Landwirtschaft


Fortbewegung

Kotgrubenabdeckung in einem Volierensystem
Kotgrubengitter müssen robust und wenig pflegeintensiv sein und den Tieren eine angenehme Fortbewegung ohne Verletzungsgefahr ermöglichen. Foto: BAT e.V.

Das Huhn ist ein besserer Lauf- als ein Flugvogel und hat deshalb starke Beine und Beinmuskeln. Die Fortbewegung steht in engem Zusammenhang mit der Futtersuche. Hühner entfernen sich je nach Strukturierung der Umgebung maximal 150 bis 300 Meter von ihrem Stall. Sie gehen zwei Drittel des Tages und dies vor allem bei der Nahrungssuche.

Die tägliche Wegstrecke im Volierenstall beträgt bis zu 1,5 Kilometer. Bezogen auf die Gesamtaktivität sind die Hähne in einem Volierenstall viel mehr in Bewegung (50 bis 60 Prozent) als die Hennen (15 bis 23 Prozent). 

Fortbewegungsarten:

  • Gehen ist die häufigste Gangart beim Huhn (Flügel kommen dabei nicht zum Einsatz).
  • Laufen beispielsweise beim Futterjagen erfolgt ebenfalls ohne Flügelschlag.
  • Laufen mit Flügelschlag kann im Zusammenhang mit Aggressionsverhalten zur Feindabwehr dienen.
  • Hüpfen mit und ohne Flügelschlag dient beispielsweise dem Überwinden kleiner Distanzen in der Höhe wie Sitzstangen.
  • Flattern erfolgt beispielsweise bei großer Gefahr (Laufen mit gleichzeitigem Flügelschlagen).
  • Fliegen erfolgt beispielsweise beim Überwinden von Hindernissen oder Aufbaumen. Beim Verlassen höherer Ebenen fliegen Hühner bei freier Flugbahn und sicherem Landeplatz ebenfalls. Bankivahühner fliegen einige Meter weit, die schweren Hühnerrassen hingegen können kaum vom Boden abheben. Leichte und mittelschwere Hühnerrassen und Junghennen können zwei Meter hohe Zäune überfliegen (Zwerghühner noch höher).

Stalleinrichtung

Hühner bewegen sich während der Hellphase im gesamten Stall- und Außenbereich fort. Spezielle Stalleinrichtungen im Funktionskreis Fortbewegung betreffen die Kotgruben- bzw. Volierenebenenabdeckung, Sitzstangen und den Scharrraum.

Laufflächen für Kotgruben- und Volierenebenenabdeckung

Kotgrubengitter müssen selbstreinigend, haltbar, leicht zu reinigen und abzubauen sein sowie eine angenehme Fortbewegung der Tiere ohne Verletzungen ermöglichen. Kotgrubengitter (2 mm Steg- und 25 mm Spaltenbreite) sind kostengünstig, bieten aber nur eine geringe Auftrittsfläche (0,12 qm pro Quadratmeter). Kunststoffroste bieten hygienische Vorteile und mehr Auftrittsfläche (0,29 qm pro Quadratmeter). Auch Holz und Holz-Kombiroste bieten viel Auftrittsfläche (0,38 qm pro Quadratmeter).

Empfehlungen:

  • Gefälle von Rostebenen weniger als zwölf Prozent
  • Höhe der Kotgrube 60 bis 70 Zentimeter
  • Kotgrubenunberbau zur einfachen Entmistung und Reinigung leicht abbaubar
  • Sitzstangen auf dem Drahtgitter verbessern das Laufverhalten bzw. die Tiere halten sich vermehrt auf den Sitzstangen auf.

Entmistungsanlagen

In der Bodenhaltung wird der Kot häufig über eine Produktionsperiode ohne zwischenzeitliche Entleerung in der Kotgrube gelagert (Höhe: 80 bis 120 Zentimeter, ermöglicht 12- bis 15-monatige Lagerung).  Die Nachteile:

  • Erhebliche stallklimatische Probleme: höhere Schadgasbelastung im Winter bei nicht beheizten Ställen durch zu starkes Zurückfahren der Lüftung
  • Fliegenvermehrung in den warmen Monaten
  • Höhere Belastung durch Ekto- und Endoparasiten

Deswegen ist bei Neubauten von Bodenhaltungssystemen eine periodische Entmistung der Kotgrube über Kotbretter, Kotschieber ("Schrapper") oder Bänder vorzusehen (Kotgrubenhöhe ca. 50 cm).

Volierensysteme werden über Endloskotbänder, die sich unterhalb der Ebenen befinden, mindestens einmal pro Woche entmistet. Empfehlenswert ist eine zusätzliche Belüftung (mit Luftmischer für den Winter) der Kotbänder zur Kottrocknung, so dass die Ammoniakemissionen reduziert werden.

Scharrraum

Die Scharrfläche wird mit einer lockeren, trockenen Aufschüttung versehen, welche in Zonen auch unterschiedliche Materialien haben kann. Wichtig dabei ist:

  • Einwandfreie Qualität der Einstreu (kein angeschimmeltes Stroh oder stark staubendes Material).
  • Einstreu aus Stroh-Sand-Gemisch, eventuell mit Hobelspänen versetzt.
  • Bei zu geringer Grünauslaufnutzung sollte die Einstreu nur so hoch sein, dass die Hennen beim Scharren auf den befestigten Stallboden kommen (bis ca. zehn Zentimeter), um eine Abnutzung der Krallen zu gewährleisten.
  • Einstreu ist immer trocken zu halten und Stroh ist ständig zu ergänzen.
  • Ist die Einstreu in der Eingewöhnungsphase zu Beginn der Legetätigkeit attraktiver als die Nester, besteht die Gefahr des Eierablegens im Scharrbereich.
  • Tägliche Gabe ganzer Getreidekörner in die Einstreu fördert deren Durchmischung. Dadurch entsteht die gewünschte feinkrümelige Struktur.
  • Eine Wärmebildung durch mikrobielle Umsetzungsprozesse kann gegebenenfalls Parasitendruck mildern (vor allem bei Tiefstreu).

Der Kaltscharrraum (Minimalauslauf, Wintergarten) ist ein überdachter, eingestreuter und engmaschig umzäunter Bereich des Hühnerstalles mit betonierter Bodenfläche, in dem Außenklima vorherrschen soll. Hier kann der stärker staubende Schwemmsand als Staubbad verwendet werden.

Vorteile des Kaltscharrraumes:

  • Außenklimaeffekt für die Tiere auch bei schlechtem Wetter
  • Schonung der Grasnarbe und geringerer Nährstoffeintrag
  • Geringere Staubentwicklung im Stall
  • Mehr Bewegungsfläche und Hygiene
  • Geringere Keimbelastung, da häufigere Reinigung und Desinfektion möglich
  • Der Zugang vom Grünauslauf zum Stall über den Außenklimabereich dient der Reinigung der Füße.

Empfehlungen zum Kaltscharrraum:

  • Sollte nach Möglichkeit längs der Stallseite angeordnet und nach Süden oder Südwest ausgerichtet sein.
  • Gute Zugänglichkeit, zumindest während der Hellphase, durch großzügige Bemessung und gleichmäßige Verteilung der Wandöffnungen
  • Grundfläche: bei Bodenhaltung die Hälfte der Stallgrundfläche, bei Volierenhaltung mindestens genauso groß wie die Stallgrundfläche
  • Bodenfläche mit Sand/ Einstreu bedecken (jederzeit Scharren, Sandbaden).
  • Zusätzliches Wasserangebot
  • Zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten (beispielsweise Futterkörbe, Strohnetz, Staubbad)

Letzte Aktualisierung: 24.06.2018