Landwirtschaft


Tomaten

Layersystem bei Tomaten
Im sogenannten Layersystem werden die Aufbindschnüre regelmäßig nach unten gelassen. Indem die Stängel aufgestützt und die alten Blätter großzügig entfernt werden, bleibt das Klima trockener und Krankheiten wie Grauschimmel oder Krautfäule breiten sich weniger aus. Foto: FiBL

Tomaten sind wärmebedürftige Pflanzen. In Mitteleuropa sollte diese Kultur nur geschützt im Folientunnel oder Gewächshaus angebaut werden. Freilandkulturen werden durch die Krautfäule-Krankheit meistens zu stark geschädigt.

Sortenwahl

Tomaten gibt es in unzähligen Formen und Farben. Für einen Direktvermarkter gibt es daher Möglichkeiten, sich mit einem interessanten Sortenspektrum vom Angebot der Handelsketten zu unterscheiden. Wichtige Sorteneigenschaften sind Geschmack sowie Resistenzen und Toleranzen gegen Krankheiten.

Bei Tomaten lohnt sich der Anbau auf speziellen Unterlagssorten (entstanden aus Kreuzungen mit Wildtomaten). Dabei werden die gewünschten Sorten auf einer Unterlage veredelt, die neben einem stärkeren Wachstum auch Resistenzen gegen Bodenkrankheiten und Nematoden aufweist.

Es gibt eine große Sorten- und Typenvielfalt bei Tomaten aus Bio-Vermehrung. Sie können über die Datenbank OrganicXseeds abgefragt werden.

Düngung

Tomaten haben einen hohen Nährstoffbedarf. Idealerweise wird eine Kombination von Wirtschafts-, sowie festen und flüssigen Handelsdüngern eingesetzt. Die flüssige Nachdüngung sollte früh genug vor dem geplanten Ernteende abgesetzt werden, da Herbst- und Winterkulturen auf zu hohe Salzkonzentration im Boden empfindlich reagieren.

Pflege

Tomaten benötigen zum guten Wachstum etwa 16 Blätter. Alle Blätter unterhalb der letzten Trauben mit ausreifenden Früchten können regelmäßig entfernt werden. Das erlaubt eine bessere Luftzirkulation und Regulation der Luftfeuchtigkeit.

Tomaten sind Selbstbestäuber. Dennoch müssen die Blüten für eine erfolgreiche Bestäubung bewegt werden, was durch das sogenannte Trillern erfolgt. Im Erwerbsgartenbau hat sich der Einsatz von Hummelvölkern bewährt, die in Nützlingsfirmen gezüchtet werden und im Gewächshaus ausgebracht werden.

Klimaführung

In gut heizbaren Gewächshäusern kann die Regulierung der Tag- und Nachttemperatur je nach Wachstumsphase die Pflanze in optimale Wachstumsstimmung versetzen. In weniger gut ausgerüsteten Folientunneln und Gewächshäusern muss die Luftfeuchtigkeit möglichst niedrig gehalten werden, um Krankheiten vorzubeugen. Besonders bei länger andauernden Perioden mit nassem und kaltem Wetter sollten die Kulturen trocken geheizt werden, das heißt, die Heizung wird bei leicht geöffneter Lüftung eingestellt, damit die feuchte Luft entweicht.

Pflanzenschutz

Schäden durch Wurzelkrankheiten (zum Beispiel Fusarium, Korkwurzeln) und Nematoden kann durch Verwendung von resistenten Unterlagen vorgebeugt werden. Große Ertragseinbußen können durch die Kraut- und Braunfäule (Phytophtora infestans) und den Grauschimmel (Botrytis cinerea) entstehen. Eine trockene Kulturführung ist hier die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Mittlerweile stehen auch einige resistente Sorten gegen die Kraut- und Braunfäule zur Verfügung.

Bei der Sortenwahl sollte darauf geachtet werden, dass eine C5-Resistenz gegen die Samtfleckenkrankheit gegeben ist, optimalerweise gegen alle bekannten Stämme. 

Gegen Weiße Fliegen werden bereits vorbeugend Parasiten (Encarsia formosa) und Räuber (Raubwanze Macrolophus sp.) eingesetzt. Gegen Blattläuse hat sich die Kombination von Parasiten und Räuber bewährt: Die räuberische Gallmücke (Aphidolethes aphidimyza) wird in Kombination mit den Parasiten Aphidius ervi und Aphelinus abdominalis erfolgreich eingesetzt.

Als Schädling tritt seit Ende der 90er Jahre die Rostmilbe (Aculops lycopersici) in Gewächshäusern auf. Das Schadbild ähnelt dem der Kraut- und Braunfäule. Als Gegenspieler wird die Raubmilbe Amblyseius cucumeris eingesetzt.



Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Tomaten für den Ökofreilandanbau: Züchtungsmethodik und regionale Sortenentwicklung (2009)

Tomaten gehören in Deutschland zu den wichtigsten Gemüsesorten; dabei wird der Großteil des hiesigen Bedarfs importiert. Ein wesentlicher begrenzender Faktor für die Ausweitung der inländischen Produktion ist die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans), die im Freilandanbau erhebliche Probleme verursacht.

Schlussbericht "Tomaten für den ökologischen Anbau im Freiland - Züchtungsmethodik und regionale Sortenentwicklung" in der Datenbank Organic Eprints

Letzte Aktualisierung: 24.09.2015