Pflanzenschutz

Pflanzenschutz im ├ľkogem├╝sebau

Um eine Krankheit oder einen Sch├Ądling erfolgreich zu regulieren, m├╝ssen im ├ľkoanbau eine ganze Palette von vorbeugenden Ma├čnahmen ergriffen werden. Nur f├╝r wenige Schadorganismen gibt es Pflanzenbehandlungsmittel: Vorbeugen lautet die Devise!

Standort und Kulturtechnik

Die meisten an Bl├Ąttern auftretenden Schadpilze, die im Gem├╝sebau wichtig sind, brauchen zur Infektion nasse oder feuchte Bedingungen. Dazu geh├Âren zum Beispiel der Falsche Mehltau bei Salat, Zwiebeln und Gurken sowie die Blattfleckenpilze, wie Blattalternaria bei M├Âhren, Septoria-Blattflecken bei Sellerie oder Cercospora auf Roter Bete.

Um in gef├Ąhrdeten Best├Ąnden das Infektionsrisiko zu senken, sind alle Ma├čnahmen von gro├čer Bedeutung, die das Abtrocknen der Blattmasse f├Ârdern. F├╝r solche Krankheiten empfindliche Kulturen sollten daher nicht in Mulden- oder Schattenlagen gepflanzt oder ges├Ąt werden. Wann immer m├Âglich, m├╝ssen windoffene Lagen und weite Pflanzabst├Ąnde mit einer entsprechend geringeren Anzahl Pflanzen pro Quadratmeter gew├Ąhlt werden. Weiterhin kann der Anbau auf D├Ąmmen auf die Durchl├╝ftung der Best├Ąnde positiven Einfluss haben.

Fruchtfolge

In der Regel sind die im Freilandanbau bedeutenden Sch├Ądlinge, wie Kohlfliege, Kohlwei├čling (zum Beispiel kleiner Kohlwei├čling), Lauchmotte, M├Âhrenfliege oder Krankheiten hoch spezialisiert und k├Ânnen nur eine bestimmte Gem├╝seart oder eng verwandte Arten befallen. Auch bei Pilzkrankheiten ist das so: Der Falsche Mehltau an Salat kann zum Beispiel die Zwiebel nicht befallen.

Um auch bodenb├╝rtige Krankheiten wie zum Beispiel Kohlhernie oder Schadorganismen wie zum Beispiel Nematoden an ihrer Ausbreitung zu hindern,  ist eine regelm├Ą├čige Fruchtfolge zwischen den gleichen Gem├╝searten und Anf├Ąlligkeitsgruppen notwendig. Als Grundsatz sollte gelten, dass eine Anbau-Unterbrechung von drei Jahren nicht unterschritten wird. Das hei├čt, dass h├Âchstens alle vier Jahre die gleiche Kultur auf demselben Standort stehen darf.

Neben der botanischen Verwandtschaft (zum Beispiel Doldenbl├╝tler: M├Âhre, Sellerie, Petersilie), macht auch eine Gruppierung bez├╝glich der Anf├Ąlligkeit mit einem Schaderreger Sinn (anf├Ąllig f├╝r Stengelnematoden sind zum Beispiel Zwiebel, M├Âhren, Sellerie, Rote Bete, Bohnen). Eine Unterbrechung mit Kleegras alle f├╝nf Jahre kann die Fruchtfolge weiter entlasten und ist f├╝r jeden gem├╝sebaulich genutzten Boden eine Wohltat.

Ein Beispiel f├╝r eine Gem├╝sefruchtfolge:

  • 1. Jahr: Kleegras
  • 2. Jahr: Kohlgew├Ąchse
  • 3. Jahr: M├Âhren, Sellerie, Rote Beete
  • 4. Jahr: Salat-Arten, Feldsalat, Spinat
  • 5. Jahr: Zwiebeln, Porree

Der Praktiker kommt jedoch nicht umhin, diese Regeln zu brechen, wenn die Marktanforderungen oder die Bodengegebenheiten es fordern. Die Anf├Ąlligkeitsgruppen der regional bedeutendsten Sch├Ądlinge und Krankheiten sollten aber dennoch ber├╝cksichtigt werden.

Sortenwahl und Saatgut

Im ├ľkoanbau - mit seinen sehr beschr├Ąnkten direkten Bek├Ąmpfungsma├čnahmen - sind die Sortenwahl und die Saatgutgesundheit von zentraler Bedeutung. Sorten mit Toleranzen oder sogar Resistenzen gegen Pilzkrankheiten (zum Beispiel Resistenz gegen Falschen Mehltau bei Salat und Spinat oder Toleranz gegen Blattalternaria bei M├Âhre) und in Ausnahmef├Ąllen gegen Schadinsekten (zum Beispiel Blattlausresistenz bei Salatarten) sind daher ein wichtiger Eckpfeiler der Pflanzenschutzstrategie im Bioanbau. 

Neben diesen spezifischen Resistenzen, welche bekanntlich auch leicht durchbrochen werden, sind aber auch Sorten mit breit abgest├╝tzten Toleranzen, also "robuste" Sorten, wichtig. Sorten mit k├╝rzerer Entwicklungszeit bis zur Erntereife sind weniger lang Krankheitserregern ausgesetzt oder haben ihre Ertragsbildung bereits abgeschlossen, wenn eine jahreszeitbedingte Epidemie die Blattmasse stark sch├Ądigt (zum Beispiel Falscher Mehltau der Zwiebel).

Viele Krankheiten werden mit dem Saatgut ├╝bertragen. Um diese Gefahr zu verringern, stehen im Bioanbau Ma├čnahmen wie die Saatgutbehandlung mit Warmwasser zur Verf├╝gung. Diese Behandlung ist technisch anspruchsvoll und sollten daher den Spezialisten der Saatgutfirmen ├╝berlassen sein. Einige Firmen, die Biosaatgut anbieten, behandeln Saatgut mit solchen Methoden. Vor allem bei M├Âhren und Feldsalat hat sich die Hei├čwasserbehandlung bew├Ąhrt.

Direkter Pflanzenschutz

Die Anwendung von nat├╝rlichen, zugelassenen Behandlungsmitteln sollte nur dann erfolgen, wenn aus Erfahrung mit vorbeugenden Ma├čnahmen keine gen├╝gende Regulierung m├Âglich ist.

Da die bio-tauglichen Pflanzenschutzmittel fast ausnahmslos Kontakt- oder Fra├čmittel sind, ist eine gute Verteilung auf der Pflanze, auch auf der Blattunterseite, f├╝r die Wirksamkeit und damit f├╝r einen m├Âglichst schonenden Einsatz von entscheidender Bedeutung. Zum Beispiel m├╝ssen Bacillus thuringiensis-Pr├Ąparate auch in die inneren Bl├Ątter eines Kohls oder Blumenkohls gelangen, um eine gute Wirkung auf Schadraupen zu entwickeln.

Um diese zu gew├Ąhrleisten sind folgende Verbesserungen m├Âglich:

  • D├╝sen schr├Ąg zur Fahrtrichtung stellen (oder Doppelflachstrahld├╝sen verwenden) und mit erh├Âhtem Druck spritzen, damit die Pflanzenbl├Ątter besser durchwirbelt werden (Abdrift beachten).
  • Luftunterst├╝tzte Spritze verwenden.
  • Spritzbeine verwenden, um mit seitlichen D├╝sen oder von unten nach oben den Spr├╝hbelag zu verbessern. Diese Technik ist momentan noch in der Erprobungsphase.

Aus der Forschung - f├╝r die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms ├ľkologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (B├ľLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgef├╝hrt.

Regulierung des Falschen Mehltaus im ├ľko-Gem├╝sebau (2004)

Im ├ľko-Gem├╝sebau f├╝hrt der Falsche Mehltau bei vielen Kulturarten zu hohen Ertragsverlusten. An Zwiebeln und weiteren Gem├╝searten wurden Pflanzenst├Ąrkungsmittel mit einer effektiven Wirkung gegen Falschen Mehltau untersucht.

Regulierung Falscher Mehltau Pilze an Gem├╝sekulturen im ├Âkologischen Landbau am Beispiel von Salat und Zwiebeln (FKZ 02OE514)

Strategien gegen Nematoden im ├ľko-Gem├╝sebau (2004)

Wissenschaftler der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen haben im Rahmen des Bundesprogramms ├ľkologischer Landbau Strategien zur Regulierung von Nematoden im ├Âkologischen Feldgem├╝sebau entwickelt. Neben dem Forschungsbericht steht ein praxisorientierter Leitfaden zur Verf├╝gung.


Letzte Aktualisierung 28.05.2014

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