Ackerbohnen

Ökologischer Ackerbohnenanbau

Die Ackerbohne (Vicia faba minor) hat von allen Körnerleguminosen die größte Anbaubedeutung und ist zudem eine wichtiges Fruchtfolgeglied im Ökolandbau. Sie wird vor allem als wertvolles Eiweißfuttermittel geschätzt, das überwiegend in der Rinderhaltung zum Einsatz kommt. Im Jahr 2015 betrug die Bioanbaufläche in Deutschland etwa 13.000 Hektar. Eine gute Stickstofffixierung und die Bildung einer guten Bodengare sprechen neben der nötigen Abwechslung in der Fruchtfolge für den Ackerbohnen-Anbau.

Für viehhaltende Betriebe steht die Verwertung durch eigene Tiere im Vordergrund. Marktfruchtbetriebe bauen die Bohne unter Fruchtfolgeaspekten an, müssen aber bei der Vermarktung auf Grund der etwas schwächeren Eiweißqualität und Schmackhaftigkeit im Vergleich zur Erbse leichte Abschläge im Erlös hinnehmen. Die Sortenwahl kann dies zum Teil etwas kompensieren. Die Wirtschaftlichkeit dürfte sich künftig tendenziell wieder verbessern, da der Eiweißbedarf aus ökologischer Erzeugung generell steigt und bitterstoffarme Ackerbohnen-Sorten weitere Einsatzbereiche eröffnen.

Standort

Die Ackerbohne hat einen hohen Wasserbedarf. Sie benötigt gute oder schwere Böden mit entsprechendem Wasserspeichervermögen oder mittlere Standorte mit ausreichenden Niederschlägen. Wichtig ist eine gute Kalkversorgung mit pH-Werten über sechs. Für die Ausbildung der Pfahlwurzeln sind tiefgründige Böden erforderlich.

Fruchtfolge

Die Stellung der Ackerbohne in der Fruchtfolge ist meist nach beziehungsweise vor einer oder zwei Getreidekulturen. Die Folgekultur darf durchaus höhere Ansprüche haben als bei der Erbse, weil mehr Stickstoff gebildet wird und die besondere Gare dem Getreide optimale Bedingungen eröffnet. Eine Impfung mit entsprechenden Bakterienstämmen ist notwendig, wenn noch nie Ackerbohnen auf einer Fläche angebaut wurden. Aufgrund der Selbstunverträglichkeit sind Anbaupausen von mindestens vier bis fünf Jahren einzuhalten.

Saat

Die Aussaat kann und sollte frühzeitig ab Februar, zum Teil auf noch gefrorenem Boden, erfolgen (Keimtemperatur 2-3°C). Eine Herbstfurche ist erforderlich, um den Wasserbedarf zu sichern, und weil eine Frühjahrsfurche so zeitig kaum möglich ist. Die Saatstärke beträgt etwa 30 bis 40 keimfähige Körner. Ein Zuschlag wegen mechanischer Pflege ist bei Ackerbohnen nicht zwingend. Auch Mulchsaatverfahren sind möglich, wenn in eine abgefrorene Zwischenfrucht ausgesät werden kann. Sollte der Bestand nicht abgefroren sein, so ist der Aufwuchs vorher abzuschlägeln. Nach einer anschließenden Bearbeitung, beispielsweise mit einer Kurzscheibenegge, können Bohnen mit einer Scheibensämaschine gedrillt werden. Voraussetzung der Mulchsaat ist, dass eventuelle Bodenverdichtungen vor einer Zwischenfruchtaussaat gelockert werden, um eine tiefe Durchwurzelung durch die Zwischenfrucht zu gewährleisten.

Eine Ablagetiefe von sechs bis acht Zentimetern ist nötig, damit die Bohnen immer ausreichend Wasser ziehen können und die Standfestigkeit erhöht wird. Dafür muss die entsprechende Technik vorhanden sein. Gesät wird in doppelter Getreidereihenweite oder noch weiter. Je schmaler, desto besser kann der Bestand selbst die Unkrautkonkurrenz unterdrücken. Je weiter, desto besser kann gehackt und vor allem Luft in den Boden gebracht werden. Dies ist besonders bei schweren Böden unter hohen Niederschlägen für die Stickstoffbindung vorteilhaft. Mit einem Einzelkornsägerät wird zudem eine bessere Tiefenführung und Standraumverteilung erreicht. Besonders gut eignen sich pneumatische Sägeräte, weil die Bohnen verschieden kalibriert sind und schonend in den Boden gelangen. Leichte Böden erfordern den Einsatz einer Ackerwalze nach der Bestellung.

Beim Saatgut ist die Gesundheit zu beachten. Der Ascochyta-Pilz kann die Keimfähigkeit stark beeinträchtigen. Zertifiziertes Saatgut aus ökologischer Erzeugung wird darauf geprüft. Bei eigenem Nachbau ist vor der Aussaat eine Analyse auf samenbürtige Krankheiten durchzuführen.

Sortenwahl

Marktfruchtbetriebe wählen Sorten, die der Abnehmer fordert. Dies sind die tanninfreien beziehungsweise vicin-/covicinarmen Neuzüchtungen, die in der Regel allerdings ertraglich etwas schwächer sind (z. B. Valeria, Tangenta, Tattoo beziehungsweise Divine). Rinderhaltende Betriebe setzen weiterhin auf die ertragsstärkeren tanninhaltigen Sorten (z. B. Fuego, Espresso, Isabell). Die Nährstoffdichte der Bohnen ist auch ein Kriterium bei der Auswahl, weil die unerwünschten Bestandteile den Einsatz im Futter begrenzen. Auf leichteren oder zur Trockenheit neigenden Standorten wird auf Sorten mit kleinerer Samengröße zurückgegriffen. Die Züchtung neuer Ackerbohnensorten wurde in Deutschland wegen der zurückgehenden Anbaufläche in den letzten Jahren leider stark reduziert.

Düngung

Bei guter Versorgung der Böden mit Kalium und Phosphat mit zweistelligen Milligrammwerten sind weitere Düngungsmaßnahmen nicht erforderlich. Die Bohnen haben einen hohen Bedarf an diesen Grundnährstoffen, können aber auch bei entsprechendem Nährstoffvorrat viel aus dem Boden mobilisieren. Ein zu hoher Gehalt an verfügbarem Stickstoff behindert die Stickstoffbindung durch die Knöllchenbakterien. Der Anspruch an die Bodenreaktion ist hoch, so dass auf ausreichende Kalkversorgung geachtet werden sollte. Nach neueren Erkenntnissen ist auch auf die Versorgung mit Schwefel, Bor und Molybdän zu achten.

Unkrautregulierung

Die Saat in doppeltem Getreideabstand hat einen früheren Bestandesschluss zur Folge, so dass der Bestand besser Unkraut unterdrücken kann und Striegeln häufig als Regulierungsmaßnahme ausreicht. Auf vielen Betrieben wird die Bohne jedoch in größeren Reihenabständen ausgesät, damit ein Hackgerät optimal eingesetzt werden kann. Willkommener Nebeneffekt ist dabei, dass insbesondere in schweren Böden der Gasaustausch und damit die Stickstoffbindung gefördert wird.

Am Anfang der Bestandespflege steht in jedem Fall der Einsatz des Striegels. Bevor der Keimling die oberen drei Zentimeter des Bodens erreicht, muss ein- oder zweimal ein Blindstriegeln erfolgen. Nach dem Auflaufen wird erst nach Ausbildung des dritten Blattpaares wieder gestriegelt. Die Bohnen dürfen beim Striegeln nicht vollständig mit Erde bedeckt werden.

Die Hacke kann bis zur Blüte beziehungsweise bis zum Reihenschluss eingesetzt werden, wenn das Gerät eine ausreichende Durchgangshöhe hat. Bei kleinen Pflanzen wird durch Schutzscheiben ein Verschütten verhindert. Ab 25 Zentimeter Wuchshöhe wird dann ein Häufeleffekt angestrebt. Möglichst beikrautfreie Bestände reduzieren das Risiko der Spätverunkrautung, wenn bei der Abreife wieder viel Licht auf den Boden gelangt. Insbesondere die Quecke kann sich sonst stark ausbreiten.

Krankheiten und Schädlinge

Die Verbreitung von samenbürtigen Krankheiten und Schädlingen muss durch zertifiziertes Ökosaatgut oder eigene Laboranalysen vermieden werden. Hierzu zählen der Ascochyta-Pilz, Stängelälchen und Bohnenkäfer. Als Fruchtfolgekrankheiten gelten unter anderem Rhizoctonia solani und Fusarien-Arten. Ertragsmindernd wirkt sich starker Bohnenlausbefall aus, der vor allem unter Trockenstress auftreten kann. Dem kann durch Blühstreifen am Feldrand zur Nützlingsförderung entgegen gewirkt werden. Der Einsatz von Ton- oder Gesteinsmehlen zur direkten Bekämpfung ist möglich, aber selten sinnvoll. Blattläuse schädigen die Pflanzen durch Saugen und das Übertragen von Virosen. Blattrandkäfer reduzieren bei verzögerter Jugendentwicklung der Bohnenpflanze die Bestände. Ausreichende Anbaupausen von mindestens vier Jahren können dazu beitragen, den Befall niedrig zu halten.

Ernte

Der Mähdrusch erfolgt mit einem gängigen Gerät zumeist aus stehenden Beständen. Die Reife ist erreicht, wenn Blatt und Stängel schwarz verfärbt sind. Ackerbohnen werden oft erst Ende August oder im September geerntet. Bei einem Feuchtegehalt um 18 Prozent ist der Bohnensamen wenig bruchgefährdet, was vor allem bei der Saatguterzeugung wichtig ist. Die Druschorgane werden möglichst sanft eingestellt und die Windeinstellung auf maximale Position gewählt. An der Zufuhrschnecke zum Überkehrelevator wird die Klappe entfernt oder ein grobes Sieb eingebaut, da hier vor allem Besatz oder Bruchkorn anfallen, die den Drusch unnötig behindern. Die Kornerträge liegen je nach Standort und Witterung zwischen 25 und 40 Dezitonnen pro Hektar.

Besonderheiten

Die Bohne ist von Natur aus robust. Sie bedarf aber einer intensiven Bestandespflege und hat relativ hohe Bodenansprüche. Sind die Vorraussetzungen günstig, können durchaus hohe Erträge erzielt werden. Auch die Vorfruchtwirkung ist gut. Die Risiken liegen vor allem im Bereich der Krankheiten und Schädlinge. Die Sorten müssen auf den Bedarf in der Fütterung ausgerichtet werden, damit der Anbau von Bohnen den Veredelungs- und Marktfruchtbetrieben Nutzen bringt.

Winterackerbohne Hiverna

Der Anbau der Winterackerbohne ist in den letzten Jahren an verschiedenen Standorten erfolgreich durchgeführt worden. In der Deutschen Sortenliste und auf dem Saatgutmarkt wird nur eine Sorte geführt: Hiverna von der NPZ. Die Winterhärte ist "relativ" gut und ein Ertragsvorteil der Winterackerbohne gegenüber der Sommerackerbohne ist in Jahren mit verspäteter Aussaat im Frühjahr und Trockenheit im Sommer gegeben.

Saattermin: In der letzten Septemberwoche/ersten Oktoberwoche. Ziel ist die Winterackerbohne mit vier bis sechs Blättern in den Winter gehen zu lassen.

Saatstärke: 15 (auf schweren Böden) bis 20 Pflanzen (auf leichten Böden) pro Quadratmetet sind anzustreben. Bei kalkulierten Pflanzenverlusten von 10 bis 15 Prozent über den Winter sollten auf mittlerem Boden 22 Pflanzen pro Quadratmeter angestrebt werden. Diese relativ geringen Bestandesdichten sollten nicht überschritten werden. Winterackerbohnen bilden im Frühjahr bis zu fünf gleichwertige Triebe, die alle zur Ertragsbildung beitragen und zu einem geschlossenen Bestand führen. Zu dichte Bestände führen zu Lagerdruck und Ertragseinbußen. Die Einzelkorn­sätechnik wäre ideal zum Erreichen der Saattiefe von mindestens 6 Zentimetern, besser zehn Zentimetern.

Winterackerbohnen haben gute Unkrautunterdrückungseigenschaften und andererseits eine größere Wahrscheinlichkeit, Brennflecken und Schokoladenfleckigkeit zu bekommen. Zudem ist die erhöhte Anfälligkeit gegenüber Fußkrankheiten (Fusarien, Rizoctonia) in Jahren mit feuchten, milden Wintern zu berücksichtigen. Gegenüber der Schwarzen Bohnenlaus haben Winterackerbohnen im Vergleich zu Sommerackerbohnen einen Entwicklungsvorsprung.


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Letzte Aktualisierung 08.05.2018

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