsetzbar, sobald Kulturen genügend verwurzelt sind (ca. Vier-Blattstadium). Geeignet für Lauch, Bohnen, Zuckermais, Kohl, Sellerie, Möhren, Zwiebeln. Optimale Wirkung bis zum Zwei-Blattstadium.

Häufelgerät

Das Häufelgerät wird an übliche Hackrahmen mit parallelogrammgeführten Werkzeugen in Kombination mit Gänsefußmessern eingesetzt. Sehr effektive Arbeit durch Verschütten der Unkräuter in der Reihe. Je nach Kultur stehen unterschiedliche Ausführungen vom Gemüseflachhäufler bis zum Kartoffelhäufler sowie Häufelscheiben zur Verfügung. Geeignet für fast alle Kulturen. Optimale Wirkung bis zum Zwei-Blattstadium.

Reihenstriegel

Ölmotoren bewegen Achsen, die über die Kulturpflanzenreihen bewegt werden und mittels federnder Metallpinne die Reihen quer zur Fahrtrichtung durchstriegeln. Geeignet für gut eingewurzelte Kulturen (ab ca. zehn Zentimeter Höhe). Der Reihenstriegel arbeitet intensiver, aber auch etwas gröber als der herkömmliche Striegel.

Rotorstriegel

Der Rotorstriegel ähnelt einem Heuschwader und durchstriegelt das Beet kreisförmig. Der Antrieb erfolgt durch einen Ölmotor. Geeignet für gut eingewurzelte Kulturen (ab ca. zehn Zentimeter Höhe). Der Rotorstriegel arbeitet intensiver, aber auch etwas gröber als der herkömmliche Striegel.

Neben den abgebildeten Gerätearten gibt es noch folgende:

  • Torsionshacke: Ein paar waagrechte, von beiden Seiten schräg in die Reihe ragende Federstahlzinken, deren Enden sich auf Höhe der Reihe treffen bzw. kreuzen. Der Boden wird durchgearbeitet. Bei Kulturpflanzenkontakt weichen sie aus. Die Zinken können härter oder weicher eingestellt werden. Die Torsionshacke wird immer in Kombination mit Scharhacke eingesetzt und ist für alle Kulturen geeignet. Optimale Wirkung bis zum Zwei-Blattstadium.
  • Pneumat: bläst mit Luftdruckunterstützung die Unkräuter aus der Reihe
  • Querstriegel: Ähnlich einer Heukatze striegelt sich das Gerät quer zur Fahrtrichtung durch die Kulturen
  • Oktopus-Kombihacke: Kombination von Zwischenreihenstriegel, Fingerhacke in der Reihe und Scharhacke im Nachlauf
  • Akrobathacke: Rotierendes, bodenangetriebenes Rad mit zwei Reihen Metallfedern hackt diagonal durch die Reihen
  • Unihacke mit Turbo-Rollstriegel: Das Gerät arbeitet bei 6-8 km/h ganzflächig und lockert den Boden vollständig

Geräte für den Dammanbau (Kartoffeln, Möhren etc.)

Scharhäufelgerät

Beim einfachen Scharhäufelgerät kann durch vorablaufende Zinken der Boden gelockert und damit der Dammaufbau erleichtert werden. Für normale Böden werden steile Schare, für humose Böden längere Schare verwendet. Kombiniert mit einem angebauten Dammstriegel wird bei einer Überfahrt gestriegelt und gehäufelt. Mit dem Scheibenhäufler kann der Dammaufbau etwas verbessert werden. Durch gezackte Scheiben kann auch dem Unkraut an der Dammflanke besser beigekommen werden.

Auf mittleren bis schweren Böden werden gute, hohe Dämme am besten mit einer Dammfräse (ausgestattet mit Dammformblechen) aufgebaut.

Hacken von Hand

Trotz aller Technik ist das Hacken von Hand in vielen Kulturen nicht komplett durch Maschinen zu ersetzen. Entscheidend ist deshalb, die Handarbeit für Mensch und Pflanze möglichst schonend zu gestalten. Dazu gehören ergonomisch passende Handhacken (Stiele angepasst an die Körpergröße), die regelmäßig geschliffen werden sollten.

Auch handgeschobene Geräte wie die Radhacke oder der Weedmaster können die Arbeit erleichtern und beschleunigen. Außerdem sollte die Arbeitshaltung über den Tag hinweg verändert werden, zum Beispiel aus der Vertikale in die Horizontale. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten, vom Gurkenflieger über die Liegeraupe und den Crawler bis hin zum Beetflieger zur Verfügung. Auf all diesen Geräten liegt man mehr oder weniger komfortabel auf dem Bauch und jätet dabei seine Reihen.

Es gibt eine Reihe sehr nützlicher Kleinstgeräte, die das reine "Fingerzupfen" größtenteils ersetzen können. Dazu gehören der Handjäter oder die Jätefaust.

Innerhalb sinnvoller Gesamtkonzepte zur Unkrautregulierung in ökologischen Hackfruchtkulturen besteht der größte Forschungsbedarf nach wie vor bei den Möglichkeiten zur Reduzierung der Handarbeitsstunden.


Letzte Aktualisierung 09.02.2017

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