Landwirtschaft


Forschungsprojekte rund um die Aquakultur

Biologe füttert Wolfsbarsche. Klick vergrößert Bild.
AWI-Biologe Mirko Bögner füttert im Zentrum für Aquakulturforschung Wolfsbarsche. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Heiner Mueller-Elsner

Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) ist ein Förderprogramm und wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung einer ökologischen und nachhaltigen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Mit der Förderung von Forschungsprojekten zur Aquakultur will das BÖLN die heimische nachhaltige Aquakultur in Deutschland voranbringen – unter besonderer Berücksichtigung von Tiergesundheit, Natur- und Umweltschutzbelangen sowie sozialer und ökonomischer Aspekte der Nachhaltigkeit. Entsprechend breit ist die Palette der mit BÖLN-Mitteln finanzierten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.

Ichthyophthiriose – alternative Bekämpfungsansätze

Ein Fischparasit mit weltweiter Verbreitung ist der Ziliat Ichthyophthirius multifiliis. Ein Befall der Fischbestände in Aquakulturen kann zu großen Verlusten führen. Da derzeit in der EU keine wirksamen Medikamente zur Behandlung dieser Infektion bei Speisefischen zugelassen sind, erproben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Fischerei, alternative Ansätze, um diesen Parasiten in Forellenbetrieben zu bekämpfen.

Ihr Ansatz ist es, die Zahl der infektiösen Parasitenstadien im Wasser und deren Verbreitung deutlich zu reduzieren. Mittels Nanofiltration kann es womöglich gelingen das Übertragen der Parasiten zu blockieren, indem bestimmte Parasitenstadien im Wasser inaktiviert oder abgefangen werden oder das Erkennen der Wirte verhindert wird. Des Weiteren entwickeln und testen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Impfstrategien. Die verschiedenen Bekämpfungsansätze werden einzeln und in Kombination miteinander unter Praxisbedingungen getestet.

Projektbezeichnung: AbiAqua, Entwicklung alternativer, ökologisch unbedenklicher, effektiver und für Fische gut verträglicher Bekämpfungsstrategien gegen den Ziliaten Ichthyophthirius multifiliis ohne Einsatz von Therapeutika in Forellenhaltungen, Laufzeit: 2016 - 2019. Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Parasitologie und Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Fischerei, Starnberg und Kallert & Loy GbR, Adelsdorf.
Weitere Informationen: http://orgprints.org/30516/

Proteasen gegen Fischvirosen

Die Desinfektion von Aquakulturanlagen ist nach einem Ausbruch zwingend erforderlich, um zu verhindern, dass sich eine virusbedingte Fischseuche erneut ausbreitet. Daher untersuchten Forschende der Universität Erlangen-Nürnberg, des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Fischerei, das Potenzial von bioabbaubaren Enzymen als alternative Desinfektionsmittel.

Das Ergebnis: Proteasen sind in der Lage, einige Fischviren in sehr kurzer Zeit zu inaktivieren. Um das Potenzial einschätzen zu können, sind dennoch weitere Untersuchungen bezüglich verschiedener Einflussfaktoren wie zum Beispiel Temperatur, pH-Wert, Zusammensetzung des Wassers und der Sedimente nötig. Darüber hinaus muss der Einfluss solcher Behandlung auf die Mikroflora sowie Fische untersucht werden.

Projektzeichnung: PRO-FI: Untersuchung der Proteasen-Nutzung zur Bekämpfung von Fischvirosen in Aquakulturen. Laufzeit: 2016 - 2019. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Biologie, Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Greifswald und Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Fischerei, Höchstadt/Aisch.
Weitere Informationen: http://orgprints.org/32559/

Erhöhung der Fettsäuresynthese von Regenbogenforellen durch Isoflavone

Ob und in welcher Menge sich Fischöl in Futtermitteln durch pflanzliche Öle ersetzen lässt, haben Aquakultur- und Ernährungsexpertinnen und -Experten der Universität Kiel mit Unterstützung des BÖLN erforscht. Ihr Ziel war es herauszufinden, ob pflanzliche Öle und bioaktive Stoffe das Fettsäuremuster in Forellen verbessern können – als Beitrag zu einer gesunden Ernährung.

In dem Forschungsvorhaben wurden verschiedene Ansätze getestet, um den Gehalt an gesunden, hoch ungesättigten und langkettigen Fettsäuren (LC-PUFA) wie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) in Regenbogenforellen zu erhöhen. Die Fische wurden mit ausgewählten pflanzlichen Ölen gefüttert sowie mit einer Kombination aus Fischöl und Pflanzenöl, teils mit Zusatz von bioaktiven Substanzen. Als zusätzliche Komponente wurde das Öl von Ackersteinsamen (Buglossoides arvensis) getestet.

Die Fütterungsversuche zeigten, dass sich Pflanzenöle als Futtermittelrohstoff für Regenbogenforellen eignen und diese bedarfsgerecht ernähren. Weniger eindeutig ist jedoch das Potenzial der getesteten Isoflavone, die EPA-und DHA-Gehalte im Gewebe von Regenbogenforellen zu erhöhen. Von allen untersuchten Substanzen bewirkten nur Genistein und Equol einen Anstieg der DHA-Werte. Kombinierten die Forscher Buglossoides arvensis-Öl mit der bioaktiven Substanz Equol, fielen die DHA-Filetgehalte sieben Prozent höher aus als ohne Zusatz von Equol – und damit ebenso hoch wie bei den Forellen, die ein Futtermittel mit einer Mischung aus Fischöl und Pflanzenölen erhielten.

Projektzeichnung: ISOFETT: Erhöhung der Fettsäuresynthese von Regenbogenforellen durch Isoflavone. Laufzeit: 2016 - 2018. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) Institut für Tierzucht und Tierhaltung.
Weitere Informationen: http://orgprints.org/35384/

Infrastruktur des Zentrums für Aquakulturforschung. Klick vergrößert das Foto.
Das Zentrum für Aquakulturforschung (ZAF) bietet eine moderne und vielseitige Infrastruktur. Es besteht aus einer Reihe von geschlossenen Kreislaufsystemen sowie ein Aquarienregal, ein Integrationsregal und eine Brutanlage zur Aufzucht von Fischen, Muscheln oder Krebsen. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Heiner Mueller-Elsner

Tierwohl in der Forellenhaltung

Im ökologischen Landbau hat der Tierwohlgedanke einen besonders hohen Stellenwert. Doch besonders bei der Bewertung des Tierwohls in Aquakulturen besteht noch großer Forschungsbedarf. Es fehlt an Indikatoren, anhand derer Teichwirtinnen und Teichwirte das Wohlergehen und die Gesundheit ihrer Tiere mit vertretbarem Aufwand möglichst objektiv und zuverlässig beurteilen können. Erste Ansätze zur Einschätzung des Fischwohls liefert nun ein BÖLN-Forschungsvorhaben der Gesellschaft für Marine Aquakultur mbH (GMA), des Instituts für Fischerei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und des Leibnitz Instituts für Nutztierbiologie. Erstmals haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Praxistauglichkeit und Validierbarkeit gängiger Tierwohlparameter sowie molekularer Stressmarker für die Forellenhaltung untersucht.

Das Ergebnis: Das Blutbild und die Cortisol- und Hämatokrit-Werte allein sind als valide Stressmarker nicht geeignet. Zu groß sind die individuellen Schwankungen zwischen den Tieren und zu sehr hängen die Werte vom Gewicht des Untersuchungstieres ab. Zur ersten Einschätzung des "welfare"-Status von Forellen empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daher, weiterhin die Futteraufnahme und die Wachstumsrate zu erfassen. Aus ihrer Sicht ist es sinnvoll, die etablierten Tierwohlparameter mit neuen Methoden, etwa der Erhebung molekularer Stressmarker, zu kombinieren.

Projektbezeichnung: StreFo: Stressresistenz und -adaption von Forellen aus Intensiv- und Extensivhaltung unter definierten Haltungsbedingungen. Laufzeit: 2014 - 2017. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Tierzucht und Tierhaltung.
Weitere Informationen: http://orgprints.org/34210/

Tierwohl in der Forellenhaltung

Mehr Naturnahrung für Karpfen

Der Nahrungsbedarf von Karpfen wird in erster Linie aus den im Teich lebenden tierischen und pflanzlichen Kleinstorganismen gedeckt. Insofern bilden nachwachsende Rohstoffe die wesentliche Nahrungsbasis in Karpfenteichen. Die Naturnahrung liefert jedoch zu wenig Eiweiß, wodurch die Karpfenqualität beeinträchtigt wird. Hinzu kommt, dass traditionelle Maßnahmen, die das Nahrungsanbot verbessern, aufgrund geänderter Umweltbedingungen heute nicht mehr infrage kommen.

In diesem Projekt erproben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Ansätze zur Wasser- und Bodenbehandlung in Parzellen und Versuchsteichen, um das Vorkommen von Fischnährtieren in den Teichen zu vergrößern. Neben einer Analyse der Boden- und Wasserqualität sowie der produzierten Fischnährtiere wird die Aktivität von Mikroorganismen und des Algenaufkommens erfasst.

Projektbezeichnung: NatKa: Steigerung der Naturnahrung zur Förderung einer nachhaltigen und ökologischen Produktion in der Karpfenteichwirtschaft. Laufzeit: 2016 - 2019. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Fischerei, Starnberg und Kallert & Loy GbR, Adelsdorf.
Weitere Informationen: http://orgprints.org/29832/

Kreislaufanlagen für die Bioproduktion?

Derzeit sind Kreislaufanlagen in ökologischen Aquakulturen nicht zugelassen. Konkret bedeutet das: Speisefische und Meeresfrüchte, die in Kreislaufanlagen (KLA) produziert worden sind, dürfen nicht als Ökoprodukt vermarktet werden. Einzige Ausnahme bilden Brut- und Jungtierstationen und die Erzeugung ökologischer Futterorganismen. Ob sich dies zukünftig ändern könnte, hängt unter anderem davon ab, wie Kreislaufanlagen gegenüber traditionellen Teichen in punkto Nachhaltigkeit abschneiden.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Akzeptanz von KLA aus Sicht der Produzentinnen und Produzenten sowie der Verbraucherinnen und Verbraucher und anderer Stakeholder: Bewerten sie ökologisch betriebene KLA weitgehend positiv oder überwiegt eine kritische Einschätzung? Die vorliegende Studie hat dieses Spannungsverhältnis untersucht und darauf aufbauend verschiedene Handlungsoptionen und Lösungsansätze entwickelt.

Projektbezeichnung: ÖkoKlaStu: Kreislaufanlagen – Positionen des Ökosektors. Laufzeit: 2016 - 2017. Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V.
Weitere Informationen: http://orgprints.org/32165/


Dr. Anna Schultz
Telefon: 0228/ 99 6845-3706
E-Mail: anna.schultz@ble.de

Letzte Aktualisierung: 03.09.2019