Landwirtschaft


Vermarktung nachhaltiger Aquakulturprodukte

Zwei Männer fangen Forellen, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Ökologische Forellenzucht in naturnaher Teichanlage, Foto: Thomas Stephan, BLE

Die Nachfrage nach Speisefisch steigt weltweit kontinuierlich an, während die Meere zunehmend verarmen. 50 Prozent der globalen Speisefischproduktion stammen inzwischen aus Aquakultur, einer kontrollierten Fischzucht in speziellen Farmen. Nachhaltig produzierte Aquakulturprodukte obliegen bestimmten Umwelt-, Tierzucht- sowie sozialen Kriterien. Ihre Erzeugung ist daher mit höheren Produktionskosten verbunden. Um die so erzeugten Produkte entsprechend vermarkten zu können, bedarf es einer entsprechenden Wertschätzung durch die Verbraucher sowie einer entsprechend hohen Zahlungsbereitschaft.

Das Ziel eines Verbundprojektes der Universität Kassel und des Thünen-Instituts war es daher, Verbraucherpräferenzen für nachhaltig erzeugte Aquakulturprodukte deutscher Herkunft zu analysieren und Schlussfolgerungen für deren Marktpotenzial abzuleiten. Oekolandbau.de sprach mit dem Leiter des Verbundprojektes, Prof. Dr. Ulrich Hamm von der Universität Kassel, über Ergebnisse des Projektes.

Oekolandbau.de: Herr Prof. Dr. Hamm, was war das Ziel Ihres Forschungsprojektes zur nachhaltigen Aquakulturproduktion?

Hamm: Das gemeinsame Forschungsvorhaben zielte darauf ab, Kommunikationsstrategien für eine erfolgreiche Positionierung von nachhaltig erzeugten Aquakulturerzeugnissen am deutschen Markt zu entwickeln. Deutsche Erzeuger von nachhaltig erzeugtem Fisch aus Aquakultur sollen dadurch in die Lage versetzt werden, Verbraucher gezielter als bisher anzusprechen, um zu verhindern, dass die steigende Nachfrage nach Fisch(-produkten) zunehmend durch Importe gedeckt wird.

Oekolandbau.de: Was verbinden Konsumenten mit dem Begriff „Nachhaltige Aquakultur“?

Hamm: Die im Rahmen unseres Projektes befragten Verbraucher verfügten zum Großteil über geringe Kenntnisse zu den Produktionsmethoden der Aquakultur und ihren Kennzeichnungen. Entsprechend unsicher waren die Befragten auch bei Fragen zur Nachhaltigkeit der Erzeugung, obwohl sie nachhaltige Produktionsmethoden insgesamt schätzten. Als wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit wurden Kriterien wie geringer Medikamenteneinsatz, Tierwohl (Besatzdichten), Natürlichkeit beziehungsweise Naturnähe und geografische Herkunft genannt.

Oekolandbau.de: Woran sind Produkte aus nachhaltiger beziehungsweise ökologischer Fischzucht im Handel erkennbar?

Hamm: Die nachhaltige Fischzucht ist ein komplexes System und damit schwierig an Verbraucher zu kommunizieren. Der Markt für nachhaltigen Fisch ist bislang für Verbraucher sehr intransparent. Entsprechend einer bundesweiten Erhebung unter Federführung des Thünen-Instituts werden etwa 150 verschiedene Fischprodukte aus nachhaltiger Aquakultur auf dem deutschen Markt angeboten. Davon stammt mehr als die Hälfte aus ökologischer Erzeugung. Die meisten Produkte nutzen Label als Kommunikationsmittel, mindestens 20 verschiedene sind auf dem Markt. Bei diesen Labeln wird neben dem für ökologische Produkte obligatorischen EU-Bio-Logo häufig das Label von Naturland und das deutsche Bio-Siegel verwendet.

Oekolandbau.de: Und worauf sollten die Hersteller von Aquakulturprodukten bei der Vermarktung achten?

Hamm: Der Bekanntheitsgrad und die inhaltliche Kommunikation von Labeln müssen deutlich verbessert werden, damit sie zur Produktdifferenzierung beitragen können. Beim Bekanntheitsgrad haben wir in einer großen Verbraucherbefragung mit einem gut gemachten, aber frei erfundenen Label, das einen blauen Fisch und den Text "Aus geprüft nachhaltiger Fischzucht" zeigte, ein bemerkenswertes Ergebnis erzielt: Das Label erzielte nach dem deutschen Bio-Siegel den zweithöchsten Bekanntheitsgrad, obwohl die befragten Verbraucher dieses Label noch nie gesehen haben konnten. Das zeigt, wie es um die Verbraucherkenntnisse bei Labeln bestellt ist. Inhaltlich eignen sich auf den Verpackungen von Produkten aus nachhaltiger Aquakultur kurze, eindeutige und unmissverständliche Botschaften. Damit Verbraucher keine verzerrte Vorstellung von der Aquakultur entwickeln, sollten Bilder von der Produktionsrealität und keine Bilder von idyllischer Natur verwendet werden, deren Glaubwürdigkeit Verbraucher ohnehin in Zweifel ziehen. Für Verbraucher mit höherem Informationsbedarf ist es zudem wichtig, dass an Frischetheken gut geschultes Personal zur Verfügung steht und dass beim Verkauf an Selbstbedienungstheken Verpackungshinweise auf weiterführende Informationen im Internet gegeben werden und die Informationen verbraucherfreundlich, das heißt für Laien leicht verständlich, aufbereitet werden

Oekolandbau.de: Legen die Verbraucher beim Einkauf von Aquakulturprodukten besonderen Wert auf Regionalität und nachhaltige Produktion?

Hamm: Produzenten aus Deutschland sollten das Herkunftsland unbedingt hervorheben. Regionale Erzeugung scheint ein stärkeres Kaufargument zu sein als Nachhaltigkeit. Dennoch ist Nachhaltigkeit für einige Verbraucher ein Kaufkriterium. Besonders wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit sind Natürlichkeit der Produktion und Tierwohl.

Oekolandbau.de: Wie können die Marktchancen für deutsche Erzeuger nachhaltiger Aquakulturprodukte verbessert werden?

Hamm: Dazu ist es wichtig, die Wahrnehmung nachhaltiger Aquakultursysteme von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu untersuchen. Das Verständnis von Behördenvertretern sollte analysiert werden, um eventuellen Problemen bei Genehmigungsverfahren von ökologischen Aquakulturanlagen zu begegnen. Zudem sollte beleuchtet werden, welche Hemmnisse Erzeuger von Aquakulturprodukten sehen, um gezielte Fördermaßnahmen anbieten zu können. Die Kalkulation der zusätzlichen Produktionskosten in ökologisch besonders wertvollen Aquakultursystemen sollte erfolgen, um eine angemessene Honorierung von Ökosystemleistungen durch den Staat zu ermöglichen. Schließlich ist auch eine Analyse der Darstellung der Aquakultur in den Medien erstrebenswert, um die gesellschaftliche Akzeptanz gezielt fördern zu können.

Oekolandbau.de: Herr Prof. Dr. Hamm, vielen Dank für das Gespräch.


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Letzte Aktualisierung: 06.05.2015