Landwirtschaft


Biologie und Verhalten von Geflügel

Die meisten Verhaltensweisen dienen grundsätzlich einer Funktion. Das Verhalten lässt sich daher in verschiedene Funktionskreise aufgliedern. Diese Funktionskreise sind Ruhen bzw. Schlafen, Nahrungsaufnahme, Fortbewegung, soziale Interaktion, Fortpflanzung und Komfort. Den Funktionskreisen entsprechen Funktionsbereiche im Stallsystem, wobei allerdings eine Vielzahl an Überschneidungen zwischen den verschiedenen Funktionskreisen und -bereichen bestehen.

Das Verhalten von Hühnern

Funktionskreise, zugehörige Verhaltensweisen und Funktionsbereiche
FunktionskreisVerhaltenFunktionsbereiche im Haltungssystem
Ruhen / SchlafenStehen, Liegen, Schlafen, DösenSitzstangen (erhöht)
NahrungsaufnahmePicken, Scharren, ZupfenRaumangebot, bearbeitbares Substrat (Einstreu)
FortbewegungGehen, Laufen, Fliegen, FlatternRaumangebot, 3. Dimension, Besatzdichte, Ausläufe
Soziale InteraktionPicken, Hacken, JagenRaumangebot, Rückzugsmöglichkeit
FortpflanzungTreiben, Walzern, Treten
Nestinspektion, Nesteln, Picken
Hähne, Eingestreute, abgedunkelte Nester mit Anflugstangen bzw. Roste
Nestverhalten

Absondern,
Nestbau,
Eiablage,
Ruhen

Eingestreute, abgedunkelte Nester mit Anflugstangen bzw. Roste
KomfortPutzen, Sandbaden, SonnenbadenSitzstangen (erhöht), Sandbad, Grünauslauf
Verhaltensstörungen
Zeichnung zeigt die zeitliche Verteilung der Aktivitäten bei Hühnern. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Zeitliche Verteilung der Aktivitäten eines Huhnes im Tagesverlauf. Abbildung aus: Fölsch, Hoffmann et.al., 1992

Das Verhalten von Hühnern wird durch den Tagesablauf bestimmt

  • In der Morgendämmerung beginnen die Hähne zu krähen.
  • Vor Sonnenaufgang und nach dem Putzen des Gefieders verlässt die Gruppe ihren Schlafbaum.
  • Es folgt das Aufsuchen der Tränke und die morgendliche Futtersuche (der Hahn begleitet und sichert seine Herde).
  • Nach der ersten Mahlzeit begeben sich die Hennen, meist unter Begleitung des Hahnes, für die Eiablage zum Nest.
  • In der Mittagszeit finden verstärkt Verhaltensweisen wie Putzen, Ruhen, Sand- und Sonnenbaden statt.
  • Am Nachmittag und Spätnachmittag erfolgt erneut die Futtersuche mit mehreren kurzen Ruhe- oder Putzpausen.
  • Das Staubbaden erfolgt ebenfalls meist nachmittags (Gefiederpflege).
  • Kurz vor Einbruch der Dämmerung nehmen die Hühner wieder die Schlafplätze ein.
  • Der Hahn achtet auf Vollständigkeit der Herde (dies ist auch bei der Auslaufhaltung zu beobachten).

Das Verhalten von Puten

Puten im schneebedecktem Auslauf
Ausgewachsene Puten scheuen niedrige Temperaturen nicht und nutzen einen Auslauf auch im Winter. Foto: F. Deerberg

Die Puten leben wie Hühner im Herdenverband. Innerhalb der Herde gibt es Untergruppen. Die Bindung des Einzeltieres an die Gruppenmitglieder ist stark ausgeprägt. So wird ein Einzeltier niemals ohne weitere Gruppenmitglieder unbekanntes Terrain erkunden. Der Herdenverband ist wichtig für den Schutz in der Jungtieraufzucht. 

Es besteht eine Rangordnung innerhalb der Herde. Rangauseinandersetzungen sind vornehmlich bei den Putern zu beobachten. Die Aggressivität zeigt zucht- und rassebedingte Unterschiede. Küken werden von den Alttieren geführt und wehrhaft verteidigt. Hierzu werden zunächst Warntöne abgegeben. Werden diese ignoriert, reagieren die Alttiere mit Spreizen der Flügel und Aufstellen der Schwanzfedern. Danach folgt der Angriff mit Flügelschlagen, Anspringen und Hacken mit dem Schnabel.

Fortpflanzungsverhalten

Zum Paarungsablauf der Puten gehört das Aufrichten der Schwanzfedern (Radschlagen) als Imponiergehabe. Wenn sich die Henne für einen Puter entschieden hat, geht sie auf diesen zu, springt um ihn herum, schlägt mit den Flügeln und legt sich flach auf den Boden. Sodann nähert sich der Puter, springt auf und trampelt der Henne förmlich auf dem Rücken herum.

Puten sind dafür bekannt, dass sie sehr nesttreu und beständig bei der Brut sind. Das Gelege und später auch die Küken werden kämpferisch verteidigt. 

Fortbewegungsverhalten

Die vorwiegende Fortbewegung der Puten ist ein Gehen während der Nahrungssuche. Bei der Flucht gehen die Bewegungen zu schnellem Laufen (bis ca. 25 km/h) über. Als Abschreckung kann Flügelschlagen und Flattern hinzukommen. Zur Überwindung von Hindernissen und bei der Flucht fliegen Puten. Das Aufbaumen ist ebenfalls mit Flugbewegungen verbunden. 

Ruheverhalten

Tagsüber legen die Puten kurze Ruhephasen ein. Das Ruhen kann stehend auf den Beinen oder auf dem Brust- und Bauchbereich liegend ausgeführt werden. Mit Eintritt der Dämmerung suchen flugfähige Tiere erhöhte Sitzmöglichkeiten zum Aufbaumen auf. Kükenführende Puten suchen Schutz/Deckung und hudern ihre Küken bis diese ebenfalls in der Lage sind, Aufbaummöglichkeiten aufzusuchen. Tagsüber ist auch ein Dösen zu beobachten, bei dem die Tiere die Augenlider nur für kurze Zeit schließen.

Komfortverhalten

Die Gefiederpflege erfolgt durch Staub- und Sandbaden und anschließendem Ordnen mit dem Schnabel. Hierzu suchen die Tiere trockene Mulden auf und legen sich in eine Seitenlage. Danach wird mit Kopf und Füssen staubiges Material auf die Haut und in das Gefieder eingebracht. Durch kurzes Schlagen mit dem Flügel wird der Staub verteilt; die Prozedur wiederholt sich. Nach Wechsel der Seitenlage und Wiederholungen stehen die Tiere auf, gehen ein paar Schritte, winkeln die Flügel ab und schütteln sich.

Beim Sonnenbad legen sich die Tiere auf die Seite und spreizen Flügel und Füße leicht seitlich und verharren so einige Zeit in dieser Position.

Nahrungsaufnahmeverhalten

Während der Lichtphase sind die Puten mit der Nahrungssuche beschäftigt. Zur Nahrungsaufnahme laufen sie suchend umher. Die Nahrung wird dabei durch Picken, Scharren oder Zupfen untersucht, zerkleinert und aufgenommen. Informationen über die Beschaffenheit der Nahrungspartikel erhalten die Puten beim Aufschlag über die Nervenenden in den Schnabelspitzen. Das Trinkwasser wird durch Eintauchen des Schnabels in offenes Wasser und anschließendes Heben des Kopfes aufgenommen.

Letzte Aktualisierung: 24.06.2018