Haltung und Umgang

Haltung und Umgang

Generell sind geschlossene Kreislaufanlagen f├╝r die Tierproduktion in Aquakultur verboten. Sie d├╝rfen jedoch f├╝r Brut- und Jungtierstationen oder f├╝r die Erzeugung von ├Âkologischen Futterorganismen genutzt werden. Aufzuchtanlagen an Land m├╝ssen bestimmte Voraussetzungen erf├╝llen. Dazu geh├Ârt zum Beispiel, dass bei Durchflussanlagen die M├Âglichkeit besteht, die Wasserwechselrate und die Wasserqualit├Ąt des zuflie├čenden und des abflie├čenden Wassers zu kontrollieren. Zudem muss mindestens f├╝nf Prozent der Fl├Ąche am Rand der Anlage (Teichrand) aus nat├╝rlicher Vegetation bestehen.

Haltungseinrichtungen im Meer m├╝ssen so angelegt sein, dass Wasserstr├Âmung, Wassertiefe und Wasseraustausch am gew├Ąhlten Standort gew├Ąhrleisten, dass Auswirkungen auf den Meeresboden und den umliegenden Wasserk├Ârper auf ein Mindestma├č reduziert werden. Au├čerdem sollen Design, Konstruktion und Wartung der Netzk├Ąfige an die am Standort herrschenden Umweltbedingungen angepasst sein. Die Erw├Ąrmung oder K├╝hlung des Wassers darf nur in Brut- und Jungtieranlagen k├╝nstlich erfolgen. Hingegen darf nat├╝rliches Brunnenwasser auf allen Produktionsstufen zum Erw├Ąrmen oder K├╝hlen des Wassers verwendet werden.

Artspezifische Besatzdichte

Ein weiteres wichtiges Kriterium der ├Âkologischen Aquakultur sind die artspezifischen Besatzdichten. Diese legen fest, wie viele Fische pro Kubikmeter Wasser, bezogen auf die jeweilige Art, gehalten werden d├╝rfen. 

Die Angaben hierzu finden sich separat im Anhang XIIIa der Durchf├╝hrungsverordnung 889/2008. Dieser Anhang regelt, dass beispielsweise f├╝r Salmoniden in S├╝├čwasser eine maximale Besatzdichte bei  Bach- und Regenbogenforellen von 25 kg/m3 und bei Lachs und Seesaibling von 20 kg/mgilt. Bei allen anderen als den genannten Salmoniden sind nur 15 kg/m3 zul├Ąssig. 

Bei der Produktion von Salmoniden im Meer gilt f├╝r Lachs, Forelle und Regenbogenforelle eine maximale Besatzdichte in Netzgehegen von 10 kg/m3. Die maximale Besatzdichte bei der Produktion von Karpfen und anderen vergesellschafteten Arten in Polykultur einschlie├člich Hecht, Wels, Barsch etc. in Binnengew├Ąssern ist auf 1.500 kg Fisch pro Hektar und Jahr begrenzt. Besatzdichten und weitere Details dazu finden sich in tabellarischer Form in Anhang XIIIa der Durchf├╝hrungsverordnung 889/2008.

Regelm├Ą├čige ├ťberwachung

Da sich die Besatzdichte auf das Wohlbefinden der Tiere auswirkt, m├╝ssen der Zustand der Fische (Flossen- oder andere Verletzungen, Wachstumsraten, Verhalten und allgemeiner Gesundheitszustand) und die Wasserqualit├Ąt regelm├Ą├čig ├╝berwacht werden. Die Konstruktion, Standort und Betrieb der Fischzuchtanlagen sind so zu konzipieren, dass das Risiko eines Entweichens der Tiere minimiert wird. Wenn Fische oder Krebstiere dennoch entweichen, sind angemessene Ma├čnahmen zu ergreifen, gegebenenfalls einschlie├člich Wiedereinfang, um nachteilige Auswirkungen auf das ├ľkosystem zu vermindern. ├ťber entsprechende Vorg├Ąnge ist Buch zu f├╝hren. 

Umgang mit Aquakulturtieren

Generell sind Eingriffe bei Aquakulturtieren (zum Beispiel beim Impfen) auf ein Mindestma├č zu reduzieren. Dabei sollten mit ├Ąu├čerster Sorgfalt geeignete Ger├Ąte und Verfahren verwendet werden, um Stress und Verletzungen, die mit Behandlungen einhergehen, zu vermeiden. Beim Umgang mit Elterntieren (zum Beispiel beim Ausstreifen von Eiern) wird darauf geachtet, Verletzungen und Stress auf ein Mindestma├č zu beschr├Ąnken; gegebenenfalls sind die Tiere zu bet├Ąuben. Sortiervorg├Ąnge werden unter Ber├╝cksichtigung des Tierschutzes auf ein Mindestma├č reduziert.

Die Verwendung von k├╝nstlichem Licht ist in der ├Âkologischen Aquakultur beschr├Ąnkt. So darf die Tageslichtdauer nicht k├╝nstlich ├╝ber ein H├Âchstma├č von 16 Stunden pro Tag hinaus verl├Ąngert werden. Dabei ist den ethologischen Bed├╝rfnissen, geografischen Gegebenheiten und allgemeinen Gesundheitsanforderungen f├╝r Aquakulturtiere Rechnung zu tragen. Dieses H├Âchstma├č an k├╝nstlicher Beleuchtung gilt nicht f├╝r Fortpflanzungszwecke wie beispielsweise die Induktion eines Laichzyklus. Der ├ťbergang von Hell zu Dunkel und umgekehrt darf nicht abrupt erfolgten, sondern ist durch den Einsatz von Dimmern oder Hintergrundbeleuchtung einzuleiten.

Eine Bel├╝ftung von Anlagen ist im Interesse des Tierschutzes und der Tiergesundheit unter der Bedingung erlaubt, dass mechanische Bel├╝ftungsger├Ąte vorzugsweise mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Die Bel├╝ftung der Anlagen unter diesen Umst├Ąnden muss in den Produktionsb├╝chern vermerkt werden. Der Einsatz von Sauerstoff ist eingeschr├Ąnkt und darf nur erfolgen, wenn die Gesundheit der Tiere sowie kritische Phasen der Produktion und des Transports dies erfordern. Dies kann bei au├čergew├Âhnlichem Temperaturanstieg, Druckabfall oder versehentlicher Verunreinigung, bei vereinzelten Bewirtschaftungsverfahren wie Probenahmen und Sortieren oder um das ├ťberleben des Bestands sicherzustellen erforderlich sein. Wird Sauerstoff eingesetzt, ist dar├╝ber Buch zu f├╝hren.

Beim Schlachten wird darauf geachtet, dass die Tiere sofort bet├Ąubt sind und keinen Schmerz empfinden. Bei der Festlegung optimaler Schlachtmethoden muss den unterschiedlichen Fischgr├Â├čen, Arten und Produktionsstandorten Rechnung getragen werden.


Lesetipps

  • Bergleiter, S., Berner, N., Censkowski, U., Julia-Camprodon, G. (2009): Organic Aquaculture 2009 - Production and Markets. ISBN: 978-3-00-026707-9. PDF-Datei zum Download.
  • Schmidt, H. (2009): Die neue EG-Verordnung ├ľkologischer Landbau - Eine einf├╝hrende Erl├Ąuterung mit Beispielen. 2. Auflage September 2009. PDF-Datei zum Download.
  • Stamer, A. (2009): Aspekte nachhaltiger Fischzucht; ├ľkologische Aquakultur als Alternative. ├ľkologie und Landbau 151, S. 18ÔÇô21.
  • Stamer, A. (2009): Alternative tierische Proteine im Fischfutter. ├ľkologie und Landbau 151, S. 30ÔÇô32.

Letzte Aktualisierung 01.07.2015

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