Unkrautregulierung

Unkrautregulierung im ökologischen Gemüsebau

Der Bioanbau verzichtet auf die im konventionellen Anbau üblichen Herbizide. Diese Einschränkung stellt besonders im Gemüsebau eine große Herausforderung dar. Der Arbeitsaufwand für die Unkrautregulierung hat vor allem in direkt gesäten Kulturen - wie Möhre, Zwiebel oder Rote Bete - einen entscheidenden Einfluss auf die Produktionskosten und damit auf die Wirtschaftlichkeit.

Ob die Handarbeit für die Unkrautregulierung 100 oder 300 Stunden pro Hektar beträgt, entscheidet wesentlich über die Rendite einer Kultur. Bioproduzenten tun daher einiges, um die Handarbeit zu minimieren. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess von vorbeugenden und direkten Maßnahmen, der nach der Ernte der Vorkultur beginnt und mit der Ernte der angebauten Kultur endet.

Keimfähige Unkrautsamen unschädlich machen

Das Prinzip, dass möglichst viel Unkraut schon vor der Saat beseitigt wird, ist dabei ein wichtiger Grundsatz. Folgt nach dem Abernten der Vorkultur eine unkrautreduzierende Bodenbearbeitung und eine konkurrenzstarke Gründüngung, so ist bereits ein beachtlicher Teil der keimfähigen Unkrautsamen unschädlich gemacht. Ein weiterer Schritt im Beikraut-Management ist ein fachgerechtes Einarbeiten der Gründüngung mit gleichzeitiger Grundbodenbearbeitung - beim Anbau von Möhren etwa kommt man in der Regel nicht um eine Pflugfurche herum.

Direkte Maßnahmen vor der Saat oder Pflanzung: Unkrautkur

In die  anschließende Saatbettbereitung wird ein eine Unkrautkur eingebaut, um wiederum keimwillige Unkrautsamen zum Keimen zu bringen und anschließend mit einer flachen Bearbeitung mit Striegel oder Egge die Keimlinge zu zerstören. 

Direkte Maßnahmen im Vorauflauf: Blindstriegeln und Abflammen

Keimt nach der Saat vor dem Auflaufen der Möhren Unkraut, so muss diese Zeit für eine weitere Verringerung der Beikräuter genutzt werden. Da Möhren flach gesät werden, ist eine thermische Behandlung das Mittel der Wahl. Dabei erhitzen sich die empfindlichen Teile der Unkräuter für Bruchteile einer Sekunde auf über 60 Grad Celsius, so dass die Zellen platzen und die Pflanze abstirbt. Bei tiefer gesäten Arten (tiefer als vier Zentimeter) wie Bohnen kann das keimende Unkraut auch im Vorauflauf gestriegelt werden ("Blindstriegeln").

Als eine der wenigen Kulturpflanzen können Zwiebeln samt Unkraut auch nach dem Auflaufen abgeflammt werden. Dank dem im Boden geschützten Vegetationspunkt treiben sie wieder aus, allerdings verlängert sich dadurch die Kulturzeit. Mit dem Auflaufen oder der Pflanzung einer Kultur wird die Unkrautregulierung wesentlich kniffeliger, da nun die Kulturpflanzen einer ganzflächigen Bearbeitung im Wege stehen.

Maßnahmen nach dem Auflaufen

Mechanische Unkrautregulierung funktioniert zwischen den Reihen mit den heute zur Verfügung stehenden Geräten in der Regel problemlos. Schwieriger ist die Regulierung der Unkräuter in den Kulturreihen. Außer althergebrachten Verfahren, wie Striegeln und Anhäufeln, steht derzeit nur die Fingerhacke zur Verfügung. Alle Verfahren sind allerdings nur dann erfolgreich, wenn die Kulturpflanze einen ausreichenden Wachstumsvorsprung vor dem Unkraut hat.

Gezielte Eingriffe vor der Saat bzw. Pflanzung (zum Beispiel optimal bereitetes Saatbett, Unkrautkur oder Abflammen) ermöglichen der Gemüsepflanze den entscheidenden Vorsprung vor dem keimenden Unkraut. Das größte Verbesserungspotenzial bei den konkurrenzschwachen Kulturpflanzen, wie Karotten, Zwiebeln oder Rote Bete liegt im Keim- und Zwei- bis Vierblattstadium, wo Unkräuter in der Reihe bisher nur von Hand entfernt werden können.

Um diesen Aufwand - der bei Möhren je nach Unkrautdruck zwischen 50 und 250 Stunden Handarbeit pro Hektar ausmacht - zu reduzieren, benötigt man Geräte, die möglichst nah an die Gemüsepflanze heran arbeiten: Der Handarbeitsbereich soll so klein wie nur möglich ausfallen. Pro näher an die Reihe gehackten Zentimeter können je Hektar bis zu zehn Arbeitsstunden eingespart werden!

Neben dem Unkraut bekämpfenden Effekt hat die mechanische Bearbeitung auch noch den großen Vorteil der Bodenlockerung. Die damit verbundene bessere Belüftung des Bodens wirkt sich positiv auf das Pflanzenwachstum aus.

Je kleiner das Unkraut, desto besser ist der Wirkungsgrad der Bearbeitungsmaßnahmen. Für Striegeln, das in vielen Gemüsearten erfolgreich angewendet werden kann, ist keimendes Unkraut bis höchstens zum Zweiblattstadium das ideale Entwicklungsstadium. Scharhacken sind ab dem Zweiblattstadium bis zu einer Unkrautgröße von etwa fünf Zentimeter noch ausreichend wirksam.

Damit wird auch klar, dass der Zeitpunkt eines Eingriffes einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren ist. Witterungseinflüsse können allerdings einen optimalen Ablauf stark durcheinander bringen und eine erfolgreiche Bekämpfung wesentlich erschweren oder gar verunmöglichen.

Verläuft die Unkrautregulierung nicht erfolgreich, so muss zwischen den Kosten für den zusätzlichen Arbeitsaufwand für Nachjäten und dem Aufwand für Einarbeiten und Neustart der Kultur abgewogen werden. Wichtig ist aber in jedem Fall, dass vor allem auf Parzellen mit geringem Unkrautdruck das Absamen der Beikräuter verhindert wird.

Vorbeugende Maßnahmen

Unkrautdruck kann mit vorbeugenden Maßnahmen reduziert oder gar weitgehend ausgeschaltet werden. So kann mit Mulchmaterialien, etwa Abdeckungen wie Papier oder biologisch abbaubaren Folien, in kurzfristigen Kulturen (zum Beispiel Salatarten) das Unkraut weitgehend unterdrückt werden. Mehrfach verwendbare Materialien aus Bändchengewebe oder Vlies eignen sich für langdauernde Kulturen mit großem Pflanzabstand, wie Zucchini oder Kürbisse.

Der "unkrautsensibelsten" Phase kann mit der Verwendung von Jungpflanzen aus dem Wege gegangen werden. Bekannte Beispiele dazu sind Feldsalat oder auch Zwiebeln. Daher werden im Bio-Gemüsebau häufig nur diejenigen Arten direkt gesät, bei denen es keine Alternative mit Setzlingen gibt. Beispiele hierfür sind Möhren, Rote Bete, Schwarzwurzel oder Spinat.


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Letzte Aktualisierung 28.05.2014

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