Landwirtschaft


Zwergsteinbrand, Zwergbrand

Tilletia controversa (Kühn), Abteilung Ständerpilze
Befallene Ähren und Brandbutten des Zwergsteinbrandes an Weizen. Zum Vergrößern Klicken.
Gesunde Weizenähre (ganz links) im Vergleich zu zwei deutlich kleineren, mit Zwersteinbrand befallenen Ähren (zweite und dritte von links). Die Ähren enthalten statt Körnern dunkelbraune Brandbutten (mitte, rechts). Foto: S. Preißel, JKI
Weizenähren, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Um mehr als die Hälfte verkürzte Halme durch Befall des Zwergsteinbrandes. Foto: W. Weng, JKI

Schadbildbeschreibung

Mit Zwergsteinbrand befallene Triebe bleiben während des Schossens stark zurück und erreichen nur die Hälfte oder weniger der Höhe von gesunden Halmen. Vereinzelte Halme bleiben kürzer als zehn Zentimeter (einschließlich Ähre). Befallene Pflanzen sind stärker bestockt. In den Ähren sind bereits zur Blütezeit zahlreiche kleine harte Brandbutten vorhanden.

Ähnliche Erreger

Der normale Steinbrand führt zu etwas größeren und weicheren Brandbutten, befallene Halme sind weniger stark verkürzt.

Schadwirkung

Zwergbrandbefall kann zur Aberkennung von Saatgutbeständen führen, zulässig ist höchstens eine Ähre mit Zwergsteinbrand je 150 Quadratmeter Fläche (befallene Ähren nicht vor der Feldbesichtigung entfernen, keine kranken Bestände in 50 Meter Umkreis; Anforderungen der Saatgutanerkennung). Wie auch beim Steinbrand sind befallene Körner für den Verzehr durch den Menschen nicht geeignet und auch als Tierfutter nur mit Einschränkungen verwendbar.

Befall mit Zwergsteinbrand wurde bisher bevorzugt aus Hochlagen in Süddeutschland (Schwäbische Alb, Voralpenland, Schwarzwald) berichtet, die Krankheit tritt aber bereits ab 400 Meter über Meereshöhe auf.

Biologie und Krankheitsverlauf

Weizenkörner gesund, mit Steinbrand und mit Zwergbrand. Zum Vergrößern Klicken.
Brandbutten des Zwergsteinbrandes (oben) im Verleich zu gesundem Weizen (links) und Brandbutten des Weizensteinbrandes (rechts). Foto: S. Preißel, JKI

Die Infektion mit Zwergsteinbrand geht vom Boden aus (im Gegensatz zum vorwiegend samenbürtigen Steinbrand). Begünstigend für eine Infektion sind Lagen mit längerer Schneebedeckung, anhaltend niedrigen Temperaturen (ein bis fünf Grad) und Feuchtigkeit während des anfälligen Befallsstadiums des Weizens. Da die Sporen einen sehr viel längeren Zeitraum für die Keimung benötigen als beim normalen Steinbrand, wird nicht der Sämling infiziert, sondern der während der Wintermonate vorhandene oberirdische Bewuchs. Sporen nahe der Bodenoberfläche keimen und infizieren die Pflanzen vorrangig im Zeitraum der Bestockung.

Für den Befall reichen in dieser Phase diffuse Lichtverhältnisse. Man geht heute davon aus, dass schon ab einem geringen Grenzwert von 20 Sporen pro Korn die kritische Größe für den samenbürtigen Befall erreicht ist. Ein Grenzwert für die Sporendichte im Boden, bei der mit einem Befall gerechnet werden muss, ist nicht bekannt. Das Infektionspotential ist stark standortabhängig sowie sehr inhomogen verteilt. Die bis zu zehn Jahren lebensfähigen Sporen des Pilzes werden durch Saatgut, Stroh, Stallmist und beim Drusch mit dem Wind verbreitet. Beim Mähdrusch werden die Sporen aus den Brandbutten freigesetzt oder ganze Brandbutten gelangen in den Boden. Sehr kurze Halme werden nicht mit gemäht und führen zu punktuell sehr hoher Sporendichte im Boden.

Das Auftreten des Zwergsteinbrandes auch in niedrigeren Lagen wie auch die Erkenntnis, dass der Befall durch den normalen Steinbrand vom Boden aus in einem höheren Ausmaß zu erfolgen scheint als früher gedacht, haben in den zurückliegenden Jahren in der Praxis und Beratung teilweise zu Verunsicherung geführt. Die Sporen der beiden Erreger lassen sich zwar prinzipiell mikroskopisch gut unterscheiden, bei der Untersuchung von Feldmaterial und insbesondere bei Mischinfektionen ist die Diagnose aber häufig nicht eindeutig. Molekularbiologische Verfahren zur routinemäßigen, sicheren Unterscheidung der beiden Erreger sind derzeit noch nicht vorhanden.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und Saatgut behandeln

Vorbeugende Maßnahmen

Das Saatgut sollte

  • aus befallsfreien Beständen stammen
  • laut Kaltkeimungstest eine hohe Triebkraft (ab 80%) haben
  • laut Branduntersuchung weniger als 20 Brandsporen je Korn enthalten
  • von den ökologischen Anbauverbänden bezogen werden. Diese bringen Z-Saatgut nur mit den genannten Wetren für Triebkraft und Brandsporenbesatz in Verkehr, gesetzlich sind dagegen keine Triebkrafttests vorgeschrieben und bis zu 100 Steinbrandsporen je Korn erlaubt!
  • zusätzlich kann die Reinigung und Kalibrierung großer Körner das Infektionsrisiko senken

Vorbeugende Sortenwahl

  • Sorten mit Steinbrandresistenz sollen auch gegenüber dem Zwergsteinbrand eine verminderte Anfälligkeit haben
  • In Versuchen der Bayerischen Landesanstalt waren die Weizensorten Capo, Arnold und Tamaro sehr anfällig gegenüber Zwergsteinbrand. Sorten mit mittlerer Anfälligkeit waren Butaro und Achat. Zu den Sorten mit geringer Anfälligkeit gehörten unter anderen Wiwa und Florian. Keine der geprüften Sorten blieb völlig befallsfrei.
  • Widerstandsfähige Weizensorten sind gleichzeitig gegen Weizensteinbrand widerstandsfähig.
  • Durch die hohe Anpassungsfähigkeit des Pilzes kann sich die Widerstandsfähigkeit der Sorten schnell ändern

Weitere vorbeugende Maßnahmen

  • Aussaat bei optimaler Temperatur und Bodenfeuchte (frühe Winterweizenaussaat, späte Sommerweizenaussaat), feines Saatbett, anwalzen
  • Tiefe Saatgutablage (im Gegensatz zum Weizensteinbrand!)
  • Fruchtfolge:
    Anbauabstand zwischen allen weizenverwandten Getreiden bei vorangegangenem Befall mindestens vier Jahre
    Fruchtfolgen mit Kleegras und Körnerleguminosen sowie gut entwickelten und gründlich eingearbeiteten Zwischenfrüchten fördern den Abbau der Brandsporen im Boden
  • Stallmistdüngung hat keinen Effekt auf den Abbau von Zwergsteinbrandsporen
  • Bei einem Drusch durch Lohnunternehmen auf saubere Mähdrescher achten

Maßnahmen bei Zwergbrandbefall

  • Während der Blüte auf Befall kontrollieren
  • Befallene Ähren entfernen
  • Stark befallenes Getreide als Ganzpflanzensilage ernten oder gedroschen an Biogasanlagen vermarkten
  • Mäßig befallenes Getreide reinigen, dann ist es eventuell verfütterbar, Dinkel entspelzen
  • Stroh rotten lassen, dann tief einarbeiten
  • vor der Folgekultur tief pflügen

Direkte Bekämpfung am Saatgut mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Da beim Zwergsteinbrand der Befall typischerweise vom Boden ausgeht, ist von der Saatgutbehandlung auf bereits verseuchten Flächen keine Wirksamkeit zu erwarten. Die Saatgutbehandlung erfasst nur die am Korn haftenden Sporen. Sie ist beispielsweise angezeigt, wenn Saatgut, das im Verdacht steht befallen zu sein, auf einem bisher befallsfreien Standort ausgesät werden soll. Dafür eignen sich die auch beim Steinbrand geeigneten Mittel und Verfahren:

  • Senfmehl zum Beispiel in Form eines Pflanzenstärkungsmittels, oder Verwendung gewöhnlicher gemahlener Senfsaat (Zulassung als Grundstoff). Die Art der Anwendung (Trockenbeize / Feuchtbeize) orientiert sich am Sporenbesatz (Gebrauchsanweisung beachten).
  • Elektronenbehandlung (Zulässigkeit mit Verband oder Kontrollstelle abklären)
  • Saatgutbehandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln mit dem Bakterium Pseudomonas chlororaphis
  • Heiß- und Warmwasserbeizung
  • Ebenfalls effektiv ist das Reinigen des Saatgutes mittels Saatgutbürstmaschine

Letzte Aktualisierung: 06.02.2018