Körnererbsen

Ökologischer Körnererbsenanbau

Unter den vielen verschiedenen Erbsenarten sind vor allem weißblühende und buntblühende Erbsen, auch Peluschken genannt, für den heimischen Anbau interessant. Die buntblühenden Blatttypen sind sehr wüchsig und werden deshalb häufig als Grünfuttererbsen bezeichnet. Allerdings können sie auch gedroschen werden, wenn die Beerntbarkeit des Bestandes gewährleistet ist.

Die Körnererbse (Pisum sativum) ist wie alle Körnerleguminosen ein Fruchtfolgeglied mit zentraler Bedeutung im ökologischen Landbau. Wegen der Stickstofffixierung durch die Pflanzen sind die Vorfruchtansprüche gering und die Vorfruchtwirkung gut. Für die Veredlungswirtschaft im ökologischen Landbau ist vor allem die überdurchschnittliche Eiweißwertigkeit der Erbse von großer Bedeutung. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland dennoch nur gut 5.000 Hektar Futtererbsen ökologisch angebaut.

Die innerbetriebliche Verwertung ist in der Regel wirtschaftlich und sinnvoll. Der Einsatz von Erbsen im Schweinefutter ist wegen der guten Aminosäurenzusammensetzung und Bitterstoffarmut bis zu 30 Prozent möglich. Für reine Ackerbaubetriebe stehen neben der Verkaufsfrucht Erbse vor allem Fruchtfolgeaspekte im Vordergrund.

Standort

Die Erbse hat eine relativ kurze Vegetationszeit, was ihren Anbau bis weit nach Nordeuropa möglich macht. Wo es für die Ackerbohne zu trocken wird, kann die Erbse noch erfolgreich angebaut werden, denn sie gedeiht auch auf leichten bis mittelschweren Böden. Allerdings reagiert sie sehr negativ auf Verdichtungen und damit verbundener Staunässe, schlechter Durchlüftung und langsamerer Erwärmung. Die Wasserversorgung ist vor allem in der Keimphase und in der Blüte wichtig, bei der bis zu 140 Prozent des Eigengewichtes an Wasser aufgenommen wird. Auch eine gute Kalkversorgung mit pH-Werten > 6 ist wichtig.

Fruchtfolge

Körnerleguminosen werden gewöhnlich nach der zweiten oder dritten zehrenden Frucht (meist Getreide) angebaut. Danach können, je nach Standort, wieder ein bis zwei (Getreide-) Kulturen mit nicht zu hohem Anspruch an die Vorfrucht stehen. Die Erbse ist mit sich selbst unverträglich und wird in Abständen von mindestens sechs Jahren in der Fruchtfolge gestellt. Außerdem sind beim Anbau von Zwischenfrüchten Erbsen und verwandte Arten wie Sommer- oder Winterwicken zu vermeiden.

Bei längeren Anbaupausen oder bei erstmaligem Anbau ist eine Impfung mit passenden Knöllchenbakterienstämmen vorzunehmen. Die Vorfruchtwirkung liegt neben der Stickstoffbindung in der kurzen Vegetation, der guten Bodengare und dem Auflockern der Getreide- und Gräserfolge. Bei starker Verunkrautung können diese positiven Aspekte aber auch von höherem Unkrautdruck in der Folgefrucht überlagert werden.

Saat

Die Aussaat erfolgt unter trockenen Bedingungen ab Mitte März (Keimtemperatur 1-2°C). Da die Erbse frostempfindlich ist und die langsame Keimentwicklung bodenbürtigen Krankheitsbefall begünstigt, ist eine Saat im April oft sicherer. Die Saatstärke wird mit mindestens 70 keimfähigen Körnern gewählt, weil die Aussaatstärke beziehungsweise die Bestandesdichte bei den halbblattlosen Sorten auch über die Unkrautunterdrückung entscheidet. Bei zu erwartendem Vogelfraß beziehungsweise knapper Saattiefe ist ein Zuschlag von etwa zehn Prozent sinnvoll. Aber auch für eine intensive Unkrautregulierung ist ein Sicherheitszuschlag zu empfehlen.

Eine Pflugfurche ist Standard für eine optimale Unkrautunterdrückung. Mulchsaatverfahren bieten sich an, wo in eine abgefrorene Zwischenfrucht ausgesät werden kann. Sollte der Bestand nicht abgefroren sein, ist der Aufwuchs vorher abzuschlägeln. Nach einer anschließenden Bearbeitung, beispielsweise mit einer Kurzscheibenegge, können Erbsen mit einer Scheibensämaschine gedrillt werden. Voraussetzung der Mulchsaat ist, dass evt. Bodenverdichtungen vor einer Zwischenfruchtaussaat gelockert werden, um eine tiefe Durchwurzelung und eine hohe Wasserspeicherung durch die Zwischenfrucht zu gewährleisten.

Die Erbse wird vier bis sechs Zentimeter tief abgelegt. Auf leichten Böden sind sechs Zentimeter Saattiefe anzustreben. Eine gleichmäßige Tiefenablage ist wichtig für den Feldaufgang und Fraßverluste. Die Aussaat wird meist im üblichen Getreideabstand vorgenommen. Aber auch die Aussaat mit einem Einzelkornsägerät oder weitem Reihenabstand ist möglich. Bei Einzelkornsaat sind die bessere Tiefenführung und Standraumverteilung vorteilhaft. Zudem ermöglichen die weiten Reihen den Einsatz von Hackgeräten. Nach der Aussaat ist ein Anwalzen ratsam, bei leichten, klutigen oder steinigen Böden ist dies sogar unerlässlich.

Beim Saatgut ist die Gesundheit zu beachten. Der Ascochyta-Pilz kann die Keimfähigkeit stark beeinträchtigen. Zertifiziertes Saatgut aus ökologischer Erzeugung wird darauf geprüft. Eigener Nachbau sollte man auf möglichen Befall untersuchen lassen.

Sortenwahl

Bei der Sortenwahl stellt sich die Frage nach buntblühenden oder weißblühenden Sorten? Während die wüchsigen buntblühenden Sorten Vorteile bei der Unkrautunterdrückung bieten, sind weißblühende Bestände aufgrund ihrer geringeren Wüchsigkeit und damit der geringeren Lagerneigung eher im Vorteil. Buntblühende Erbsen werden daher oft im Gemenge angebaut. Die Annahme, dass sie widerstandsfähiger gegenüber Fruchtfolgekrankheiten sind, konnte in wissenschaftlichen Versuchen bisher nicht bestätigt werden. Letztendlich hängt die Entscheidung vom Standort und den betrieblichen Gegebenheiten ab.

Da die Unkrautunterdrückung und Druschfähigkeit im Vordergrund stehen, kommen langwüchsige und standfeste Sorten zum Einsatz. Das Ertragspotenzial und das TKG sind unter ökonomischen Aspekten zu berücksichtigen. Die gängigen Sorten sind halbblattlos (ohne Fiederblätter) oder sogenannte Rankentypen. Damit sind sie weniger beschattend, aber durch die intensive Verbindung der Ranken standfester. Der Rohprotein­gehalt (circa 20 Prozent) und Stärkegehalt (circa 50 Prozent) gelten zwar als weitere Kriterien bei der Verwertung, sind aber ackerbaulich nicht bedeutsam.

Düngung

Eine optimale Kalkversorgung ist wichtig. Bei pH-Werten unter sechs empfiehlt sich eine Gabe von kohlensaurem Kalk vor der Aussaat im Frühjahr. Der Phosphatgehalt beeinflusst die Blütenbildung. Da nur langsam wirkende Dünger eingesetzt werden können, muss die Phosphatversorgung bei den Vorfrüchten aufgebaut oder über organische Dünger gesichert werden. Gute Kaliumgehalte fördern die Ausbildung der Knöllchenbakterien. Der Einsatz von Kalimagnesia oder Kalisulfat ist bei Bedarf möglich. Über die Schwefelbestandteile wird gleichzeitig der Schwefelbedarf für die Aminosäurenbildung gedeckt. Bezüglich der Mirkonährstoffe ist auf eine ausreichende Versorgung mit Bor und Mangan zu achten.

In viehstarken Betrieben mit eigener Verwertung der Leguminosen ist die Versorgung mit Phosphat, Kalium und Schwefel durch den Einsatz von Wirtschaftsdünger ausreichend. Ein zu hohes Stickstoffangebot ist bei Leguminosen kontraproduktiv, da die Pflanzen zuviel vegetative Masse bilden und der Rhizobien-Ansatz gering bleibt.

Unkrautregulierung

Neben der Witterung und den Bodenverhältnissen beeinflusst der Besatz an Beikraut das Druschergebnis erheblich. Die Erbse ist auf Grund schwacher Konkurrenzkraft gegenüber Verunkrautung besonders anfällig, weshalb die Unkrautregulierung ein entscheidender Faktor für einen erfolgreichen Anbau ist. Vor der Aussaat ermöglicht eine vorgezogene flache Saatbettbereitung das Auflaufen von Samenunkräutern, die dann durch die Bestellung beseitigt werden. Danach ist ein- oder zweimaliges Blindstriegeln notwendig. Nach dem Auflaufen ist der Striegel erst ab handhohen Pflanzen einsetzbar. Jetzt kann bis zum Verranken mehrfach je nach Witterung gestriegelt werden. Der späteste Zeitpunkt bestimmt den Vorsprung der Erbse gegenüber Unkräutern, da diese mit jeder Bearbeitung zum Keimen angeregt werden. Der intensive Einsatz erfordert eine höhere Aussaatmenge.

Bei weiteren Reihen kommt die Unkrautregulierung mit Hackgeräten zum Zuge. Hauptproblem ist neben dem Besatz mit schnell wachsenden Samenunkräutern wie Kamille, Melde oder Knöterich häufig die Distel.

Krankheiten und Schädlinge

Bodenbürtige Erreger können gerade bei verzögertem Auflauf der Erbse schaden. Daher ist der optimale Aussaatzeitpunkt bedeutsam. Der Anbauabstand ist unbedingt einzuhalten. Die Verbreitung von samenbürtigen Krankheiten muss durch zertifiziertes Ökosaatgut oder eigene Laboranalysen vermieden werden. Viröse Erkrankungen können durch Blattläuse übertragen werden.

Bei Vogelfraß nach der Aussaat ist der Einsatz von Abwehrmaßnahmen wie Flugdrachen oder Schreckschussapparat in Erwägung zu ziehen. Große Bedeutung kann der Erbsenwickler haben. Hier spielt die Anbauverbreitung in der Region eine Rolle. Zeitliche und räumliche Abstände, intensive und flache Bodenbearbeitung sowie frühe Sorten stehen als Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Der Blattrandkäfer schädigt die Pflanzen außer bei verzögertem Wachstum unwesentlich. Allerdings gelten die Larven als Rhizobienräuber, wodurch jedoch eher die Vorfruchtwirkung als der Ertrags negativ beeinflusst wird. Die Erbsenblattlaus setzt Beständen durch Saugen und Virenübertragung zu. Sie überwintert auf Klee und Luzerne. Daher sind nahegelegene Futterflächen als Gefahrenquellen einzustufen. Der Erbsenkäfer wird durch das Saatgut verbreitet. Deshalb ist eine gute Saatgutqualität beziehungsweise kontrolliertes Z-Saatgut die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung eines Befalls.

Ernte

Die Ernte der Erbsen wird möglichst schonend durchgeführt. Viele Ährenheber helfen, bodennahe Hülsen zu erfassen und lagernde Bestände zu dreschen. Die Haspel wird möglichst wenig eingesetzt, damit die Hülsen nicht platzen, bevor die Körner auf den Tisch fallen können. Daher unbedingt auf richtige Dreschereinstellung achten. Bei Kornfeuchten von 16 bis 18 Prozent ist der Bruchanteil geringer, gleichzeitig erhöhen sich dadurch die Trocknungskosten. Bei der Saatguterzeugung ist eine Samenbeschädigung auch bei der Einlagerung zu vermeiden, da die Keimanlagen nur durch eine dünne Schale geschützt werden. Große Fallhöhen sind besonders schädlich.

Zur längeren Lagerung sollte ein Restwassergehalt von 14 Prozent nicht überschritten werden, was meistens nur durch nachträgliche Trocknung erreicht werden kann. Die Erträge liegen zwischen 20 und 40 Dezitonnen pro Hektar.

Besonderheiten

Die Erbse ist eine sensible Ackerfrucht und erfordert viel Know-how, Fingerspitzengefühl und auch etwas Glück. Die Praxis weist stark schwankende Erträge auf. Unterm Strich bleibt die Einstufung der Erbse als wichtiges, aber nicht immer unproblematisches Glied in der Fruchtfolge, mit dem sich der Landwirt, aber auch die Forschung, noch intensiv auseinander setzen muss. Gute Ansätze wie beispielsweise der Mischfruchtanbau mit Leindotter oder der Wintererbsenanbau existieren bereits. Sie tragen dazu bei, die Standfestigkeit und die Unkrautunterdrückung zu verbessern.

Wintereiweißerbsen

Vor allem in Regionen, die am Ende des Frühlings unter Wassermangel leiden, sind Wintereiweißerbsen eine gute Alternative gegenüber Frühjahrseiweißerbsen. Für den Anbau eignen sich jedoch nur Lagen, in denen Wintergerste problemlos überwintert, da Wintereiweißerbsen nur beschränkt frosthart sind (-12 bis -15 °C). Wichtig ist, dass die Pflanzen mit maximaler Frosthärte in den Winter gehen. Dies ist im 2-Blattstadium (max. 4-Blatt) der Pflanzen der Fall. Optimal sind Saattermine zwischen Anfang Oktober und Mitte November.

Vorteile von Wintereiweißerbsen:

  • 15 bis 20 Tage frühere Blüte (besser in Regionen mit Trockenheit im späten Frühjahr)
  • Ernte zwischen Sommergerste und Winterweizen
  • 40 Bodenschutzpunkte

Sorte: E.F.B. 33  

E.F.B. 33 ist zurzeit die Sorte mit der besten Winterhärte auf dem Markt. Zur besseren Unkrautunterdrückung und Erntesicherheit werden die Winterformen in der Regel als Gemenge ausgesät. Hier bieten sich Triticale oder Weizen an. Die EFB 33 sollte als Vollblatttyp bei der Aussaat nur mit etwa 40 Erbsenkörnern pro Quadratmetern (50 Prozent der Reinsaat) angesetzt werden. Entsprechend höher ist der Getreideanteil mit etwa 150 Körnern pro Quadratmeter anzusetzen, um bei guter Entwicklung der Erbsen ein Überwachsen des Getreidebestandes und Lagerbestände zu verhindern.

Das Gemenge wird in der Regel als Futter verwertet. Das Trennen der Gemengepartner Weizen und Leguminosen ist im Prinzip nicht schwierig, Bruchstücke von Leguminosen im gereinigten Getreide verhindern jedoch die Verwertung als Speiseware. Da es sich bei der E.F.B. 33 um eine buntblühende Sorte handelt, sind die Bitterstoffe in der Ration zu berücksichtigen.


Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Letzte Aktualisierung 16.05.2018

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