Landwirtschaft


Lebendmulch im Gemüsebau

Getreide mit Klee-Untersaat. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Getreide mit Klee-Untersaat. Die Untersaat sorgt für Bodenbedeckung und fixiert Stickstoff. Foto: Thomas Stephan, BLE

Was bedeutet "Lebendmulch"?

In Lebendmulchsystemen werden vor oder nach der Aussaat beziehungsweise Pflanzung der Hauptfrucht weitere Pflanzenarten etabliert, die den Boden bedecken. Diese werden nach der Ernte der Hauptfrucht als Gründünger eigenarbeitet oder dienen der Winterbegrünung. Im Gegensatz zum Lebendmulchverfahren werden in Totmulchsystemen entweder Pflanzenreste oder künstlich produzierte Materialien wie Plastikfolie oder Pappe zur Bodendeckung genutzt.

Lebendmulche – saisonal und permanent

Bei permanentem Lebendmulch werden die Kulturpflanzen in einem Mulchpflanzenbestand etabliert. Die Mulchpflanzen sind dabei entweder mehrjährig oder samen jedes Jahr neu aus. Im Ökolandbau wird die Hauptkultur entweder in einen Frässtreifen gesät oder gepflanzt, oder in einen mit Totmulch bedeckten Streifen.

Ein saisonaler Lebendmulch besteht aus Hauptfrucht und Untersaat. Die Untersaat kann vor, während oder nach der Aussaat beziehungsweise Pflanzung der Hauptfrucht etabliert werden.

Welche Vorteile bieten Lebendmulche?

Die Etablierung von Lebendmulchsystemen hat viele positive Effekte:

  • Unkrautunterdrückung: Durch die permanente Bedeckung des Bodens werden Unkräuter unterdrückt.
  • Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit: Die steigende Vielfalt und Menge an Wurzelausscheidungen füttern und vitalisieren das Bodenleben. Der Humusanteil steigt. Die Aggregatstabilität wird erhöht und damit die Befahrbarkeit verbessert.
  • Erhöhte Biodiversität: Durch die verschiedenen Pflanzenarten werden auch unterschiedliche Insektenarten gefördert und die Artenvielfalt auf der Fläche nimmt zu.
  • Verringerung des Krankheitsdrucks: Bodenbürtige Krankheiten werden stärker unterdrückt.
  • Verringerung der Nährstoffauswaschung: Die Erosionsanfälligkeit und die Auswaschungsgefahr von Nährstoffen sinkt.
  • Bindung von Kohlendioxid: Durch die gesteigerte Photosyntheseleistung kann mehr Kohlendioxid gebunden werden, das zum einen über die Wurzeln in tiefere Bodenschichten gelangt und zum anderen in Form von abgestorbenem Pflanzenmaterial an der Oberfläche verbleibt.

Was spricht gegen Lebendmulch?

Die Mulchpflanzen konkurrieren mit der Hauptkultur um Licht, Wasser und Nährstoffe. Die Konkurrenz um Wasser kann insbesondere in trockenen Jahren problematisch werden. Jedoch kann durch die Auswahl der Pflanzen und den Saatzeitpunkt der Mulchpflanzen dieses Risiko verringert werden. In nassen Jahren birgt eine zu enge Pflanzdecke die Gefahr von Pilzbefall.

Lebendmulche erfordern ein komplexeres Zeitmanagement: Wird die Untersaat zur falschen Zeit gesät, kann sie die Hauptkultur dominieren und die Erträge sinken.

Ein weiterer Nachteil sind die Kosten, die durch das zusätzliche Saatgut entstehen.

Anforderungen an Lebendmulcharten und Hauptkulturen

Optimalerweise haben Mulchpflanzen einen niedrigen Wuchs, wurzeln tief, vertragen Schatten und Mahd und verholzen nicht. Die Etablierung darf nicht zu kompliziert sein. Das Saatgut ist idealerweise günstig. Sie sollten eine hohe Beikrautunterdrückung gewährleisten und selbst nicht so stark mit der Gemüsekultur konkurrieren.

In der Praxis nutzen Gärtnerinnen und Gärtner hauptsächlich verschiedene Kleesorten, aber auch Luzerne und Gräser wie Roggen. Besonders geschätzte Kleearten sind: Erdklee, Weißklee und Feldklee. Leguminosen bieten den Vorteil, dass sie neben dem Mulcheffekt auch Stickstoff aus der Luft binden.

Die Hauptkultur sollte einen möglichst aufrechten Wuchs haben. Ein schnelles Jugendwachstum ist hilfreich, um die Mulchkultur schnell zu beschatten. Bei der Anwendung im Gemüsebau nutzt man in der Regel Pflanzkulturen und keine Säkulturen.

Die meisten Versuche und Praxisbeispiele gibt es bei (Zucker-) Mais und Kohlgewächsen. Aber auch bei Kulturen wie Tomaten, Paprika, Fenchel, Rote Beete oder Mangold sind Lebendmulche möglich. Gärtnerinnen und Gärtner empfehlen, flächig wachsende Kulturen wie Kürbisse nicht in dieser Weise anzubauen. Hauptgrund dafür ist das erschwerte Mähen.

Lebendmulch in der Praxis

Nicht alle Kulturen eigenen sich für den Anbau in Kombination mit Lebendmulch. Deshalb gibt es zwei Möglichkeiten, diese Systeme zu integrieren: Entweder man verwendet Untersaaten in einem bestimmten Fruchtfolgeglied. Oder es wird auf einer Teilfläche eine Fruchtfolge mit Kulturen etabliert, die in einem permanenten Lebendmulch stehen können.

In Lebendmulchsystemen muss deutlich weniger, optimalerweise gar nicht gehackt werden. Je nach Management ist aber eine ein- oder mehrmalige Mahd pro Saison notwendig.

Lebendmulchsysteme können insbesondere für kleinstrukturierte Gemüsebaubetriebe wie zum Beispiel Solidarische Landwirtschaften attraktiv sein.


Letzte Aktualisierung: 12.03.2019