Ökologischer Sonnenblumenanbau

Ökologischer Sonnenblumenanbau

Biosonnenblumen wurden in Deutschland im Jahr 2015 auf einer Fläche von 2.700 Hektar angebaut. Damit ist die Kultur neben Raps und Sojabohnen die wichtigste Ölpflanze im Ökolandbau. Vor allem im Vergleich zum anspruchsvollen Raps lassen sich Sonnenblumen einfacher unter ökologischen Bedingungen anbauen, da sie deutlich weniger Stickstoff benötigen und der Druck durch Schädlinge und Krankheiten geringer ist.

Vermarktet wird vor allem das Öl der Sonnenblume, das ausschließlich kalt gepresst wird. Der zurückbleibende Presskuchen eignet sich als energiereiches Kraftfutter für Wiederkäuer. Eine gewisse Bedeutung hat auch die Schälnutzung, also der Verkauf von Sonnenblumenkernen. Die Erträge liegen beim ökologischen Anbau je nach Witterungsverlauf und Güte des Standorts zwischen 20 bis 40 Doppelzentnern pro Hektar. Für einen Doppelzentner Bioware werden um die 60 Euro gezahlt (Stand April 2017).

Standort

Sonnenblumen gedeihen am besten in klassischen Körnermaisregionen. Optimal ist ein warmes, trockenes Klima mit einer Durchschnittstemperatur von mindestens 15,5 Grad Celsius zwischen Mai und September. Der Wasserbedarf ist mit etwa 400 Millimetern relativ gering. Allerdings reagieren die Pflanzen von Beginn der Knospenbildung bis zum Abschluss der Blüte sehr empfindlich auf Wassermangel. Fehlt in dieser Phase Wasser, ist mit deutlichen Ertragsrückgängen zu rechnen.

Wichtig sind zudem trockene Bedingungen während der Ausreife, die in der Regel im September erfolgt. Stärkere Niederschläge in dieser Phase begünstigen Infektionen durch Pilze oder Bakterien und können zum unerwünschten Abknicken von Körben und Stängeln führen.

Die Ansprüche der Sonnenblume an den Boden sind relativ gering. Gut geeignet sind mittelschwere, gut durchlüftete Böden. Leichte oder sehr humusreiche Böden sind dagegen nicht zu empfehlen, genauso wie schwere Tonböden, die sich im Frühjahr nur langsame erwärmen.

Fruchtfolge

Sonnenblumen sind gut geeignet zur Auflockerung der Fruchtfolge und verfügen über einen hohen Vorfruchtwert, der etwa dem von Hackfrüchten entspricht. Als Vorfrucht können alle Getreidearten und andere Hackfrüchte gewählt werden. Wichtig ist allerdings, dass die gewählte Vorfrucht nicht zu viel Stickstoff im Boden hinterlässt. Denn ein zu hohes Stickstoffangebot macht die Pflanze anfälliger für Krankheiten und verzögert die Abreife.

Aus diesem Grund sollten Sonnenblumen nicht nach Leguminosen, Feldgemüse oder nach einem Grünlandumbruch angebaut werden. Auch die Anreicherung von Erregern wie Sclerotinia sclerotiorum, Botrytis cinerae und Verticilium dahliae sollte innerhalb der Fruchtfolge vermieden werden. Deshalb darf der Anteil von Raps und Körnerleguminosen in einer Fruchtfolge mit Sonnenblumen 25 Prozent nicht übersteigen. Die Mindestanbaupause für Sonnenblumen liegt bei vier Jahren.

Saat

Sonnenblumen benötigen ein gut abgetrocknetes Saatbett und Bodentemperaturen von mindestens sechs bis acht Grad Celsius. In der Regel erfolgt die Einsaat ab Mitte April. Bei früherer Aussaat erhöht sich das Risiko für Frostschäden. Für die Saatbettbereitung ist eine Winterfurche optimal. Die Saat wird mit einer Einzelkornsämaschine durchgeführt, die Saattiefe sollte vier bis fünf Zentimeter betragen. Durch einen anschließenden Walzengang schafft man ideale Voraussetzungen für die anschließende mechanische Pflege.

Die optimale Bestandesdichte liegt bei 50.000 bis 60.000 Pflanzen pro Hektar. Um Verluste durch Vogel- und Schneckenfraß und vor allem durch die mechanische Unkrautregulierung auszugleichen, liegt man mit einer Aussaatstärke von etwa 75.000 Körnern pro Hektar richtig. Der Reihenabstand muss an die jeweilige Hacktechnik des Betriebs angepasst werden, meist sind es 40 bis 50 Zentimeter. Größere Abstände sind zu vermeiden, da die Einzelpflanzen dadurch innerhalb einer Reihe zu dicht stehen und schwache, bruchanfällige Stängel ausbilden.

Sortenwahl

Für den Sonnenblumenanbau zur Ölproduktion stehen ausschließlich Hybridsorten zur Verfügung, reine Ökosorten gibt es nicht. Das Sortenspektrum weist große Unterschiede beim Ertrag, Ölgehalt, der Reifezeit und dem Tausendkorngewicht auf. Erzeugerinnen und Erzeuger sollten aber vor allem auf eine sichere Abreife achten, die zu den klimatischen Bedingungen des Standortes passt. Mit spät abreifenden Sorten lassen sich zwar höhere Erträge erzielen, die aber meist nur an absoluten Gunststandorten erreicht werden. Für den ökologischen Anbau kann es auch sinnvoll sein, Sorten mit etwas höherer Toleranz gegen Botrytis und Sclerotinia zu wählen. Bei ungünstiger Witterung bleiben jedoch auch tolerante Sorten nicht befallsfrei. Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) empfiehlt im ökologischen Anbau für das Jahr 2017 die beiden konventionellen Sorten ES Columbella und NK Delfi.

Unkrautregulierung

Sonnenblumen reagieren bis zum 5 bis 6-Blattstadium empfindlich auf Konkurrenz durch Unkräuter. Zudem sind junge Pflanzen sehr anfällig gegenüber mechanischer Schädigung durch Hacken und Striegeln. Dennoch ist Blindstriegeln möglich. Allerdings sollte es sehr vorsichtig durchgeführt werden und nur bei Saattiefen von mindestens fünf Zentimetern.

Darauf folgen in der Regel ein oder zwei weitere Einsätze mit dem Hackstriegel und nochmals zwei Überfahrten mit einer Rüben- oder Rollhacke. Der letzte Einsatz der Hacke sollte spätestens vor dem Reihenschluss erfolgen.

Düngung

Sonnenblumen entwickeln ein weitreichendes Wurzelsystem und haben deshalb ein hohes Nährstoffaneignungsvermögen. Der Stickstoffbedarf liegt nur bei etwa 60 Kilogramm pro Hektar, sodass auf gut strukturierten, biologisch aktiven Böden die bodeneigene Mineralisation zur Versorgung ausreicht. Auf leichteren oder langsam erwärmenden Böden kann eine mittlere Stallmist- oder Güllegabe (20 Kubikmeter Rindergülle pro Hektar) sinnvoll sein. Die verfügbare Stickstoffmenge sollte aber auf keinen Fall 80 Kilogramm pro Hektar überschreiten, da sich ansonsten das Risiko für Krankheitsbefall und eine verspätete Abreife erhöht.

Zu beachten ist der große Kaliumbedarf von Sonnenblumen. Voraussetzung für den erfolgreichen Anbau ist mindestens Versorgungsstufe B. Bei Unterversorgung kann vor Sonnenblumen eine Grunddüngung erfolgen, etwa durch Kaliumsulfat. Auch eine ausreichende Versorgung mit Bor sollte sichergestellt sein. Zudem ist über eine angemessene Kalkung ein pH-Bereich zwischen 6 und 7,2 im Boden anzustreben.

Krankheiten und Schädlinge

Infektionen durch Schaderreger können beim ökologischen Anbau von Sonnenblumen durch eine gute Sortenwahl (passende Reifegruppe) und eine gute Durchlüftung vorgebeugt werden. Auch die Wahl der Vorfrucht und eine saubere Einarbeitung von Ernterückständen durch eine Pflugfurche sind wichtige vorbeugende Maßnahmen.

Zu den häufigsten Pilzerkrankungen gehört der Falsche Mehltau, dessen Erreger samenbürtig ist und über befallenes Saatgut verbreitet wird. Im Bioanbau wird ausschließlich Saatgut aus Nachbaugebieten verwendet, die frei vom Erreger des Falschen Mehltaus sind.

Weitere mögliche Krankheiten sind Botrytis-Graufäule (Bortrytis cinerea) Sonnenblumenkrebs (Sklerotinia sclerotiorium) und Phoma. Eine direkte Bekämpfung dieser Krankheiten ist im ökologischen Landbau nicht möglich.

Probleme können nach der Aussaat und dem Auflaufen Schnecken- und Vogelfraß bereiten. Während das Risiko für die Ausbreitung von Schnecken durch eine gründliche Einarbeitung von Pflanzenmaterial verringert werden kann, lassen sich Vögel durch Vogelscheuchen, Knallschreckgeräte oder Ballons einigermaßen in Schach halten.

Ernte

Sonnenblumenkerne reifen vom äußeren Ring zum Zentrum der Blüte. Der Erntetermin ist erreicht, wenn auch die inneren Kerne bei der Nagelprobe knacken und das Korn noch weich ist. Die Erntefeuchte muss unter 20 Prozent liegen, optimal sind 15 bis 17 Prozent. Geerntet wird in der Regel zwischen Anfang September und Anfang Oktober.

Der Drusch ist mit herkömmlichen Mähdreschern möglich, die für diesen Zweck umgerüstet werden. Alternativ gibt es auch spezielle Sonnenblumen-Schneidwerke oder Umrüstmöglichkeiten für den Maispflückvorsatz. Wichtig ist, dass der Drusch schonend erfolgt, um die empfindliche Schale der Kerne nicht zu beschädigen.

Nach der Ernte müssen die Sonnenblumenkerne sofort auf etwa sechs Prozent Restfeuchte getrocknet werden. Andernfalls leidet die Qualität und das Öl nimmt einen schlechten Geschmack an.


Letzte Aktualisierung 02.05.2017

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