Komfort und Körperpflege

Komfort und Körperpflege

Das Komfort- und Körperpflegeverhalten von Hühnern ist durch die Gefiederpflege, das Sand- und Sonnenbaden, sowie das Flügelschlagen und -strecken gekennzeichnet. Weiterhin sind hierzu auch die weiteren Aspekte des Wohlbefindens und der Gesundheit zu zählen.

Gefiederpflege

Die Gefiederpflege bzw. das Putzen wird mit dem Schnabel und dem Fuß ausgeführt:

  • Für den Kopfbereich dient die Fußkralle zur Körperpflege (vom Schnabel nicht erreichbar).
  • Die Entfernung von Futterresten am Schnabel erfolgt über Schnabelwetzen oder mit der Kralle.
  • Zur Federreinigung und -glättung werden die Federn durch den Schnabel gezogen.
  • Als Abschluss einer Reinigungsaktion findet ein kräftiges Durchschütteln des ganzen Federkleides (axiales Körperschütteln) statt.

Sand- und Sonnenbaden

Beim Sandbaden wird Gefiederfett an Staubpartikel gebunden und mit dem Körperschütteln aus dem Gefieder entfernt, außerdem werden Parasiten beseitigt. Das Sandbaden erfolgt vor allem in den Nachmittagsstunden. Zuerst scharren die Hühner eine Mulde und lassen sich dort nieder. Es erfolgt eine weitere Lockerung der Mulde (Füße, Gefiederaufplusterung). Sand wird mittels Fuß- und Flügelbewegungen ins Gefieder geschleudert. Anschließend ruhen die Tiere bis sie das aufgeplusterte Gefieder kräftig ausschütteln. Das Sandbaden dauert etwa 20 Minuten und wird jeden zweiten Tag durchgeführt. Nur etwa zehn Prozent der Aktivitäten im Einstreubereich entfallen auf das Sandbaden.

Das Sonnenbaden beginnt morgens in den ersten Sonnenstrahlen und dauert etwa 20 Minuten. Hierzu liegen die Tiere mit ausgestreckten oberen Fuß und Flügel leicht auf der Seite. Dadurch können die Sonnenstrahlen bis auf die Haut dringen. Auch im weiteren Tagesverlauf findet Sonnenbaden statt.

Zum Komfortverhalten zählen weiterhin das Fuß-Flügelstrecken und das Flügelschlagen.

Lichteinfluss

Dem natürlichen Licht kommt zur Gesunderhaltung und zur Verhaltenssteuerung des Huhnes eine besondere Aufgabe zu. Bei Lichtmangel drängen die Tiere an hellere Orte des Stalles (dies passiert auch bei guter Kunstlichtbeleuchtung, wenn irgendwo Tageslicht einfällt). Infolgedessen kann es zu großer Enge kommen und damit beispielsweise zu Herzschlag oder Hitzschlag. Rotes und weißes Licht aktivieren die Bewegung und Futtersuche. Blaues oder grünes Licht wirkt dagegen eher beruhigend.

Stalleinrichtung

Stalleinrichtungen bezüglich des Funktionskreises Komfort betreffen insbesondere das Stallklima. Für das Wohlbefinden der Tiere ist ein gesundes Stallklima Grundvoraussetzung. Das Stallklima wird durch die Lüftung, die Lichtverhältnisse und dem Lärmpegel im Stall bestimmt.

Lüftung

Die Lüftung in Geflügelställen erfolgt vorwiegend mittels Zwangslüftung bzw. in Kombination mit anderen Lüftungsarten. Die Schwerkraftlüftung funktioniert in der Regel nur bei maximal drei Meter Raumhöhe, in einer Nicht-Inversionslagengegend und bei einer Besatzdichte von maximal vier Hennen pro Quadratmeter.

Zwangslüftung:

  • Unterdruck: nur in einem geschlossenen Stall funktionsfähig, Gefahr der Zuglufterscheinungen (insbesondere bei offenen Auslauföffnungen).
  • Überdruck: kontrollierte Zuluftführung, wobei die Luft über Lochdecken oder Noppenschläuche zugeführt wird; für ungünstig geschnittene Ställe geeignet, aber hohe Staubentwicklung im Stall und in Nachbarräumen.
  • Gleichdruck: kontrollierte Zuluft- und Abluftführung, bei richtiger Konzeption angepasstes Stallklima, aber hoher Investitionsaufwand; weniger störanfällig bei Vorhandensein zusätzlicher Öffnungen (Auslassöffnungen).

Empfehlungen zum Stallklima:

  • Volierenhaltung: Wandventile sind hoch genug einzubauen (Belüftung des Volierenblockes)
  • Bodenhaltung: bei geringerer Besatzdichte sind Heizungsanlagen für den Winter notwendig
  • Bei hohen Temperaturen gehen Hennen in den Auslauf oder Außenklimabereich. Eine Luftrate von fünf bis acht Kubikmeter pro Tier und Stunde im Stall ist ausreichend
  • Die Luftgeschwindigkeit sollte während der Nacht maximal 0,2 Meter pro Sekunde und im Sommer maximal 0,6 Meter pro Sekunde betragen
  • Die Ammoniakkonzentration darf 20 ppm dauerhaft nicht überschreiten und sollte unter 10 ppm (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, Legehennenhaltungsverordnung) liegen.
  • Umluftventilatoren in der Stallmitte verbessern die Luftumwälzung im Stall
  • Gleichmäßige Lichtverteilung im Stall und Vermeidung von Lichtflecken (Einsatz von durchgehenden Lichtbändern)
  • Bezüglich der Lichtstärke sind wenigstens 50 Lux im Tierbereich in Höhe des Hühnerkopfes anzustreben (Fensterfläche ein Zehntel der Stallgrundfläche, deutsche Legehennenhaltungsverordnung schreibt drei Prozent der Stallgrundfläche als Fensterfläche vor)
  • Beschattung der Stallfenster (zum Beispiel Vordach, Fenstereinsätze)
  • Bei größeren Aufbauten, Volierenanlagen sollten beidseitige Fensterflächen vorhanden sein
  • Geringer Lärm (keine lauten Geräte und plötzlicher Lärm)
  • Alarmanlagen und Notstromaggregat

Letzte Aktualisierung 25.06.2018

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