Lohnt sich Zuckerrübenanbau?

Lohnt sich der Anbau von Biozuckerrüben?

Mit knapp 1.800 Hektar Anbaufläche im Jahr 2017 ist der Anbau von Biozuckerrüben in Deutschland eine Nische. Doch wenn es nach dem Biohandel und den großen Zuckerproduzenten in Deutschland geht, wird es dabei nicht bleiben. Denn die Nachfrage nach Biozucker aus Deutschland hat in den letzten Jahren zugenommen.

Zurzeit werden etwa 25.000 Tonnen Biozucker in Deutschland verbraucht. Davon gehen mehr als vier Fünftel in die Verarbeitung von Getränken, Milchprodukten und anderen Erzeugnissen. Mit der heimischen Ernte werden etwa 14.000 Tonnen abgedeckt, der Rest stammt aus Importen. Dabei handelt es sich überwiegend um Biorohrzucker, der etwa 25 Prozent günstiger ist als ökologischer Rübenzucker aus Verbandsanbau.

Attraktive Preise für Biorüben

Dennoch sieht der Handel Potential für heimischen Biorübenzucker, nicht zuletzt wegen einer deutlich günstigeren Ökobilanz gegenüber dem importierten Rohrzucker aus Übersee. Die Südzucker und Nordzucker AG, die beiden größten Zuckerproduzenten in Deutschland, aber auch die Rebio Erzeugergemeinschaft in Süddeutschland werben deshalb zurzeit offensiv um deutsche Biobetriebe, in den Anbau der Kultur einzusteigen. Die Konditionen sind durchaus attraktiv. So bietet die Südzucker AG für das Anbaujahr 2018 einen Basis-Nettopreis von über 110 Euro pro Tonne Rüben. Das ist mehr als drei Mal so viel, wie konventionelle Betriebe im Jahr 2017 für ihre Ware erhalten haben.

Bei durchschnittlichen Erträgen von 45 Tonnen pro Hektar Biorüben ergibt sich daraus ein attraktiver Flächenerlös. Demgegenüber steht, dass die Zuckerrübe eine anspruchsvolle Kultur ist, vor allem beim Anbau unter ökologischen Bedingungen. Deshalb sollte ein Betrieb nicht nur pflanzenbauliches Know-how mitbringen, sondern auch über günstige natürliche Voraussetzungen verfügen. Das beginnt mit guten, mittleren bis schweren Böden, die möglichst eben und steinfrei sein müssen und eine gute Wasserführung haben sollten. Auch eine gewisse räumliche Nähe zum Rübenverarbeiter ist von Vorteil, um die Transportkosten niedrig zu halten. Denn je geringer die Entfernung, desto niedriger die Frachtkosten, die vom Auszahlungspreis abgezogen werden. Bei Entfernungen zwischen 200 und 250 Kilometer zum Werk fallen beispielsweise etwa fünf Euro Frachtkosten pro Tonne Rüben an.

Aufwändige Unkrautregulierung

Die größte Herausforderung im ökologischen Anbau ist die Unkrautregulierung. Denn gerade in der Jugendphase ist die Konkurrenzfähigkeit der Zuckerrübe gegenüber Unkraut gering. Ein schlechtes Unkrautmanagement kann zu schweren Ertragseinbußen führen, bis hin zum Totalausfall. Deshalb ist die Unkrautbekämpfung in der Regel der größte Kostenfaktor im Anbau.

Denn neben dem Einsatz des Striegels im Vorauflauf und der mechanischen Hacke zwischen den aufgelaufenen Reihen bleibt das Hacken per Hand unverzichtbar, da auch das Unkraut in der Reihe unbedingt beseitigt werden muss. Je nach Unkrautdruck fallen allein durch das Hacken per Hand zwischen 80 und 200 Arbeitsstunden pro Hektar an.

Frühe Anlieferung im September

Bei der Rübenanlieferung ist zu beachten, dass die großen Produzenten ihre Kampagne aus logistischen Gründen immer mit Biorüben starten, um eine Durchmischung mit konventioneller Ware in den Anlagen zu vermeiden. Deshalb müssen Biozuckerrüben meist schon ab Mitte September angeliefert werden. Da die Rüben aber bis in den November hinein an Masse zulegen, sind Biobetriebe quasi gezwungen, Ertrag zu verschenken. Deshalb zahlen die Zuckerproduzenten einen sogenannten Frühlieferausgleich für den entgangenen Ertrag, der sich am jährlich neu festgelegten Biozuschlag orientiert.

Bei der Abrechnung müssen sich Biobetriebe darauf einstellen, dass im Zuckerrübenanbau Abschlagszahlungen üblich sind. Das heißt konkret: Selbst wenn die Biorüben schon Mitte September geliefert wurden, wird die letzte Abschlagszahlung wie im konventionellen Anbau erst im Juni des Folgejahres gezahlt.

Schwierige Umstellungsphase

Für Betriebe, die zum ersten Mal Zuckerrüben anbauen, ist der Start in die neue Kultur oft schwierig. Deshalb ist es sinnvoll, die Beratungsangebote der Zuckerfabriken oder des Anbauverbandes zu nutzen. Umstellerbetrieben mit konventioneller Anbauerfahrung fällt der ökologische Rübenanbau dagegen oft leichter. Allerdings ist die zweijährige Umstellungsphase eine finanzielle Herausforderung. Denn die in dieser Phase fallen bereits die bedeutend höheren Kosten für die ökologische Bewirtschaftung an, während für Umstellungsware aber nur der bei weitem nicht kostendeckende konventionelle Rübenpreis gezahlt wird.

Wie konventionelle Betriebe müssen auch Biobetriebe Lieferrechte bei ihrem Zuckerproduzenten erwerben, bevor sie Biorüben anliefern dürfen. Lieferrechte sind eine Art Aktienbeteiligung der Landwirtinnen und Landwirte am Unternehmen, die bestimmte Kontingente für die jährliche Anlieferungsmenge umfassen. Lieferrechte sind unter Landwirtinnen und Landwirten frei handelbar. Bei der Suche nach verfügbaren Rechten können sich die Betriebe an die regionalen Anbauverbände oder direkt an die Zuckerproduzenten wenden.

Kurze Lieferverträge

Grundsätzlich betonen die Zuckerproduzenten, dass sie an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind. Derzeit bieten die großen Produzenten Lieferverträge mit einem Jahr Laufzeit (Südzucker) beziehungsweise mit ein- oder dreijähriger Laufzeit (Nordzucker) an. Preise und Abrechnungskonditionen werden nach Vertragsende der jeweiligen Marktsituation angepasst.

Fazit

Handel und Verarbeiter gehen von einem wachsenden Markt für heimischen Biozucker aus. Die Zuckerproduzenten bieten deshalb zurzeit attraktive Preise für Biorüben. Für Biobetriebe in landwirtschaftlichen Gunstlagen und mit räumlicher Nähe zu einer Fabrik kann der Anbau von Zuckerrüben deshalb eine interessante Alternative sein. Voraussetzung dafür sind allerdings ackerbauliches Know-how und genügend Arbeitskräfte für die aufwändige Unkrautbekämpfung per Hand. Lieferverträge garantieren die Abnahme zu festen Preisen, je nach Abnehmer aber zum Teil nur von Jahr zu Jahr. Ob der Anbau langfristig eine Perspektive sein kann, hängt davon ab, ob sich der Markt tatsächlich weiter positiv entwickelt und ob das hohe Preisniveau gehalten werden kann.


Letzte Aktualisierung 29.04.2018

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