Möhrenblattfloh

Möhrenblattfloh

Trioza apicalis (Foerster), Unterordnung Pflanzenläuse

Schadbild und Merkmale des Schädlings

Im frühen Entwicklungsstadium der Möhre verursachen Möhrenblattflöhe durch ihre Saugtätigkeit Blattkräuselungen.

Der Möhrenblattfloh verdankt seinen Namen der springenden Fortbewegung dieser zu den Pflanzenläusen zählenden Insekten. Sie erreichen zwischen 2,6 und 3,1 mm Körperlänge und haben durchsichtige, in Ruhe dachartig über dem Hinterleib gefaltete Flügel. Die ausgewachsenen Insekten der neuen Generation sind hauptsächlich hellgrün mit gelben Zeichnungen auf Rücken und Hinterleib. Überwinterte Adulte sind deutlich dunkler, häufig an Kopf und Vorderleib orange bis braun, gefärbt. Sie haben halbkugelige Facettenaugen und drei rote Punktaugen.

Die Jungtiere (Nymphen) sind etwa 1,8 bis 1,9 mm groß und zunächst gelb-orange gefärbt. Danach wechselt ihre Farbe über grün-orange bis zu komplett grüner Farbe während der fünf Nymphenstadien.

Ähnliche Schädlinge an Möhren

Einige Blattlausarten, z. B. die  Gierschblattlaus, verursachen sehr ähnliche Blattkräuselungen an Möhre. Im Feld gibt es bisher keine Möglichkeit diese Schadbilder sicher auseinander zu halten. Deshalb ist es sinnvoll ein Monitoring mit Gelbfallen in orangener Farbe und Bonituren der Schadsymptome zu kombinieren. Die Fänge auf den Gelbtafeln können erste Indizien liefern, ob überhaupt Befall auf der Fläche vorhanden ist. Außerdem sollte auch nach Blattläusen Ausschau gehalten werden (sowohl auf Gelbfallen als auch im Feld).

Die Unterscheidung von anderen Blattfloh-Arten erfordert eine mikroskopische Untersuchung: die ersten Glieder der Fühler des Möhrenblattflohs sind schwarz gefärbt, und an den Beinen befinden sich drei Dornen.

Schadwirkung im ökologischen Karottenanbau

Der Möhrenblattfloh ist ein Phloemsauger und kann neben seinen Hauptwirten Kulturmöhre und Wilde Möhre verschiedene Doldenblütler wie Pastinake, Fenchel und verschiedene Kräuter, z. B. Koriander, Petersilie, Pimpinelle oder Kerbel, befallen. Von der vollständigen Entfaltung der Keimblätter bis zum fünften Laubblatt (BBCH-Stadien 10 bis 15) sind Möhren besonders empfindlich gegenüber dem Blattfloh-Befall. Berichten aus Skandinavien zufolge kann ein massiver Schädlingsbefall bis zum Totalausfall der Möhrenernte führen. Ein späterer Befall kann durch die Pflanze kompensiert werden und wirkt sich nicht oder nur gering auf den Ertrag aus.

Der Möhrenblattfloh kann außerdem dem Bakterium Candidatus Liberibacter solanacearum (CLs) als Vektor dienen. Da der Möhrenblattfloh aber nicht an Kartoffeln saugt, stellt er keine Gefährdung für eine Verschleppung dieses Erregers zu Kartoffeln dar. Bisher sind die Übertragungswege und die genauen Schadsymptome noch nicht eindeutig geklärt.

Biologie und Lebenszyklus

Die ausgewachsenen Insekten überwintern an Koniferen, hauptsächlich Fichten. Einzelne Möhrenblattflöhe wandern ab Anfang Mai in die Möhrenbestände ein. Der Hauptzuflug erfolgt zumeist in den Kalenderwochen 21 bis 23 (Ende Mai). Auch spätere Zuflüge oder ein zweiter Anstieg der zufliegenden Insekten zwischen Kalenderwoche 24 und 29 kann manchmal beobachtet werden.

Andere Wirtspflanzen werden vermutlich nur zur Ernährung und als Ruheplätze genutzt, Fortpflanzung findet nur auf den Hauptwirtspflanzen Möhre und Wilde Möhre statt. Nach der Paarung legen die Weibchen mehrere hundert Eier am Blattrand der Fiederblätter der Möhrenpflanze ab. Der Möhrenblattfloh entwickelt sich in fünf Nymphenstadien bis Mitte August zum ausgewachsenen, geflügelten Tier, welches überwintert.

Regulierungsstrategien

Befallsüberwachung

Um Zuflug und Befall zu überwachen, können orangene Klebefallen im Bestand verteilt und mindestens einmal wöchentlich ausgewertet werden. Die Auszählung sollte mit einem Mikroskop erfolgen um Verwechslungen mit anderen Blattflöhen zu vermeiden.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Flächen in möglichst großer Entfernung zu anderen, insbesondere ökologisch bewirtschafteten Möhrenflächen, sowie zu Nadelbäumen wählen. Allerdings kann der Möhrenlattfloh teilweise auch große Entfernungen mit dem Wind zurücklegen.
  • Möhrensorten mit schneller Jugendentwicklung wählen, die dem kritischen Entwicklungsstadium entwachsen sind (mehr als fünf Laubblätter), bevor der Möhrenblattfloh in die Flächen einfliegt. Die Pflanzen sind dann den Saugschäden gegenüber toleranter und können diese teilweise kompensieren (mögliche Sorten sind zum Beispiel Cameran, Bolero).
  • Saatzeitpunkt von Frühsaaten so wählen, dass der Höhepunkt des Zuflugs nicht mit der sensible Phase der Möhren (Keimblatt bis fünf Laubblätter) zusammen fällt. Bei späten Saaten nach dem Flughöhepunkt (meist ab Mitte Juni) treten geringere Saugschäden auf. Allerdings steigt dann das Risiko durch Trockenstress für die Möhre, welches es abzuwägen gilt.
  • Nützlinge können unterstützend zur Regulierung des Möhrenblattflohs wirken. Dazu ist es wichtig, die Nützlinge durch Saumbiotope wie Blühstreifen, Ackerrandstreifen und ähnliche Maßnahmen zu fördern.
  • Der Einsatz von Kulturschutznetzen kann Schäden durch den Möhrenblattfloh verhindern, sofern sie während der gesamten sensiblen Entwicklungsphase der Möhren nicht abgenommen werden, und auf Pflegemaßnahmen in dieser Zeit verzichtet wird. Dies ist jedoch häufig nicht praktikabel.

Direkte Regulierung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Momentan sind keine Pflanzenschutzmittel verfügbar. Derzeit werden im Rahmen eines Forschungsprojektes verschiedene Wirkstoffe wie Spinosad, Kaolin und Orangenöl für den ökologischen Möhrenanbau getestet.


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Entwicklung eines nachhaltigen Managementsystems für den Möhrenblattfloh im ökologischen Möhrenanbau (bis 2020)

Das Projekt hat zum Ziel, für die Pflanzenschutzpraxis notwendiges Basiswissen über den Möhrenblattfloh (Trioza apicalis) zu sammeln, sowie eine gezielte und nachhaltige Pflanzenschutzstrategie gegen diesen Schädling im Möhrenanbau zu erproben und in die Praxis umzusetzen. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf einem raschen Wissenstransfer von Ergebnissen in die gemüsebauliche Praxis.

Zur Projektbeschreibung in der Datenbank Organic Eprints

Letzte Aktualisierung 09.12.2019

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