Nützlingsförderung im Kohlanbau

Nützlingsförderung im Kohlanbau

In der Schweiz wurden langjährige Untersuchungen zur optimalen Nützlingsförderung im Kohlanbau durchgeführt. Diese hatten zum Ziel, insbesondere räuberische und parasitische Insekten und Spinnen zu fördern:

Die Förderung dieser Nützlinge basiert auf drei Komponenten:

  • Ein reiches Blütenangebot in einem Blühstreifen lockt Nützlinge aus der Umgebung zur Kohlparzelle. Sie treten dadurch vermehrt und früher auf.

  • Ein fortwährendes Blütenangebot im Blühstreifen sowie einzelner blühender Pflanzen im Feld (Begleitpflanzen) bietet den Nützlingen Zusatznahrung (Nektar, Pollen und Ersatzbeute). Dadurch wird ihre Fruchtbarkeit und Lebensdauer erhöht, sie können sich stärker vermehren und haben eine höhere Eiablage- bzw. Fraßleistung.

  • Naturnahe Landschaftsstrukturen mit Gehölzen und Stauden (Hecken, Feldsäume) bieten Rückzugslebensräume und Überwinterungsquartiere.

Die Blühstreifen sollten insbesondere Kornblume, Futterwicke, Klatschmohn und Buchweizen enthalten. Diese Arten bieten leicht zugänglichen Nektar in ihren Blüten oder in extrafloralen Nektardrüsen an, fördern aber keine Kohlkrankheiten. Zudem sind sie wenig attraktiv für Schmetterlinge, und befördern damit, im Gegensatz zu anderen übliche Blühmischungen, nicht die im Kohlanbau auftretenden Schadschmetterlinge. Sie wurden in Versuchen als attraktiv für die Schlupfwespen Telenomus laeviceps und Cotesia rubecula bestätigt. Ein drei Meter breiter Blühstreifen wird als ausreichend für ein bis zu 50 Meter breites Feld angesehen.

Die Pflanzen können im Frühjahr gesäht werden. Bei Verunkrautung erfolgt ein Schröpfschnitt, sonst sind keine Pflegemaßnahmen notwendig. Der Streifen wird zur besseren Überwinterung der Nützlinge im Feld belassen. Bei hohem Unkrautdruck wird eine Pflanzung vorgezogener Setzlinge empfohlen. Durch Mulchfolie oder Hacken wird Unkraut unter Kontrolle gehalten.

Blühstreifen sind mit dem Einsatz von Kulturschutznetzen kombinierbar. Das Netz schützt die Pflanzen bei angepasster Maschenweite vor allen Schädlingen, sofern diese noch nicht in der Parzelle, also unter dem Netz, vorhanden sind. Die Nützlinge schützen die Kultur wenn die Pflanzen sich soweit entwickelt haben, dass das Netz abgenommen wird.

Wird aufgrund des feuchteren Klimas oder zur besseren Beikrautregulierung auf eine Netzabdeckung verzichtet, stellen Nützlinge die wichtigste Schädlingsregulierung dar. Sie werden dann durch Begleitpflanzen in das Feld gelockt. Für Begleitpflanzen wird empfohlen, je Hektar bis zu zehn Töpfe mit Kornblumen zwischen den Kohl, gleichzeitig mit den Gemüsejungpflanzen, zu setzen. Bei dieser Maßnahme wird auf den Einsatz von Kulturschutznetzen oder nützlingsschädigenden Pflanzenschutzmittel wie Pyrethrum oder Spinosad verzichtet.

Eine ausführliche Dokumentation der relevanten Schädlinge, Nützlinge und effektiver Nützlingsfördermaßnahmen bietet die Broschüre Nützlingsförderung im Biokopfkohlanbau, die im Webshop des FiBL kostenlos herunter geladen werden kann.

Letzte Aktualisierung 18.12.2019

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