Saat- und Rabenkrähe (Corvus frugilegus, C. corone corone)

Saat- und Rabenkrähe (Corvus frugilegus, C. corone corone)

Schadbildbeschreibung

Finden Saat- und Rabenkrähen keine tierische Nahrung, so weichen sie auf pflanzliche Nahrung aus und können dann gelegentlich Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen verursachen. Diese Schäden sind jedoch nur bei großen Kolonien erwähnenswert.

Während der Aussaat verzehren die Krähen die Getreidesaat, Getreidekeimlinge und Saatkartoffeln (Maisjungpflanzen sind bis zum 3-Blattstadium durch Krähenvögel gefährdet). Während der Erntezeit werden reifendendes Getreide und Hülsenfrüchte verzehrt. Ebenfalls werden Maiskolben und Sonnenblumenstände befressen. Krähenschäden an Maiskolben erkennt man an den stark zerfaserten Hüllblättern. Obstschäden, zum Beispiel bei Kirschen, gehören zu den Ausnahmen.

In einer extensiv betriebenen Landwirtschaft, vor allem Grünlandwirtschaft, üben Krähen durch das Vertilgen großer Mengen von Schadinsekten, Schnecken und Mäusen ganz ohne Zweifel einen positiven Einfluss aus.

Biologie in Kürze

Die Saatkrähe sieht der Rabenkrähe sehr ähnlich. Sie ist jedoch an der weißlich-grauen, ungefiederten Schnabelwurzel, die sich markant vom blauschwarz glänzenden Gefieder absetzt und der steilen Stirn sehr gut zu unterscheiden. Der gräuliche Schnabel wirkt lang und spitz mit gleichmäßiger Biegung. Die Beine ("Hosen") sind lockerer befiedert und wirken struppig.

Insgesamt wirkt die Saatkrähe im Gegensatz zur kräftigen Rabenkrähe weniger kompakt und viel schlanker. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Das Gefieder der Jungvögel ist matter und rauchschwarz. Der Schnabel ist schwärzlich und die Wangenfärbung fehlt. Saat- und Rabenkrähen sind Allesfresser: Reste von Feldfrüchten, Bodentiere (zum Beispiel Würmer, Schnecken, Mäuse), Aas, Pflanzenteile (Blätter, Früchte, Keimlinge).

Saatkrähen sind Koloniebrüter: zumeist im Osten Deutschlands in großen Brutkolonien auf hohen Bäumen in Siedlungsnähe (Krähenplage). Nester werden bevorzugt hoch oben in einzelnen Baumgruppen gebaut. Der Unterbau besteht aus stärkeren Ästen, die abgerissen oder am Boden gesammelt werden. Für den Nestbau werden gerne vorjährige oder verlassene Nester geplündert. Der Nestoberbau besteht aus dünnen Zweigen. Innen wird das Nest mit feinem Material wie Gras, Wurzelfasern etc. ausgepolstert. Wenn möglich, wird dasselbe Nest im nächsten Jahr wieder vom gleichen Brutpaar besetzt. Saatkrähen brüten in Einehen nur einmal im Jahr vier bis sechs Eier. Diese werden etwa drei Wochen lang vom Weibchen bebrütet. In dieser Zeit wird es vom Männchen gefüttert. Etwa fünf Wochen nach dem Schlüpfen sind die Jungen flügge.

Die Mehrzahl der Krähen zieht im Herbst in großen Schwärmen von Ost- nach Westeuropa. Zugzeit ist Ende September bis Ende November und Februar bis April.

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

Strukturreichtum durch Hecken und Feldgehölze fördern: Diese bieten natürlichen Feinden Deckung (zum Beispiel Habicht). Krähen bevorzugen zudem ein übersichtliches Gelände. Sie meiden die Nähe von dichter, hoher Vegetation. Getreide- oder Hackfruchtfelder sollten nicht direkt an Flächen mit niedriger Vegetation (Wege, abgemähte Wiesen und andere) grenzen, da von diesen aus die Krähen in die Felder eindringen. Eine hohe Randvegetation hält sie ab.

Attrappen und optische Schreckmittel: Schwarze Lappen in Krähenform oder Krähenattrappen aus Holz oder Pappe, welche an einem schräggestellten Pfahl aufgehängt sind. Die Krähen erkennen jedoch schnell die Ungefährlichkeit solcher Schreckmittel.

Drachen-Vogelscheuchsystem: Das System ist seit über 15 Jahren im Einsatz und ständig verbessert worden. Es wird auch erfolgreich gegen Hasen und Tauben eingesetzt. Um einem Gewöhnungseffekt entgegen zu wirken ist zu empfehlen, den Drachen von Zeit zu Zeit umzusetzen. Nach Erfahrungswerten sollte ab einer Flächengröße von drei Hektar ein zweiter Drachen aufgestellt werden, bei Krähen schon ab zwei Hektar.

Erhalten von Wiesenflächen als natürliche Nahrungsräume: Auf Wiesen finden die Krähen einen großen Teil ihrer Nahrung. Wo es keine Wiesen mehr gibt, sind die Krähen darauf angewiesen, auf Äckern Futter zu suchen.

Fraßabschreckende Wirkung von gefärbtem Saatgut: Auf frisch gesäten Feldern suchen und graben Vögel häufig nach Saatgut, das auf der Oberfläche liegt oder zu flach eingearbeitet wurde. Zur Vermeidung von Fraßschäden verwendet man gefärbtes Saatgut, das die Futteraufnahme bei Vögeln beeinflussen kann. Gefärbte Körner werden nicht oder nur in geringer Menge (ca. zehn Prozent) gefressen. Die Farbwahl (grün, grau, schwarz, rosa, blau, violett, braun-violett) hat dabei keine besondere Bedeutung. Steht zusätzliches Futter jedoch nicht zur Verfügung, nehmen die Vögel auch gefärbte Körner in größerer Menge auf. Da zur Saatzeit von Mais, Raps und Sonnenblumen im späten Frühjahr und Sommer gewöhnlich genügend alternatives Futter vorhanden ist, kann die Saatgutfärbung in vielen Fällen einen ausreichenden Schutz vor Vogelfraß bieten. Für ökologisch wirtschaftende Betriebe kann die Saatgutfärbung eine Alternative sein, besonders in Kombination mit anderen repellierend (abschreckend) wirkenden Naturprodukten (zum Beispiel Weintraubenkernextrakt), die wegen des unangenehmen Geschmacks bzw. Geruchs von Vögeln gemieden werden.

Weitere Maßnahmen zum Schutz des Saatgutes:

  • Saatgut tief einsäen und zur Irreführung der Krähen quer zur Drillspur Eggenstriche ziehen
  • Wertvolle Saaten lassen sich auch durch Überziehen von Fäden - in Reihen von zwei Meter Abstand und 25 Zentimeter Höhe - durch einen mit Draht bespannten Lattenrahmen oder auch durch Auflegen von Dornenreisig schützen
  • Aussaat sollte nicht unmittelbar nach dem Pflügen und Eggen sondern erst ein bis zwei Tage später erfolgen, da die Krähen durch die menschliche Tätigkeit und das vermehrte Nahrungsangebot beim Pflügen angelockt werden
  • Wintergetreide sollte möglichst früh ausgesät werden, damit es von den Winterschwärmen nicht mehr vertilgt werden kann
  • Mais - eine pflanzliche Lieblingsnahrung der Krähen - sollte in der Nähe einer Brutkolonie möglichst nicht angebaut werden
  • Der Anteil der von den Krähen weniger begehrten Gerste am Sommergetreide sollte erhöht werden
  • Pflanzenreste, Ernterückstände, die für Krähen sehr attraktiv sind, zum Beispiel Kürbisse oder Zuckerrüben, sollten so eingepflügt werden, dass sie von Krähen nicht erreicht werden, da die Saatkrähe auf der Suche nach ihnen den Boden intensiv durchwühlen und dabei auch die Saat fressen

Direkte Maßnahmen

Pyroakustische Vertreibung: Bei der pyroakustischen Vertreibung werden Knallschreckpatronen eingesetzt, ähnlich wie bei der Starenvertreibung im Rebbau. Vorteilhaft ist es, wenn beispielsweise der pflügende Bauer jeweils eine Knallschreckpistole bei sich hat, um Krähen von den benachbarten Saaten zu vertreiben. Wichtig ist dabei, dass nicht unnütz geknallt wird, damit keine Gewöhnung eintritt. Die Vertreibung sollte gerade so oft vorgenommen werden, dass die Krähen verschwinden.

Grundsätzlich ist bei allen optischen und physikalischen Vertreibungsmaßnahmen mit einem Gewöhnungseffekt zu rechnen. Aus diesem Grunde sollten die Scheuchmittel nur dann angewandt werden, wenn die Gefährdung der Kulturen besonders groß ist, zum Beispiel während der Keimzeit. Anders verhält es sich bei einem neuen Gerät mit lasergesteuertem Knallschreck, das 2002 auf der Deutschen Pflanzenschutztagung in Bonn vorgestellt wurde. Das Gerät knallt nur, wenn die Vögel in eine Laser- bzw. Infrarotlichtschranke fliegen. Da es nur bei Anflug der Vögel knallt, konnte nicht nur die Vogelabwehr verbessert, sondern auch die Lärmbelästigung der Anwohner stark reduziert werden

Regulierungsverfahren mit dem Ziel der Bestandsverringerung, zum Beispiel durch Fang, Abschuss oder Giftköder, sind nicht zulässig. Die EG-Verordnung zum Schutz wildlebender Vogelarten verordnet ihren Schutz und verbietet die Zerstörung der Nester (Artikel 1, Zeile 4). Allerdings können Ausnahmeregelungen ausgesprochen werden, die jedoch vorher von der EU genehmigt werden müssen.


Letzte Aktualisierung 26.07.2010

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