Landwirtschaft


Pflanzenschutz im Ökogemüsebau

Möhrenbestand mit Blatt-Alternariabefall, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Möhrenbestand mit Blatt-Alternariabefall. Durch Schattenwurf von Waldrändern und Hecken sowie in Muldenlagen bleiben die Blätter der Kultur länger nass. Dadurch werden viele Pilzkrankheiten gefördert. Foto: M. Koller, FiBL

Um eine Krankheit oder einen Schädling erfolgreich zu regulieren, müssen im Ökoanbau eine ganze Palette von vorbeugenden Maßnahmen ergriffen werden. Nur für wenige Schadorganismen gibt es Pflanzenbehandlungsmittel: Vorbeugen lautet die Devise!

Standort und Kulturtechnik

Die meisten an Blättern auftretenden Schadpilze, die im Gemüsebau wichtig sind, brauchen zur Infektion nasse oder feuchte Bedingungen. Dazu gehören zum Beispiel der Falsche Mehltau bei Salat, Zwiebeln und Gurken sowie die Blattfleckenpilze, wie Blattalternaria bei Möhren, Septoria-Blattflecken bei Sellerie oder Cercospora auf Roter Bete.

Um in gefährdeten Beständen das Infektionsrisiko zu senken, sind alle Maßnahmen von großer Bedeutung, die das Abtrocknen der Blattmasse fördern. Für solche Krankheiten empfindliche Kulturen sollten daher nicht in Mulden- oder Schattenlagen gepflanzt oder gesät werden. Wann immer möglich, müssen windoffene Lagen und weite Pflanzabstände mit einer entsprechend geringeren Anzahl Pflanzen pro Quadratmeter gewählt werden. Weiterhin kann der Anbau auf Dämmen auf die Durchlüftung der Bestände positiven Einfluss haben.

Fruchtfolge

In der Regel sind die im Freilandanbau bedeutenden Schädlinge, wie Kohlfliege, Kohlweißling (zum Beispiel kleiner Kohlweißling), Lauchmotte, Möhrenfliege oder Krankheiten hoch spezialisiert und können nur eine bestimmte Gemüseart oder eng verwandte Arten befallen. Auch bei Pilzkrankheiten ist das so: Der Falsche Mehltau an Salat kann zum Beispiel die Zwiebel nicht befallen.

Um auch bodenbürtige Krankheiten wie zum Beispiel Kohlhernie oder Schadorganismen wie zum Beispiel Nematoden an ihrer Ausbreitung zu hindern,  ist eine regelmäßige Fruchtfolge zwischen den gleichen Gemüsearten und Anfälligkeitsgruppen notwendig. Als Grundsatz sollte gelten, dass eine Anbau-Unterbrechung von drei Jahren nicht unterschritten wird. Das heißt, dass höchstens alle vier Jahre die gleiche Kultur auf demselben Standort stehen darf.

Neben der botanischen Verwandtschaft (zum Beispiel Doldenblütler: Möhre, Sellerie, Petersilie), macht auch eine Gruppierung bezüglich der Anfälligkeit mit einem Schaderreger Sinn (anfällig für Stengelnematoden sind zum Beispiel Zwiebel, Möhren, Sellerie, Rote Bete, Bohnen). Eine Unterbrechung mit Kleegras alle fünf Jahre kann die Fruchtfolge weiter entlasten und ist für jeden gemüsebaulich genutzten Boden eine Wohltat.

Ein Beispiel für eine Gemüsefruchtfolge:

  • 1. Jahr: Kleegras
  • 2. Jahr: Kohlgewächse
  • 3. Jahr: Möhren, Sellerie, Rote Beete
  • 4. Jahr: Salat-Arten, Feldsalat, Spinat
  • 5. Jahr: Zwiebeln, Porree

Der Praktiker kommt jedoch nicht umhin, diese Regeln zu brechen, wenn die Marktanforderungen oder die Bodengegebenheiten es fordern. Die Anfälligkeitsgruppen der regional bedeutendsten Schädlinge und Krankheiten sollten aber dennoch berücksichtigt werden.

Sortenwahl und Saatgut

Im Ökoanbau - mit seinen sehr beschränkten direkten Bekämpfungsmaßnahmen - sind die Sortenwahl und die Saatgutgesundheit von zentraler Bedeutung. Sorten mit Toleranzen oder sogar Resistenzen gegen Pilzkrankheiten (zum Beispiel Resistenz gegen Falschen Mehltau bei Salat und Spinat oder Toleranz gegen Blattalternaria bei Möhre) und in Ausnahmefällen gegen Schadinsekten (zum Beispiel Blattlausresistenz bei Salatarten) sind daher ein wichtiger Eckpfeiler der Pflanzenschutzstrategie im Bioanbau. 

Neben diesen spezifischen Resistenzen, welche bekanntlich auch leicht durchbrochen werden, sind aber auch Sorten mit breit abgestützten Toleranzen, also "robuste" Sorten, wichtig. Sorten mit kürzerer Entwicklungszeit bis zur Erntereife sind weniger lang Krankheitserregern ausgesetzt oder haben ihre Ertragsbildung bereits abgeschlossen, wenn eine jahreszeitbedingte Epidemie die Blattmasse stark schädigt (zum Beispiel Falscher Mehltau der Zwiebel).

Viele Krankheiten werden mit dem Saatgut übertragen. Um diese Gefahr zu verringern, stehen im Bioanbau Maßnahmen wie die Saatgutbehandlung mit Warmwasser zur Verfügung. Diese Behandlung ist technisch anspruchsvoll und sollten daher den Spezialisten der Saatgutfirmen überlassen sein. Einige Firmen, die Biosaatgut anbieten, behandeln Saatgut mit solchen Methoden. Vor allem bei Möhren und Feldsalat hat sich die Heißwasserbehandlung bewährt.

Direkter Pflanzenschutz

Die Anwendung von natürlichen, zugelassenen Behandlungsmitteln sollte nur dann erfolgen, wenn aus Erfahrung mit vorbeugenden Maßnahmen keine genügende Regulierung möglich ist.

Da die bio-tauglichen Pflanzenschutzmittel fast ausnahmslos Kontakt- oder Fraßmittel sind, ist eine gute Verteilung auf der Pflanze, auch auf der Blattunterseite, für die Wirksamkeit und damit für einen möglichst schonenden Einsatz von entscheidender Bedeutung. Zum Beispiel müssen Bacillus thuringiensis-Präparate auch in die inneren Blätter eines Kohls oder Blumenkohls gelangen, um eine gute Wirkung auf Schadraupen zu entwickeln.

Um diese zu gewährleisten sind folgende Verbesserungen möglich:

  • Düsen schräg zur Fahrtrichtung stellen (oder Doppelflachstrahldüsen verwenden) und mit erhöhtem Druck spritzen, damit die Pflanzenblätter besser durchwirbelt werden (Abdrift beachten).
  • Luftunterstützte Spritze verwenden.
  • Spritzbeine verwenden, um mit seitlichen Düsen oder von unten nach oben den Sprühbelag zu verbessern. Diese Technik ist momentan noch in der Erprobungsphase.

Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Regulierung des Falschen Mehltaus im Öko-Gemüsebau (2004)

Im Öko-Gemüsebau führt der Falsche Mehltau bei vielen Kulturarten zu hohen Ertragsverlusten. Zurzeit sind weder genügend wirksame Resistenzen bekannt noch gibt es geeignete Anbautechniken, die einen ausreichenden Schutz gegen Mehltaupilze bieten. Der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln mit einer effektiven Wirkung gegen Falschen Mehltau wäre eine mögliche Lösung des Problems.

Regulierung Falscher Mehltau Pilze an Gemüsekulturen im ökologischen Landbau am Beispiel von Salat und Zwiebeln (FKZ 02OE514)

Strategien gegen Nematoden im Öko-Gemüsebau (2004)

Wissenschaftler der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen haben im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau Strategien zur Regulierung von Nematoden im ökologischen Feldgemüsebau entwickelt. Neben dem Forschungsbericht steht ein praxisorientierter Leitfaden zur Verfügung.


Letzte Aktualisierung: 28.05.2014