Knospenwickler, Grauer und Roter (Spilonota ocellana und Hedya nubifera)

Knospenwickler

Grauer Knospenwickler Hedya nubiferana (Haworth),
Pflaumenknospenwickler Hedya pruniana (Hübner),
Roter Knospenwickler Spilonota ocellana (Denis & Schiffermüller); Familie: Wickler

Beschreibung

Mehrere Knospenwickler-Arten treten im Obstbau auf. Sie sind Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von 15 bis 21 Millimetern und einer überwiegend braun und grauen Zeichnung. Die Flügel sind im hinteren Bereich von heller, fast weißer Farbe, was den ruhenden Faltern eine Tarnung und Ähnlichkeit zu Vogelkot gibt. Beim Grauen Knospenwickler reicht der helle Bereich bis an die Flügelenden, beim Pflaumenknospenwickler sind die Flügelspitzen dunkler, und beim Roten Knospenwickler sitzt ein dunkler Fleck mittig auf dem hinteren Flügelberich, so dass der helle Bereich eher die Mitte der Flügel überspannt.

Die Raupen des Grauen- und Pflaumenknospenwicklers sind leuchtend bis schmutzig grün mit dunklen Warzen und dunklem Kopf sowie Nackenschild. Die des Roten Knospenwicklers sind rötlich braun. Sie sind im Frühjahr und Frühsommer an Triebspitzen und Blütenknospen zu finden. Sie spinnen Blätter und Blütenbüschel zusammen und fressen daran. Die Fraßränder können braun sein. Angefressene Blütenknospen entwickeln sich garnicht, oder weisen Missbildungen aus. Entwickelte Blüten werden von Innen her ausgefressen, darin finden sich Kotkrümel der Raupen.

Ähnliche Schädlinge

Schalenwickler können insbesondere in Kernobst deutlich größere Schäden anrichten, da sie mehrere Generationen im Jahr entwickeln und auch Früchte schädigen. Ihre Raupen sind einheitlich grün, einschlißlich des Kopfes, und haben keine dunklen Warzen. Sie verurachen auch Fensterfraß und Schabefraß an Fruchtschalen.

Verschiedene Wicklerarten können ähnliche Schadbilder hervorrufen und regional stark auftreten, unter anderem der Große Obstbaumwickler (Archips podana), der Heckenwickler (Archips rosana), und der Gelbbauchwickler (Ptycholoma lecheana).

Die ebenfalls grüne Raupe des Kleinen Frostspannersist anhand der hellen Längsstreifen und der stark buckelnden Fortbewegung gut von Wicklerlarven zu unterscheiden.

Schadwirkung

Graue und Rote Knospenwickler befallen Kernobst, Pflaumenknospenwickler Steinobst, die Arten sind aber wenig spezifisch bei der Wahl ihrer Futterpflanzen und treten auch an verschiedenen wilden Laubgehölzen auf Knospenwickler führen kaum zu wirtschaftlich relevanten Schäden im Obstbau. Lokal starker Befall kann aber das Wachstum und den Ertrag junger Bäume beeinträchtigen.

Biologie des Schadschmetterlings

Die Raupen treten im April bis Mai zur Zeit des Austriebs und der Blüte der Gehölze auf. Sie verpuppen sich Mitte bis Ende Mai. Pflaumenknospenwickler fliegen von Mai bis Juli, Graue Knospenwickler von Juni bis August. In dieser Zeit paaren sie sich und legen Eier zur Überwinterung an Rindenritzen und anderen Verstecken nahe den Wirtspflanzen ab. Sie entwickeln eine Generation im Jahr.

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

  • Lichte Baumerziehung und Förderung eines ruhigen Baumwachstums. Sehr triebige Bäum bieten den Knospenwicklern viele junge Triebspitzen als Nahrung.
  • Förderung von Vögeln in der Anlage, zum Beispiel durch Anbringung von Nistkästen.

Direkte Bekämpfung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Knospenwickler treten nur in Einzelfällen schädlich an Obstgehölzen auf. Eine Bekämpfung ist in der Regel nicht notwendig.

Bacillus thuringiensis gegen Larven der ersten Generation im Frühjahr

  • in Kern-, Stein- und Johannisbeerenobst zugelassen
  • Das Präparat hat die höchste Wirksamkeit, Schlupfwespen können sich in den zügig absterbenden Raupen aber nicht mehr entwickeln.
  • geeignet bei sehr hohem Befall oder wenn verschiedene Arten gemeinsam auftreten und reguliert werden sollen
  • meist zwei Anwendungen erforderlich
  • mit Maßnahmen zur Reduzierung des Triebwachstums verbinden

Die Grundstoffe Fruktose oder Saccharose (Frucht- und Haushaltszucker)

  • können selbstständig zu einem Pflanzenschutzmittel verarbeitet werden
  • dienen im Frühjahr als Blattspritzung gegen Schmetterlingsraupen

Weblink

Die Bestimmungshilfe des Lepiforums zeigt in Bildvergleichen die Unterschiede zum Beispiel zwischen Grauem- und Pflaumenknospenwickler auf.


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

INSEKTOEKOOBST (bis 2020)

Das Forschungsprojekt erarbeitet Bausteine zur Optimierung der Regulierung der Apfelsägewespe, der Rotbeinigen Baumwanze und von Schalenwicklern. Diese Bausteine sollen optimal in die Gesamtstrategie zur Insektenregulierung im Ökologischen Kernobstanbau integriert werden. 

Zur Projektbeschreibung in der Datenbank Organic Eprints

Letzte Aktualisierung 21.03.2019

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