Nematoden als Kartoffelparasiten

Nematoden als Kartoffelparasiten

Wurzelgallennematoden Meloidogyne hapla
Wurzelläsionsnematoden Pratylenchus penetrans, P. crenatus, P. neglectus
Gelbe und Weiße Kartoffelzystennematoden Globodera pallida, G. rostochiensis

 

Schadbildbeschreibung

Im Feld treten die Schäden meist nesterweise auf. Die Pflanzen bleiben in ihrer Entwicklung zurück, es bilden sich nur wenige Triebe mit kleinen, nach oben gerichteten Blättern. Bei starkem Befall vergilben und welken die Pflanzen oder sterben ab.

Die verschiedenen Nematodenarten verursachen unterschiedliche Schadbilder an den Kartoffelwurzeln. Wurzelläsionsnematoden verursachen Verletzungen (Läsionen) an Wurzeln und Knollen. Wurzelgallennematoden bilden kleine unscheinbare weiße Knötchen (Gallen) an Wurzeln und bei hohen Temperaturen auch an Knollen. Die Pflanzen reagieren durch  kurzen und stark verzweigten Wuchs der Wurzel, den "Wurzelbart".

Kartoffelzystennematoden sind ab Juni zu finden, ihre weißen, bis einen Millimeter großen Weibchen verfärben sich später braun (G. pallida) bzw. erst gelb und dann braun (G. rostochiensis). Diese gefährlichen Quarantäneorganismen haben aufgrund der weiteren Fruchtfolgen eine geringere Bedeutung im ökologischen Kartoffelbau.

Schadwirkung im Kartoffelbau

Wurzelgallen- und Wurzelläsionsnematoden befallen vor Allem Kartoffeln, Körnerleguminosen und viele Gemüsekulturen. Daher treten sie auch in vielfältigen Fruchtfolgen auf. Wurzelgallennematoden entwickeln sich nicht in Getreide Mais und Gräsern, Wurzelläsionsnematoden nicht in Rüben und Kohlsorten. Besonders gefährdet sind spätreife Kartoffelsorten, die den Nematoden einen Populationsaufbau über mehrere Generationen im Jahr ermöglichen.Während Wurzelgallennematoden für leichte Böden typisch sind, treten Wurzelläsionsnematoden je nach Art bevorzugt auf verschiedenen Bodentypen auf.

Dagegen befallen Kartoffelzystennematoden Kartoffeln, Tomaten und Auberginen sowie Nachtschatten (als Beikraut) und bilden nur eine Generation im Jahr. Sie werden daher nur in engen Kartoffelfruchtfolgen zum Problem. Durch ihre lange Lebensfähigkeit stellen sie einen ernsthaften Kartoffelschädling dar. Die wirtschaftliche Schadensschwelle liegt bei 800 Eiern und Larven pro 100 Milliliter Boden.

Biologie der Nematoden im Kartoffelanbau

Wurzelgallennematoden überwintern als Ei oder Larve in Pflanzenresten und im Boden. Ab Temperaturen von 10° C infizieren sie Pflanzenwurzeln, die zu einer Galle anschwellen. Die Weibchen schwellen zu runden, bis ein Millimeter großen weißen Gallen an, in denen sich bis zu 500 Eier entwickeln. Es werden zwei bis drei generationen pro Jahr gebildet.

Wurzelläsionsnematoden überwintern als Larve oder ausgewachsene Tiere an Pflanzenresten und im Boden. Sie dringen in das Wurzelrindengewebe ein und saugen Zellen aus, wodurch die typischen Läsionen entstehen. Die Nematoden wandern von absterbenden Pflanzenwurzeln auf Neue über. Im Jahr werden vier bis sechs Generationen gebildet.

Kartoffelzystennematoden schlüpfen angeregt durch Ausscheidungen aus den Wurzeln von Wirtspflanzen (Wurzelexsudate) und dringen in die Wurzel ein. Die Weibchen schwellen zu runden weißen Gallen an und brechen mit dem Hinterende aus der Wurzel. Nach der Begattung bilden sie bis zu 400 Eier. Mit dem Absterben der Weibchen verfestigt sich ihre Außenhaut zur Zyste, in der die Eier und Larven bis zu 20 Jahre überdauern können. Pro Jahr wird eine Generation gebildet. Neugebildete Larven können erst nach einer Ruhephasevon vier bis fünf Monaten erneut schlüpfen.

Regulierungsstrategien

Vorbeugung und Reduzierung von Kartoffelzystennematoden

Kartoffelzystennematoden sind Quarantäneschaderreger. Einer Verbreitung und Vermehrung des Nematoden ist durch geeignete Maßnahmen entgegenzuwirken.

  • Fruchtfolgeabstände von 4-5 Jahren
  • Gründlicher Beikrautkontrolle bei Vorkommen des Schwarzen oder Bittersüßen Nachtschatten in den Anbaupausen
  • Vermeidung einer Verschleppung des Nematoden über Pflanzgut und anhaftende Erde (Maschinen reinigen)
  • Einsatz befallsfreien Pflanzgutes
  • Resistente Sorten begrenzen die Vermehrung der Kartoffelzystennematoden.Bisher sind nur wenige Wirtschaftssorten und eine Speisekartoffelsorte, Ivetta (früh, vorwiegend festkochend), mit einer Resistenz gegen alle Rassen beider Kartoffelzystennematodenarten verfügbar. Bei genauer Kenntnis des vorliegenden Pathotyps (Einschicken an Pflanzenschutzamt) können gezielt weitere Sorten gewählt werden. Derzeit unterscheidet man in Deutschland fünf Pathotypen der Weißen (Ro1, Ro2, Ro3, Ro4, Ro5) und zwei Pathotypen der Gelben Kartoffelzystennematode (Pa2, Pa3), die entsprechend in den Beschreibenden Sortenlisten des Bundessortenamtes aufgeführt sind.
  • Eine Anbaupause von mindestens sechs Jahren reduziert den Befall erheblich, einige Eier und Larven können aber  bis zu 20 Jahren überdauern.

Vorbeugung und Reduzierung von Wurzelgallennematoden

  • Aufbau organischer Substanz und Förderung des Bodenlebens
  • Anbau von Getreide, Mais, Gräsern über 2 - 3 Jahre mit gründlicher Beikrautregulierung

Vorbeugung und Reduzierung von Wurzelläsionsnematoden

  • Aufbau organischer Substanz und Förderung des Bodenlebens
  • Anbau von Zucker- oder Futterrübe, Roter Bete, Kohlarten über mehrere Jahre mit gründlicher Beikrautregulierung
  • Anbau von Studentenblume (Tagetes) mit gründlicher Beikrautregulierung

 

Letzte Aktualisierung 12.04.2017

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