Landwirtschaft


Wissenswertes zum Buchweizenanbau

Blühender Buchweizen mit Früchten
Seit einigen Jahren steht Buchweizen wieder im Fokus und gilt heute als ernährungsphysiologisch ausgesprochen wertvolles Lebensmittel.
Foto: Thomas Stephan, BLE

Buchweizen (Fagopyrum esculentum) gehört zu den sogenannten Pseudogetreidearten. Obwohl das Korngut oft ähnlich verwendet und verarbeitet wird wie Getreide, gehören die Pflanzen aus botanischer Sicht zu einer anderen Familie, den Knöterichgewächsen (Polygonaceae). Seinen Namen erhielt der Buchweizen wegen seinen bucheckerförmigen Samen und den weizenähnlichen Inhaltsstoffen.

Nachdem Buchweizen in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert noch ein weit verbreitetes Grundnahrungs- und Futtermittel war, ging die Bedeutung des Anbaus in Europa mit der Einführung der Kartoffel und der Intensivierung des Ackerbaus zurück. In den letzten 20 Jahren rückt Buchweizen aufgrund sich ändernder Ernährungsgewohnheiten wieder in den Fokus und gilt heute als ausgesprochen wertvolles funktionelles Lebensmittel.

Auch in der ökologischen Tierernährung kann Buchweizen in Zukunft wieder von Bedeutung sein, da es qualitativ hochwertiges Eiweiß enthält und somit heimische Eiweißfuttermittel wie Erbsen oder Ackerbohnen sinnvoll ergänzen kann.

Die Hinweise und Erkenntnisse zum Anbau und zur Futternutzung von Buchweizen in diesem Artikel stammen größtenteils von Erhebungen aus vierjährigen Anbauversuchen im östlichen Niedersachsen, einem Projekt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Fachbereich Ökologischer Landbau.

Eigenschaften von Buchweizen

Junge Buchweizenkeime
Buchweizen ist eine sehr interessante Kultur mit vielen Vorteilen, nicht nur aus pflanzenbaulicher Sicht. Sein Anbau kann aus vielen Gründen sehr lohnend sein.
Foto: Thomas Stephan, BLE

Buchweizen ist eine sehr interessante Kultur mit vielen Vorteilen, nicht nur aus pflanzenbaulicher Sicht:

  • Anspruchslos im Anbau (bezüglich Boden und Nährstoffbedarf, kaum krankheitsanfällig)
  • Ausgezeichnetes Beikrautunterdrückungsvermögen
  • Erhöht die Biodiversität in der Agrarlandschaft (zum Beispiel intensive Blühphase, hoher Zuflug von Insekten)
  • Enthält viel Rohprotein, bei hoher Eiweißwertigkeit
  • Hohe Gehalte an Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan
  • Ausgewogenes Verhältnis der Aminosäuren, ähnlich der Sojabohne
  • Vergleichsweise niedrige Tanningehalte, ähnlich der Körnererbse und Ackerbohne
  • Hohe Gehalte an sekundären Inhaltsstoffen mit antioxidativem Potenzial
    Glutenfrei

Jedoch gibt es auch einige Nachteile:

  • Ungleichmäßige Blüte und Abreife, dadurch schwierige Wahl des Erntetermins
  • Stark schwankende Erträge
  • Kälteempfindlich
  • Geringe Backfähigkeit

Buchweizenanbau

  • Standort: Leichte, sandige, mäßig feuchte Böden. Passt auch auf Standorte mit niedrigem pH-Wert und in flachgründige Mittelgebirgslagen. Nicht auf staunassen und verdichteten Standorten.
  • Fruchtfolge: Optimal nach stickstoffzehrenden Kulturen wie Getreide, nicht nach Leguminosen. Durch hervorragende Unkrautunterdrückung und Verbesserung der Bodengare mit guter Vorfruchtwirkung. Selbstverträglich.
  • Aussaat: Sehr kälteempfindlich, erste Schäden bereits bei null Grad. Da die Vegetationszeit nur circa 14 bis 18 Wochen beträgt, wird die Aussaat erst nach den Eisheiligen empfohlen, ab Mitte Mai bis Mitte Juni. Saatstärke 60 bis 80 kg/ha, Saattiefe 2 bis 3 Zentimeter mit Getreidedrille.
  • Beikrautregulierung: Sehr schnelle Jugendentwicklung, daher rasche Bedeckung des Bodens, dadurch geringe Gefahr der Verunkrautung. Mechanische Beikrautregulierung nicht erforderlich. Achtung: Aufgrund ungleichmäßigem Auskeimen und zum Teil Keimruhe kann Durchwuchs-Buchweizen in Folgekulturen selbst zum Unkraut werden.
  • Schädlinge: Krankheiten und Schädlinge treten bisher selten auf. Allerdings nicht zu unterschätzende Gefahr von Wild- und Vogelfraß.
  • Ernte: Ungleichmäßige Abreife, daher Festlegung des Erntetermins schwierig. Bei Aussaat Mitte Mai Ernte circa ab Ende August bis Mitte September. Geerntet werden sollte, wenn 70-80 Prozent der Samen reif sind. Dreschtrommel und Gebläse niedriger einstellen als beim Getreide, da die Samen sehr locker sitzen und leicht ausfallen. Option: Pflanzen auf Schwad legen und nach einer Woche Abliegen dreschen.
  • Trocknung: Hohe Feuchtigkeitsgehalte des Ernteguts, daher schonende Trocknung bei 30 bis 40 Grad auf 12 bis 14 Prozent Feuchtigkeit.
  • Ertrag: Stark schwankend, circa zwischen 5 und 30 dt/ha. Vor allem durch intensive Bestäubung lassen sich die Erträge stabilisieren. Eine Zusammenarbeit mit Imkern ist somit empfehlenswert.

Einsatzmöglichkeiten von Buchweizen

Buchweizenanbau kann aus mehreren Gründen sehr lohnend sein. Mit seinem Anbau lassen sich Fruchtfolgen und Arbeitsspitzen entzerren. Zudem ist der proteinhaltige Buchweizen eine hochwertige Futterkomponente, was ihn für die Monogastrierfütterung im Ökolandbau interessant macht. Der Einsatz als Futtermittel zur Eiweißergänzung scheint auch möglich, allerdings ist der Anbau zur Futternutzung als Hauptfrucht wirtschaftlich uninteressant. Unter zwei Voraussetzungen kann der Futterbuchweizenanbau aber interessant sein:

  • Als Zweitfrucht (zum Beispiel nach Wintergerste) möglich, jedoch erhöhtes Ernte- und Ertragsrisiko aufgrund der späten Ernte
  • Als Ersatzfrucht ideal, zum Beispiel nach Ausfall einer Kultur wie Mais oder Körnerleguminosen

Für die Futternutzung ist es wichtig zu wissen, dass ungeschälter Buchweizen in Schweinemastrationen wirtschaftlich einsetzbar ist, wenn der Preis unter dem Getreidepreis angesiedelt ist. Allerdings kann ungeschälter Buchweizen aufgrund des geringen Energiegehaltes und des hohen Rohfaseranteils nur begrenzt eingesetzt werden. In geschältem Buchweizen liegen die wertbestimmenden Inhaltsstoffe um zehn bis 20 Prozent höher, wird er eingesetzt, darf der Preis in der Größenordnung von Futtergetreide liegen.

Der Anbau als Speisebuchweizen ist allerdings deutlich lukrativer, da Buchweizen aufgrund seiner hervorragenden ernährungsphysiologischen Eigenschaften vermehrt von Verbraucherinnen und Verbrauchern nachgefragt wird. Entsprechend fragt auch die verarbeitende Industrie im Speisesektor heimisch erzeugte Rohware stärker nach. Hier könnten sich für Ökobetriebe durchaus auch ökonomisch interessante Vermarktungsperspektiven ergeben.


Letzte Aktualisierung: 24.11.2015