Sojabohnen

Ökologischer Sojabohnenanbau

Sojabohnen sind sommeranuelle Leguminosen, die sich durch einen hohen Eiweißgehalt von rund 40 Prozent und eine hohe biologische Wertigkeit aufgrund eines besonders großen Anteils essentieller Aminosäuren auszeichnen. Zudem enthalten Sojabohnen etwa 20 Prozent Fett. Ihr Anbau bietet eine interessante Einkommensalternative, da heimisch angebaute Sojabohnen sowohl für die Lebensmittelherstellung (Tofu, Sojamilch etc.) als auch für die Fütterung sehr gefragt sind. Neben den guten Vermarktungschancen bietet der Sojaanbau weitere Vorteile: Soja hinterlässt eine sehr gute Bodengare, hat einem hohen Vorfruchtwert und entzerrt Arbeitsspitzen.

Standort

Für den Sojaanbau sind warme Körnermaislagen optimal. Aber auch außerhalb dieser Gunstlagen lassen sich Sojabohnen anbauen. Wichtig ist es, Kaltluftsenken und Spätfrostlagen zu meiden. Am besten eignen sich für Sojabohnen leicht erwärmbare, tiefgründige, mittelschwere Böden mit einem schwach sauren bis neutralen pH-Wert (ideal 6,5 bis 7,0). Die Böden sollten eine gute Struktur, eine hohe Wasserkapazität und eine eher geringe Stickstoffnachlieferung aufweisen. Ungeeignet sind staunasse, steinige und flachgründige Böden sowie Moorböden.

Fruchtfolge

In der Fruchtfolge ist zu empfehlen, einen Anbauabstand von drei bis vier Jahren einzuhalten. Zu Sklerotinia-Wirtspflanzen wie Sonnenblumen und Raps sollten mindesten vier Jahre Abstand eingehalten werden. Sojabohnen haben keine hohen Ansprüche an die Vorfrucht. Optimal ist es aber, wenn diese spät keimende Unkräuter unterdrücken und einer verstärkten Stickstofffreisetzung entgegenwirken. Wintergetreide ist am besten als Vorfrucht geeignet, gefolgt von Sommergetreide und Körnermais. Der Anbau von abfrierenden Zwischenfrüchten vor Soja ist empfehlenswert. Sojapflanzen haben einen hohen Vorfruchtwert, sie stellen zwischen 30 bis 50 Kilogramm Stickstoff für die Nachfrucht bereit. Sinnvollerweise wird vor und nach Sojabohnen keine Leguminose und kein Leguminosengrasgemenge angebaut.

Sortenwahl

Sorten der Reifegruppe "00" (früh) eignen sich für Körnermaislagen ab K 260 bis 300 und damit für günstige Standorte. Sorten der Reifegruppe "000" (sehr früh) eignen sich für Körnermaislagen K 240 bis 250. Sie reifen circa acht Tage früher ab als 00-Sorten und eigenen sich für weniger günstige Standorte. Dazwischen liegt die Reifegruppe 000/00 (vier Tage früher als 00). Inzwischen sind auch 000-Sorten auf dem Markt. Informationen zu aktuellen Sorten gibt es beim Sojaförderring: Sojasorten- u nd Bezugsquellen (PDF-Datei) 

Saat

Sojabohnen sollten zwischen Mitte April und Mitte Mai bei einer Bodentemperatur von über zehn Grad Celsius ausgesät werden. Zur Bodenvorbereitung ist es wichtig, früh (vier bis fünf Wochen vor der Saat) zu pflügen, um gegebenenfalls eine Unkrautkur (Scheinsaat) einschalten zu können. Für die Aussaat ist ein gut abgesetztes und nicht zu feines Saatbett von Vorteil. Da sehr bodennah gedroschen wird, ist es wichtig, dass möglichst wenig Bodenunebenheiten oder Steine im Saatbett sind. Es sollt ein Feldaufgang von 50 bis 60 Pflanzen pro Quadratmeter angestrebt werden. Bei intensiver mechanischer Unkrautregulierung empfiehlt sich ein Zuschlag von 10 bis 20 Prozent. Die pneumatische Einzelkornsaat hat gegenüber der Drillsaat den Vorteil, dass sie eine exakte Tiefenablage ermöglicht und das Korn kaum beschädigt. Es sollte nicht schneller als sechs Stundenkilometer gefahren werden. Das Saatgut sollte auf drei bis vier Zentimeter Tiefe abgelegt werden, bei ausgetrocknetem aber gut durchwärmtem Unterboden sind sogar Saattiefen bis acht Zentimeter möglich. Bei Einzelkornsaat ist ein Reihenabstand von 35 Zentimeter üblich, beim Einsatz der Reihenhacke kann ein Abstand bis 50 Zentimeter gewählt werden.

Vor der Aussaat müssen Sojabohnen beimpft werden, da die spezielle Knöllchenbakterienart, die eine Symbiose mit Sojabohnen eingeht, nicht natürlich in den hiesigen Böden vorkommt. Beim Erstanbau sollte eine erhöhte Menge an Impfmittel verwendet werden. Das Impfmittel kann gewöhnlich mit dem Saatgut bezogen werden. Folgende Impfpräparate haben sich zur Kontaktimpfung des Saatguts bewährt: Force 48, HiStick beziehungsweise NPPL und Biodoz rhizofilmé soja.

Düngung

Der Nettonährstoffbedarf von Sojabohnen ist bescheiden. In aktiven, biologisch bewirtschafteten Böden kann der Bedarf in der Regel mit dem Einarbeiten einer Gründüngung gedeckt werden. Eine organische Stickstoff-Düngung sollte im Vorfeld des Sojaanbaus in jedem Fall unterbleiben.

Beikrautregulierung

Die Beikrautregulierung ist bei Sojabohnen besonders wichtig, da sie  wegen ihrer langsamen Jugendentwicklung zu starker Verunkrautung neigen. Für den Anbau kommen deshalb nur schwach verunkrautete Flächen in Frage. Zur Unkrautregulierung sollten neben der direkten Bekämpfung alle Maßnahmen zwischen der Ernte der Vorfrucht und der Sojabestellung darauf abzielen, den Unkrautbesatz zu verringern, so zum Beispiel Zwischenfruchtanbau, Scheinsaat und das Abschleppen das Saatbetts vor der Aussaat. Nach dem Auflaufen sind jedoch beim Striegeln Pflanzenschäden und Bestandesausdünnungen je nach Geräteeinstellung, Boden- und Kulturzustand nicht auszuschließen. In der Regel sind bis zum Bestandschluss der Soja zwei bis drei Hackdurchgänge erforderlich.
Vor dem Auflaufen der Pflanzen kann blindgestriegelt werden. Während des Auflaufens kann der erste Hackdurchgang so früh wie möglich (mit Hohlschutzscheiben) angesetzt werden. In der Regel sind bis zum Bestandesschluss der Pflanzen zwei bis drei Hackdurchgänge erforderlich. Wenn das erste gefiederte Laubblattpaar an den Pflanzen entwickelt ist, kann bis circa 15 Zentimeter Pflanzenhöhe wieder gestriegelt werden. Problemunkräuter müssen in der Spätverunkrautung gezielt bekämpft werden, gegebenenfalls mit der Handhacke.

Krankheiten und Schädlinge

Als Krankheiten sind verschiedene viröse (Mosaikkrankheit), bakterielle (Bakterienbrand, Pustelkrankheit) und pilzliche (Sklerotinia-Fäule, Botrytis-Fäule, Falscher Mehltau) Erkrankungen bekannt. Um Sklerotinia zu vermeiden, sollte zu weiteren Wirtspflanzen sowie zu Sojabohnen ein Abstand von mindestens vier Jahren eingehalten werden. Ein weiter Reihenabstand von 50 Zentimeter kann bei Befallsdruck helfen. Zur biologischen Bekämpfung der Sklerotien im Boden ist das Pflanzenschutzmittel Contans WG in Ackerbaukulturen zugelassen. Damit sollten befallene Ernterückstände nach der Ernte behandelt werden.

Als Schädlinge tauchen Schnecken, Drahtwürmer, Nematoden, Bohnenfliegen und Distelfalter auf. Bei einer angepassten Fruchtfolge sind die Schäden im Anbau aber so gering, dass keine direkte Bekämpfung nötig ist. Allerdings kann es bei heißer Witterung zur Massenvermehrung des Distelfalters und dadurch im Sommer zu nesterweise beginnendem Kahlfraß durch Distelfalterraupen kommen. In diesem Fall sind bevorzugte Mittel zur Raupenbekämpfung, auch mit Zulassung für den Ökolandbau, Bacillus thuringiensis-Präparate.

Außerdem ist Soja in der Auflaufphase durch Tauben- und Krähenfraß gefährdet. Später fressen Hasen und Rehe an den Sojapflanzen. Maßnahmen gegen Wildschäden werden am besten mit dem Jagdausübungsberechtigten abgestimmt. Weitere Möglichkeiten zum Saatenschutz sind gegebenenfalls auch Ablenkungsfütterungen oder das Aufstellen eines elektrischen Schutzzauns. Vorbeugend gegen Schneckenfraß sollte ein abgesetztes Saatbeet mit wenigen Hohlräumen hergerichtet werden, gegebenenfalls mit Rückverfestigung. Bei Schneckenbefall kann eine Randbehandlung mit den zugelassenen Schneckenbekämpfungsmitteln Ferramol oder Sluxx erfolgen.

Ernte

Die Reife beginnt mit Gelbverfärbung und Blattfall. Je nach Sorte und Witterungsverlauf werden  Sojabohnen ab Mitte September bis in den Oktober erntereif. Der Erntezeitpunkt ist wenige Tage nach dem vollständigen Blattfall erreicht, wenn die Bohnen in den Hülsen frei liegen (Klappern beim Schütteln), mit dem Fingernagel schwer einzuritzen sind und die Kornfeuchte unter optimalen Verhältnissen bei 14 bis 16 Prozent liegt. Die Ernte der Sojabohnen erfolgt Ende September bis Anfang Oktober, wenn alle Blätter abgefallen sind. Bei später Reife und verspäteter Ernte (ab Mitte Oktober) kommt man wegen erhöhter Luftfeuchtigkeit kaum unter Kornfeuchten von 18 bis 20 Prozent. Bevor die Bohnen nach einer Schlechtwetterperiode verderben, kann auch schon bei 20 bis 25 Prozent gedroschen und direkt im Anschluss schonend auf 12 bis 14 Prozent Wassergehalt heruntergetrocknet werden. Beim Ertrag ist im Bioanbau mit einer Höhe zwischen 20 bis 35 Dezitonnen pro Hektar zu rechnen. Vor der Einlagerung sollten die Sojabohnen möglichst schonend (unter 40 Grad Celsius) auf einen Wassergehalt von unter 13 Prozent getrocknet werden, bei mittlerer Lagerdauer auf weniger als zwölf Prozent.  Für eine sichere Langzeitlagerung werden sogar neun Prozent empfohlen.


Letzte Aktualisierung 21.08.2017

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