Fortpflanzungsverhalten

Fortpflanzungsverhalten

Zum Fortpflanzungsverhalten zählt sowohl das Paarungs- als auch das Aufzuchtverhalten und die Glucke-Küken-Beziehung. Bei Hühnern herrscht ein polygynes Fortpflanzungssystem vor ("Haremstruktur"). Hochleistungsrassen legen bereits mit fünf Monaten Eier (Bankivahühner hingegen sind erst mit einem Jahr fortpflanzungsfähig). Die Unterschiede im Fortpflanzungsverhalten sind in erster Linie geschlechtsspezifisch, allerdings ist Zwittrigkeit recht häufig.

Paarungsverhalten

Die sexuelle Aktivität ist beim Hahn stark ausgebildet. Am paarungsaktivsten ist er jeweils am späten Nachmittag. Die Verhaltensweisen des Paarungsverhalten sind das Anlocken (Futterlockruf), Jagen, Imponieren (Flügelschlagen, Halsfedern sträuben), Paarungsbereitschaft prüfen (Henne duckt sich nieder), Begattung, Nachspiel (gurrender Laut, Gefiederschütteln). Weiterhin sind das Treiben, Walzern und Treten zu nennen. Bei 26 Hühnern macht ein Hahn bis zu 41 Begattungen pro Tag. Etwa 14 Prozent der Kopulationen verlaufen ohne Ejakulation und sind nur Ausdruck von Dominanzverhalten. Die Spermien sind im Eileiter der Henne 18 Tage lebensfähig. Das Huhn kann nach einer Begattung fünf bis sechs befruchtete Eier legen.

Aufzuchtverhalten

Küken sind im Gegensatz zu andern Vogelarten Nestflüchter und die meisten Verhaltensweisen (beispielsweise Fortbewegung, Nahrungsaufnahme, Trinken und Komfortverhalten) sind innerhalb von zwei Wochen ausgebildet. Wenige Stunden nach dem Schlüpfen können sie stehen und gehen und beginnen, mit Hilfe der Glucke Futter zu suchen. 

Entwicklung des Kükens

  • 3 Tage vor dem Schlüpfen: Kommunikation mit Glucke und anderen Küken
  • 10 Minuten nach dem Schlüpfen: Stehen und Gehen
  • 2. Lebenstag:  Fressen und Trinken
  • 1. Lebenswoche: Scharren, sich putzen, Glucke zum Hudern auffordern, Kontaktrufe, Sozialdistanz 50 Zentimeter
  • 2. Lebenswoche: Fliegen, Angriffs- und Verteidigungsverhalten, Sozialdistanz 2 Meter bei der Futtersuche
  • 3. Lebenswoche: Sandbaden
  • 4. Lebenswoche: Küken entfernen sich bis zu 20 Meter
  • 5. Lebenswoche: Küken bleiben ohne Wärmeschutz, Ausbleiben des Huderns
  • 8. Lebenswoche: Glucke-Küken-Familie löst sich auf, Junghennen schließen sich zu Jugendverbänden zusammen
  • 12. Lebenswoche: Imponiergehabe, Paarungsverhalten
  • 15. Lebenswoche: Nestorientiertes Verhalten
  • 17. Lebenswoche: Krähen der männlichen Küken
  • 20.- 24. Lebenswoche: Geschlechtsreife, heftige Rangkämpfe möglich
  • 21. Lebenswoche: Beginn des Eierlegens

Glucke-Küken-Beziehung 

Hennen ziehen ihre Küken selbständig auf. Die Beziehung zwischen Glucke und Küken wird schon früh ausgebildet. Die Glucke erkennt ihre Jungen an ihrem Ruf (bis zu einer Distanz von 15 Metern). Das gleiche gilt auch für die Küken.

Die Küken geben schon im Ei Laute von sich (zwei bis drei Tage vor dem Schlupf, beispielsweise leises Piepsen oder "Weinen" bedeutet, dass dem Küken im Ei zu kalt ist, worauf die Glucke die Lage des Eies verändert). Einen gleichzeitigen Schlupfzeitpunkt erreichen die Küken durch leise Knackgeräusche im Ei.

Durch das Futterlocken veranlasst die Glucke die Küken, das Nest zu verlassen und Futter zu suchen. Hudern (Glucke plustert sich auf und nimmt die Küken unter Flügel und Brustgefieder) bietet den Küken Wärme und Schutz. Das Hudern erfolgt etwa 15mal täglich in den ersten zwei Lebenswochen.

Mit zwei Wochen ruhen die Küken mit der Glucke bereits auf Sitzstangen. Höhen von etwa 25 Zentimetern können springend erreicht werden. Nach fünf Wochen wird eine Höhe von einem Meter erreicht. Beim Ruhen verbleiben die Küken nah bei der Glucke (50 Zentimeter), während sich die Küken beim Fressen bereits in der vierten Lebenswoche bis zu zwei Meter von der Glucke entfernen.

Unter den Küken sind individuelle "Freundschaften" möglich. Die Auflösung der Glucke-Küken Bindung erfolgt nach 50 bis 65 Tagen. Dann ist kein typisches Gluckverhalten der Glucke sondern Gakeln zu beobachten. Die abgesetzten Küken bilden mit Junghennen anderer Bruten Jugendverbände. Die Überlebensrate von Küken bis zur Lösung von der Mutter beträgt in der Wildnis 25 Prozent (sechs Prozent erreichen das erste Lebensjahr). 

Letzte Aktualisierung 25.06.2018

Betriebsentwicklung für mehr Tierwohl

Cover Broschüre Nachhaltige Landwirtschaft

Nachhaltige Landwirtschaft

Zur Broschüre (PDF-Dokument)

Tierwohl

Titelbild des Leitfaden Tierwohl, Bild: Naturland, Bioland, Demeter

Leitfaden

Beurteilung des Wohles der Tiere in der Landwirtschaft - Bioland, Demeter, Naturland

Nach oben
Nach oben