Schermaus

Schermaus

Auch: Gro√üe W√ľhlmaus, Ostschermaus, Arvicola terrestris (L.), Familie: W√ľhler

Beschreibung des Schädlings und Schadbildes

Die Schermaus ist die gr√∂√üte einheimische W√ľhlmausart. Sie ist von gedrungenem K√∂rperbau mit 6 bis 9 Zentimeter K√∂rperl√§nge und einem etwa ebenso langen Schwanz. Sie hat kleine Ohren und von schwarz bis hellbraun variierende Fellfarben.

Scherm√§use graben unterirdische G√§nge mit seltenen Gang√∂ffnungen zur Oberfl√§che. √Ėffnet man ein St√ľck des Ganges, so wird er innerhalb kurzer Zeit (zwei bis sechs Stunden) wieder geschlossen (im Unterschied zur Feldmaus). Erdausw√ľrfe werden neben dem Gang abgelegt, sind flach und unregelm√§√üig geformt (im Unterschied zum Maulwurf). Die G√§nge, innerhalb derer Wurzeln abgefressen werden, sind typischerweise um die 40 Meter lang. Die Bauten liegen um die 30 cm tief und dienen auch als Vorratskammer.

Scherm√§use beginnen mit dem Fra√ü an der Wurzel, nagen aber manchmal auch die Rinde bis kurz √ľber der Bodenoberfl√§che ab. Die Breite der Nagezahnspuren gibt zus√§tzliche Hinweise auf den Schadensverursacher. Sie betr√§gt bei Scherm√§usen ca. 1,5 bis 3,5 Millimeter.

√Ąhnliche Sch√§dlinge und Bodenbewohner

Die Feldmaus unterscheidet sich von der W√ľhlmaus durch ihre haupts√§chlich oberirdisch verlaufenden Laufg√§nge mit zahlreichen offenen Eing√§ngen. Das Tier selbst ist deutlich kleiner und hat einen k√ľrzeren Schwanz. Sie nagt vor Allem bodennahe Rinde ab, kann aber auch Wurzeln erreichen.

Maulwurfg√§nge reichen tiefer in das Erdreich, weisen senkrecht √ľber dem Loch ausgeworfene Erdh√ľgel auf, und werden nur langsam wieder verschlossen. Maulw√ľrfe sind reine Fleischfresser und d√ľrfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz in Deutschland nicht gefangen oder get√∂tet werden.

Schadwirkung im Obst- und Gem√ľsebau

Humusreiche, frostfreie und Grundwasserferne Standorte sind besonders gef√§hrdet. Gesch√§digte Obstb√§ume k√∂nnen vertrocknen und absterben. Gesch√§digt werden vor allem Apfelb√§ume auf schwachw√ľchsigen Typenunterlagen sowie Holunder, seltener Birnen auf Quittenunterlage und Erdbeeren. Nagesch√§den an Obstgeh√∂lzen treten vor allem in Frostperioden w√§hrend des Winterhalbjahres auf, wenn Nahrungsalternativen knapp sind. Darum sind Befallskontrollen und die Bek√§mpfung vor Winterbeginn eine wichtige Voraussetzung, um Sch√§den an den B√§umen zu verhindern.

Im Gem√ľsebau treten enorme Sch√§den durch Fra√ü an den Wurzeln und oberirdisch direkt an den Ernteprodukten wie Kohlrabi und M√∂hren auf. Zu den Verlusten kommen ein erh√∂hter Ernte- und Sortieraufwand und erh√∂htes Risiko f√ľr Reklamationen. Die Fra√üstellen bieten Eintrittspforten f√ľr F√§ulen im Feld und in der Lagerung.

Im Hopfenbau werden Hopfeng√§rten mit minimaler Bodenbearbeitung und starkem Bodenbewuchs verst√§rkt befallen. Besonders Junghopfen ist sensibel gegen√ľber den W√ľhlmaussch√§den.

Biologie der Nagetiere

Scherm√§use geh√∂ren gemeinsam mit der Erdmaus, der Feldmaus und der R√∂telmaus zu den W√ľhl- oder Kurzschwanzm√§usen und damit zu einer anderen Familie und Unterfamilie als Langschwanzm√§use (Ratten, Hausmaus, Waldmaus u.a.). Scherm√§use leben vorwiegend unterirdisch und nutzen ein breites Spektrum an pflanzlicher Nahrung sowie Lebensr√§umen. Durch ihr gutes Schwimm- und Tauchverm√∂gen ist sie zum Beispiel auch gut an gew√§ssernahe Habitate angepasst.

Sie pflanzen sich zwischen M√§rz und Oktober fort, unter w√§rmender Schneedecke auch im Winter. Drei- bis viermal j√§hrlich erfolgt ein Wurf mit meist zwei bis sechs Jungen. Da die W√ľhlmaus schon nach zwei Monaten fortpflanzungsbereit ist, kommt es in Jahren mit optimalen Lebensbedingungen zu Massenvermehrungen, so dass im Obst-, Acker- und Gartenbau schon bis zu 700 Tiere pro Hektar erfasst wurden.

Ihre h√∂chste Populationsdichte erreichen die Nagetiere im Sp√§therbst. Sie werden meist bis zu zwei Jahre alt. F√ľr die mit ihrem K√∂rperbau an die Gangbreite angepassten Hermelin und Mauswiesel ist die Schermaus das Hauptbeutetier. Zudem werden sie von Greifv√∂geln, Eulen sowie St√∂rchen und Reihern erbeutet.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Vorbeugende Maßnahmen

  • Im Obstbau Drahtk√∂rbe um Wurzeln, Stamm und Baumpfahl anlegen: w√§hrend der Pflanzung von allen Seiten (auch oben) dicht anlegen und befestigen. Die Maschenweite sollte h√∂chstens zwei Zentimeter betragen.
  • Bei h√∂herem M√§usebefall zumindest ab August das Gras in der Fahrgasse und im Baumstreifen kurz halten.
  • St√§ndiges Aufsammeln von Fallobst vermindert die Anlockung des Sch√§dlings.
  • Flache Bodenbearbeitung hemmt die Entwicklung der M√§use.
  • Im Hopfenbau die Pflanzen im Herbst freilegen (Anrainen), um M√§useg√§nge in der Reihe zu √∂ffnen
  • Abfrierende Zwischenfr√ľchte w√§hlen
  • F√∂rderung nat√ľrlicher Feinde: Hermelin, Mauswiesel oder Greifv√∂gel mindern die Vermehrung der W√ľhlm√§use, F√∂rderung z.B. durch Sitzkr√ľcken und Nisthilfen f√ľr Greifv√∂gel, durch Steinhaufen, Holzstapel, Wurzelst√∂cke und √§hnliche Verstecke f√ľr Hermelin und Mauswiesel.
  • Alternative Verfahren wie das Ans√§en von Knoblauch, Kaiserkrone, Schwarze Johannisbeere, Steinklee, Wolfsmilcharten, Begie√üen mit Buttermilch sowie das Vertreiben durch Duftstoffe haben sich nicht bew√§hrt. Ebenso ungen√ľgende Wirkung haben akustische Ger√§te.

Direkte Bekämpfung mit Fallen

W√ľhlm√§use k√∂nnen nur mit Fallen direkt bek√§mpft werden. Dies sollte im Herbst vor Wintereinbruch bis zum Vegetationsbeginn erfolgen, im Sommer ist sie nicht effektiv. Bei hohem Befall sollten die Fallen zwei- bis dreimal neu gestellt werden.

  • gute Bek√∂derung, beispielsweise mit Karotten oder √Ąpfeln, wichtig f√ľr Bek√§mpfungserfolg
  • Wahl einer Maulw√ľrfe schonenden Falle
  • hoher Arbeitsaufwand
  • G√§nge der W√ľhlmaus mittels eines Suchstabes, der in regelm√§√üigen Abstanden eingestochen wird, aufsp√ľren, vorwiegend im Baumstreifen suchen
  • G√§nge √∂ffnen, markieren und nach 6 Stunden erneut kontrollieren. Ein bewohnter W√ľhlmausgang wird innerhalb 30 Minuten bis sechs Stunden mit Erde zugestopft. Der Maulwurf reagiert erst nach Stunden oder Tagen und macht den Gang wieder durchg√§ngig. Bleibt der Gang offen, ist er ungenutzt oder von einem Maulwurf belegt, es muss keine Falle gestellt werden
  • ist ein Gang geschlossen worden, muss er wieder ge√∂ffnet und die Falle gestellt werden
  • einseitig √∂ffnende Fallen in Gangrichtung legen und gut fixieren
  • Gang√∂ffnung vollst√§ndig abdecken, da Scherm√§use die Falle sonst leicht verw√ľhlen

Alternativ zu den W√ľhlmausfallen werden auch Lebendfallen in Verbindung mit Einwanderungsbarrieren getestet.

  • M√§usez√§une um die Parzelle mit Standby-Boxen. Diese Fallen werden von M√§usen als sch√ľtzendes Versteck aufgesucht. Die Z√§une k√∂nnen aus gebrauchten Folien errichtet werden und m√ľssen mindestens 20 cm tief in den Boden eingegraben werden.
  • Gr√§ben rund um die Parzelle mit eingelassenen Fangwannen. Einwandernde M√§use rutschen in den Graben, landen sp√§ter auf der Suche nach einem Ausweg in der Fangwanne. Langschwanzm√§use k√∂nnen aus der Wanne springen, Scherm√§use nicht.
  • Etwa die H√§lfte der M√§use in den Lebendfallen werden von r√§uberischen Tieren wie Wieseln, Waschb√§ren und Greifv√∂geln heraus gefangen.
  • Mit speziellen Fr√§swerkzeugen k√∂nnen etwa 20 cm breite und 50 cm tiefe, steile Gr√§ben angelegt werden, die die Einwanderung der M√§use fast vollst√§ndig verhindern. Zu Bedenken sind hier eine wenig unfallgef√§hrdende Lage des Grabens, die Wahl der Fr√§stechnik und die M√∂glichkeiten zur Unkrautbek√§mpfung entlang des Grabens.

Im √Ėkologischen Landbau sind derzeit keine Pflanzenschutzmittel gegen Nagetiere zugelassen. Kohlendioxid als Begasungsmittel ist nur als Insektizid und Akarizid im Vorratsschutz zugelassen. Das als Biozid zugelassene Kohlenmonoxid als Begasungsmittel ist nicht f√ľr den Pflanzenschutz sondern einzig f√ľr den Schutz der Gesundheit von Menschen und Tieren (z.B. in Nahrungs- und Futtermitteln) anwendbar.


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