Landwirtschaft


Ökologischer Triticaleanbau

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Triticale hat einen für die Fütterung günstigen niedrigen Rohfasergehalt. Foto: T. Stephan, BLE

Triticale ist eine Kreuzung aus Roggen und Weizen. Sie verbindet einen hohe Erträge, hohe Eiweißgehalte und eine hohe biologische Eiweißwertigkeit mit relativ geringen Ansprüchen an den Standort und die Nährstoffversorgung. Diese Kombination macht Triticale auch für den ökologischen Anbau sehr interessant.

Triticale wird als Futterware angebaut, lässt sich aber auch zusammen mit Weizen verbacken. Technisch ist Triticale zwar problemlos als Backgetreide zu verwenden, die Vermarktung als Backgetreide ist derzeit aber nur in sehr geringem Umfang möglich. In der Regel wird Triticale im eigenen Betrieb verfüttert oder an Futtermühlen vermarktet. Die Inhaltsstoffe (Eiweißgehalte) und Energiegehalte liegen auf dem Niveau von Weizen, weshalb Triticale gut geeignet ist für Futtermischungen bei Rindern und Schweinen. In der Regel ersetzt Triticale hier Weizen oder Gerste. In der Geflügelfütterung kommt Triticale dagegen weniger zum Einsatz und sollte einen Anteil von maximal 30 Prozent nicht überschreiten.

Standort

Ähnlich wie Roggen kann Triticale auch auf Grenzstandorten oder in Höhenlagen angebaut werden. In Regionen, in denen Weizen keine ausreichenden Erträge mehr bringt, lässt sich mit Triticale oft noch ein ausreichender Ertrag erzielen. Die gute Winterhärte ist sortenabhängig und macht Triticale spätsaatverträglich, was bei Windhalm- und Fuchsschwanzproblemen hilfreich sein kann. Auf schweren Böden und bei nasser Witterung sollte die Saat auf keinen Fall  "eingeschmiert" werden. Das ausgeprägte Wurzelwerk und der Grannenwuchs lassen Triticale auch auf trockenen Standorten vertretbare Ernten erreichen.

Fruchtfolge

Hinsichtlich ihrer Ansprüche an die Vorfrucht ist Triticale ähnlich wie der anspruchsarme Roggen einzustufen. Als abtragendes Glied ist sie auch mit Untersaaten für das folgende Feldfutter beziehungsweise Kleegemenge gut platziert. Nach Kulturen mit hohem Unkrautdruck kann Triticale mit ihrem dominanten, bestockungsintensiven und je nach Sorte mittellangen bis langen Wuchs gestellt werden. Durch die Spätsaatverträglichkeit kann bei früh räumender Vorkultur auch eine Zwischenfrucht vorgestellt werden.

Saat

Saatzeit / Saatstärke: Eine tendenziell etwas frühere Aussaat führt zu einer ausreichenden Bestockung im Herbst, so dass der Bestand gut entwickelt in den Winter gehen kann. Eine spätere Saat hilft eine zu starke Vorwintermineralisierung von Stickstoff zu vermeiden und führt zu einem geringeren  Unkrautdruck.

Die Saatmenge liegt je nach Standort und Tausendkorngewicht (ca. 34 - 48 g) bei 120 bis 190 Kilogramm je Hektar.

Saattermine und Saatmengen für Triticale
StandortAussaatterminSaatmenge
(Körner pro m2)
leichte Standorte20. September bis 25. November  250 - 300
mittlere Böden
über 400 m Höhe
25. September bis 25. November
20. September bis 20. Oktober
270 - 320
300 - 350
gute Böden25. September bis 05. November270 - 320

Auch hier ist die Verwendung von Saatgut mit hoher Keimfähigkeit bei erschwerten Bedingungen (Kalttest) unbedingt zu beachten. Zertifiziertes Ökosaatgut verfügt in der Regel immer über die gwünschte Keimfähigkeit. Ein Nachbau ist grundsätzlich möglich, wobei aber Vorsicht geboten ist. Triticale ist zwar Selbstbefruchter, jedoch können in Abhängigkeit von der Sorte bis zu 30 Prozent Fremdbefruchtung auftreten. Kreuzungsmöglichkeiten zwischen Triticale und Weizen sowie auch zwischen Triticale und Roggen bestehen nicht. Bei häufigerem Nachbau zeigt sich, dass die Sorten zunehmend aufspalten und die positiven Eigenschaften der Kreuzung abgebaut werden.

Die Ablagetiefe sollte tiefer sein als bei Roggen, aber flacher als bei Weizen. Zwei bis drei Zentimeter sind für den Flachkeimer Triticale ausreichend, um die an der Erdoberfläche ansetzende Bestockung gut zu gewährleisten. Ein gut abgesetztes und rückverfestigtes Saatbett ist ein Muss. Reihenabstände von neun bis zwölf Zentimetern ermöglichen eine optimale Standraumverteilung. Bei hochgefrorenen Böden ist das Anwalzen im Frühjahr äußerst wichtig.

Sortenwahl

Leider hat Triticale die Auswuchsschwäche vom Roggen geerbt. Daher sind maximaler Ertrag, Auswuchs- und Standfestigkeit, aber auch ausreichende Pflanzenlänge die Auswahlkriterien für den ökologischen Landbau. Auch die Mutterkornbildung kann je nach Anteil der Fremdbefruchtung Probleme bereiten. Deshalb liegt hier ein weiteres Auswahlkriterium.

Düngung

Die Nährstoffaneignung von Triticale ist besser als die von Weizen. Bei den Nährstoffansprüchen im Vegetationsverlauf ähnelt Triticale eher dem Weizen. Allerdings variiert züchtungsbedingt die Nähe zu Roggen beziehungsweise Weizen je nach Sorte. Trotz der Genügsamkeit wird eine gute Stickstoffverfügbarkeit mit hohen Erträgen gedankt. Eine Mistgabe im Herbst oder eine Gülle- beziehungsweise Jauchegabe im zeitigen Frühjahr kann die Stickstoffversorgung sicherstellen.

Unkrautregulierung

Triticale bildet je nach Sorte mittlere bis hohe sowie dichte Bestände und verfügt über eine relativ gute Konkurrenzkraft. Die Bestockung ist recht intensiv und von der Sorte abhängig. In der Regel sind ein, maximal zwei Striegelgänge um den Zeitpunkt der Bestockung herum ausreichend. Dabei sollten mindestens drei bis vier kräftige Blätter vorhanden sein, bevor der Striegel zum Einsatz kommt.

Krankheiten und Schädlinge

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Triticale hat eine bessere Resistenz gegen Mutterkorn als Roggen. Thomas Stephan, BLE

Grundsätzlich ist Triticale unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus ein sehr gesundes Getreide ohne ausgeprägte Anfälligkeiten gegenüber Pilzkrankheiten. Unter günstigen Infektionsbedingungen (frühe Saat, dichte Bestände, feuchte Schneelagen) kann Schneeschimmel auftreten. Darüber hinaus kann sortenabhängig Mutterkorn Probleme bereiten. Das Auftreten ist erheblich von der Witterung bestimmt, so fördert viel Regen in der Blüte die Problematik. Deshalb sind Vorbeugende Maßnahmen gegen Mutterkornbildung sinnvoll.

Besonderheiten

Triticale neigt zu Auswuchs, der jedoch bei Futtergetreide nicht wertmindernd ist. Allerdings ist Auswuchs häufig verbunden mit einer erhöhten Gefahr für Pilzinfektionen. Auch die Keimfähigkeit kann Schaden nehmen. Daher sind stehende Bestände und rechtzeitiger Drusch wichtig. Gegebenenfalls ist eine Ernte auch mit höheren Feuchtegehalten und anschließender Trocknung zu empfehlen, um qualitativ hochwertiges Saat- und Futtergetreide zu erzeugen.

Letzte Aktualisierung: 08.05.2018