Anbau von Ackerbohnen und Erbsen

Anbau von Ackerbohnen und Erbsen optimieren

Der Bedarf an ökologisch erzeugten Körnerleguminosen steigt, vor allem wegen der erwünschten 100-Prozent-Biofütterung und zunehmender Nachfrage nach Eiweißträgern für die menschliche Ernährung. Hinzu kommt, dass Körnerleguminosen positive Wirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit haben. Dennoch sind die deutschen Biobauern beim Anbau von Körnererbsen, Ackerbohnen und anderen Körnerleguminosen eher zurückhaltend, was sich nicht zuletzt auf Wissens- und Erfahrungslücken beim Anbau dieser Kulturen beruht.

Prüfung von Anbaustrategien

Ein Verbundvorhaben im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) hat Anbaustrategien zur Sicherung und Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit durch Nutzung von Körnerleguminosen untersucht. In vier Teilprojekten (TP) prüften die Projektpartner in Feldversuchen Verfahren zur Optimierung des ökologischen Anbaus von Ackerbohnen und Körnererbsen. Im Fokus stand der Einfluss verschiedener Formen reduzierter Bodenbearbeitung im Verbund mit Mulchen, Zwischenfruchtanbau und gezielter Nährstoffversorgung auf Ertragsleistung und Unkrautvorkommen:

  • TP 1: Mulchsaat von Ackerbohnen (Vicia faba L.) im ökologischen Landbau (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Organischen Landbau)
  • TP 2: Nichtlegumer Zwischenfruchtanbau und reduzierte Bodenbearbeitung zur Steigerung der symbiotischen N2-Fixierleistung von Ackerbohnen - N-Flüsse, Unkrautregulierung und Energieeffizienz (Georg-August-Universität Göttingen, Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Pflanzenbau)
  • TP 3: Leistung legumer Untersaaten in Körnererbsen: Unkrautunterdrückung, symbiotische N2-Fixierung und N-Vorfruchtwirkung in Systemen differenzierter Grundbodenbearbeitung (Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH), Fachbereich Landbau/Landespflege, Fachgebiet Ökologischer Landbau)
  • TP 4: Nährstoffversorgung zur Optimierung der N2-Fixierung und Produktivität von Körnerleguminosen (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz, Fachgebiet Pflanzenernährung, Bereich Pflanzenernährung)

Interview mit Projektleiter Prof. Dr. Ulrich Köpke

Oekolandbau.de sprach mit Projektleiter Prof. Dr. Ulrich Köpke von der Rheinischen Friedrich- Wilhelms-Universität Bonn über die Ergebnisse des Projekts.

Oekolandbau.de: Herr Professor Köpke, dreieinhalb Jahre lief Ihr Verbundprojekt "Entwicklung neuer Strategien zur Mehrung und optimierten Nutzung der Bodenfruchtbarkeit&". Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Prof. Dr. Ulrich Köpke: Direktsaatverfahren bieten im Vergleich zum Pflugeinsatz Vorteile beim Bodenschutz und verursachen geringere Kosten. Ein großes Problem, insbesondere im ökologischen Anbau, ist jedoch die stärkere Verunkrautung. Der permanente Einsatz von Direktsaat erscheint deshalb nicht sinnvoll. Aber bei temporärer Direktsaat können Ackerbohnen Unkräuter hinreichend unterdrücken. In den dreijährigen mehrortigen Untersuchungen erwies sich eine Mulchauflage von Stroh-Ernteresten der Vorfrucht Hafer als Erfolg versprechend. Mit fünf bis sechs Tonnen Strohresten je Hektar wurden Samenunkräuter in direkt gesäten Ackerbohnenbeständen effizient unterdrückt. Bei temporärer Direktsaat mit Strohabdeckung waren die Kornerträge im Vergleich zur Pflugbearbeitung nicht generell niedriger. Als großen Vorteil der Direktsaat werten wir, dass spät auflaufende Problemunkräuter wie z.B. Weißer Gänsefuß mit Direktsaat deutlich besser reguliert werden als bei Pflugeinsatz. Gegen mehrjährige Unkräuter war die hemmende Wirkung des Strohmulchs dagegen nicht ausreichend. Wir schließen aus den Ergebnissen, dass temporäre Direktsaat in Verbindung mit einer ausreichenden Strohauflage ohne wirtschaftliche Einbußen möglich ist. Voraussetzung dafür sind allerdings Standorte mit einem geringen Unkrautdruck von Gräsern und Wurzelunkräutern.

Oekolandbau.de: Für welche Betriebe bietet sich der Anbau von Ackerbohnen bzw. Körnererbsen grundsätzlich an?

Köpke: Gemischtbetriebe, die diese Feldfrüchte als Futtermittel anbauen, können die Nettozufuhr an Stickstoff damit deutlich erhöhen. Die Verfahren pflugloser Bodenbearbeitung und temporärer Direktsaat von Körnerleguminosen bieten sich aber auch für Marktfruchtbetriebe und Umstellungsbetriebe an, die Stroh nicht als Einstreu benötigen und Körnerleguminosen kostensparend und bodenschonend anbauen wollen. Wir empfehlen dabei den überbetrieblichen Einsatz zur Auslastung der Drei-Scheiben-Drillmaschine, die zur temporären Direktsaat erforderlich ist. Da sollten Lohnunternehmer angesprochen und überbetrieblich Erfahrungen gesammelt und ausgetauscht werden.

Oekolandbau.de: Sie haben vor allem den Einfluss von Verfahren reduzierter Bodenbearbeitung beim Anbau von Ackerbohne und Körnererbse untersucht. Hatte die Direktsaat im Vergleich mit Pflug und Saatbettbereitung einen erkennbaren Einfluss auf Feldaufgang, Jugendentwicklung und Bestandsdichte?

Köpke: Bei Direktsaat ist der Boden feuchter und kühler, doch haben Körnerleguminosen einen hohen Keimwasserbedarf und sie sind potenziell frühsaatverträglich. Gleichwohl stellten wir wiederholt einen etwas geringeren Feldaufgang fest. Die Jugendentwicklung ist zunächst etwas verzögert; offensichtlich infolge geringeren Gasaustausches, d.h. im Vergleich zu intensiver Bodenbearbeitung gibt es einen geringeren Anteil luftführender Poren. Nach intensiver Bodenbearbeitung erscheinen die Bestände deutlich wüchsiger. Dies betrifft aber zunächst nur den vegetativen Sprossapparat. Zu wüchsige Bestände sind wegen der hohen Eigenbeschattung für effizienten Hülsenansatz, hinreichende Anzahl Körner und hohen Kornertrag nicht erwünscht. Mit standortbezogen ausreichend hoher Saatdichte lassen sich mögliche Nachteile auch kompensieren, denn Ackerbohnen realisieren Höchsterträge in einem relativ breiten Spektrum der Aussaatdichte zwischen 35 und 60 Körnern je Quadratmeter.

Oekolandbau.de: Zeigte sich beim Kornertrag ein signifikanter Unterschied zwischen den verschiedenen Bodenbearbeitungssystemen?

Köpke: Nicht generell, sondern standortabhängig. Ertragsrelevante Einflussgrößen des Standortes sind Unkrautdruck, Vorfruchteffekt - insbesondere Masse und Bodendeckungsgrad der Ernterückstände der Vorfrucht - aber auch die Fähigkeit des Bodens, nicht zu dicht zu lagern und unter der Mulchdecke ein günstiges Bodengefüge ausbilden zu können. Insgesamt haben die Ackerbohnen in unseren Versuchen im Vergleich zu Körnererbsen seltener mit geringeren Erträgen reagiert. Allerdings fanden unsere Untersuchungen zu Ackerbohnen und Erbsen nicht an denselben Standorten statt, so dass es keinen direkten Vergleich gibt. Wir denken auch, dass eine Ertragsstabilisierung, Ertragserhöhung und Qualitätssteigerung mit einer Unterfußdüngung - beispielsweise bei dem weit verbreiteten Schwefelmangel mit einem der zugelassenen Schwefeldünger - möglich ist. Dieser wirkt bekanntlich auch positiv auf die symbiotische Stickstofffixierung; ebenso - wie unsere Untersuchungen zeigen - auf die Nichtleguminosen-Vorfrüchte und -Zwischenfrüchte.

Oekolandbau.de: Wie stellt sich die Unkrautproblematik bei der Direktsaat im Vergleich zu den anderen Verfahren dar?

Köpke: Der Unkrautdruck ist in der Regel höher. Mechanische Unkrautregulation durch Bodenbearbeitung findet ja nicht statt. Eine hohe Dichte mehrjähriger Unkräuter macht den Einsatz temporärer Direktsaat unmöglich. Die Ergebnisse unserer Dresdner Partner, dass die Untersaat mit Erdklee das Wachstum von Unkräutern unterdrückte, ohne sich deutlich negativ auf das Wachstum der Körnererbse als Deckfrucht auszuwirken, sollten Anlass für weitere Untersuchungen sein.

Oekolandbau.de: In welchem Umfang kann man durch Direktsaat Arbeits- und Energiekosten einsparen? Lässt sich der Deckungsbeitrag darüber steigern, trotz Ertragsminderung?

Köpke: Wir können bei temporärer Direktsaat von Ackerbohnen je nach Referenzvariante insgesamt Kosteneinsparungen bis zu 90 Prozent erreichen. So lässt sich in Abhängigkeit vom Marktpreis für die Körnerleguminose auch bei geringeren Kornerträgen noch ein höherer Deckungsbeitrag erzielen.

Oekolandbau.de: Im Fokus stand die "temporäre" Direktsaat. Sollte man Direktsaat nur punktuell einsetzen?

Köpke: Permanente Direktsaat schließt sich unter den Bedingungen des gemäßigten Klimas im Ökologischen Landbau aus. Die Einschränkungen durch hohen Unkrautdruck, der ja nicht mehr mechanisch durch Bodenbearbeitung reguliert wird und die geringere Stickstofffreisetzung im Frühjahr lassen derzeit nur Körnerleguminosen in temporärer Direktsaat sinnvoll erscheinen - wenn es gelingt, die annuellen Unkräuter mit hinreichender Bodenbedeckung aus Ernteresten der Vorfrucht zu unterdrücken.

Oekolandbau.de: Welche Empfehlungen können Sie auf der Grundlage Ihrer Forschungsergebnisse den Landwirten für die Praxis geben?

Köpke: Gemischtbetriebe können bei innerbetrieblicher Verwendung der Körnerleguminosen als Futtermittel ihre Netto-Stickstoffzufuhr erhöhen. Experimentierfreudige Marktfruchtbetriebe sollten das Verfahren temporärer Direktsaat zunächst auf begrenzter Fläche und - soweit im Betrieb vorhanden - unterschiedlichen Böden risikoarm und mehrjährig ausprobieren. Der Anbau von Ackerbohnen ist an für diese Feldfrucht geeigneten Standorten risikoärmer als der Anbau von Körnererbsen, die gegenüber Unkräutern weniger konkurrenzkräftig sind. In Umstellungsbetrieben ist der Unkrautbesatz in der Regel vergleichsweise gering. Für diese Betriebe bietet sich das Verfahren zur Umstellung an, womit auch dem hohen Bedarf an Körnerleguminosen als Futtermittel im Ökologischen Landbau entsprochen werden könnte.


Kontakt:

Prof. Dr. Ulrich Köpke
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Institut für Organischen Landbau (IOL)
Katzenburgweg 3
53115 Bonn,
Telefon: 0228 735615
Fax: 0228 735617
E-Mail: iol@uni-bonn.de
Internet: www.iol.uni-bonn.de

Letzte Aktualisierung 08.05.2018

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