Landwirtschaft


Gesetze und Richtlinien für die ökologische Geflügelhaltung

Durch die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau werden Mindeststandards in der ökologischen Legehennenhaltung festgelegt. Die Richtlinien der Anbauverbände des ökologischen Landbaus gehen in einigen Punkten noch darüber hinaus.

In der folgenden Tabelle finden Sie Beispiele zu den Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau im Vergleich mit den Richtlinien von Bioland, Naturland und Demeter (Quelle: KTBL (Hg.) (2015): Faustzahlen für den ökologischen Landbau. Darmstadt, Seiten 545-548,  Stand Juni 2014)


Besatzdichte: Höchste zulässige Anzahl von Tieren je Hektar LF

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und
Demeter
230 Legehennen
580 Masthühner
280 bzw. 480 Junghennen
140 Legehennen
280 Masthühner
210 Mastenten
140 Mastputen
280 Mastgänse

Herkunft der Tiere

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter

Aus anerkannten Biobetrieben,
Zukauf konventioneller Tiere ohne Ausnahmegenehmigung verboten

Ausnahmen bei Nichtverfügbarkeit ökologischer Tiere:
Für konventionelle Eintagsküken1) und Junghennen (18 Wochen), wenn sie gemäß EU-Öko-Verordnung gefüttert und gemäß Art. 42 b2) tierärztlich behandelt wurden

Bioland: Herkunft der Tiere bevorzugt von Bioland-Vertragspartnern oder von Elterntieren aus Ökobetrieben; keine Ausnahmegenehmigung für Junghennen gemäß Art. 42 b

Naturland: Herkunft der Tiere bevorzugt von Naturland-Betrieben

Demeter: Herkunft der Tiere bevorzugt aus Elterntierherden von Demeter-Betrieben

1) Beim genehmigungspflichtigen Zukauf von konventionell erzeugten Eintagsküken gilt immer eine Umstellungszeit von 10 Wochen für die Fleischerzeugung extensiver Typen; bei intensiven Typen ist das Mindestschlachtalter zu berücksichtigen.
2) Ausnahmegenehmigung verlängert bis einschließlich 2017.

Ställe pro Stallgebäude

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter

Es können sich mehrere Stalleinheiten unter einem Dach befinden. Die Stalleinheiten müssen bis 80 cm über den obersten Sitzstangen blickdicht voneinander getrennt sein

Die Gesamtnutzfläche eines Geflügelstalls darf bei der Fleischerzeugung maximal 1.600 m² je Produktionseinheit betragen

Ein Betrieb kann mehrere Produktionseinheiten bewirtschaften, wenn alle notwendigen Einrichtungen einschließlich der Strom- und Wasserversorgung voneinander getrennt sind

Bioland: Ein Stallgebäude bei Legehennen darf max. 2 vollständig getrennte Ställe à 3.000 Hennen enthalten

Naturland: Ein Stallgebäude bei Legehennen darf max. 4 blickdicht getrennte Ställe à 3.000 Hennen enthalten

Demeter: Ein Stallgebäude bei Legehennen darf max. 1 Stall à 3.000 Hennen enthalten

Besatzdichte Volierenhaltung von Legehennen

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Zurzeit keine eigenen Regelungen
für die Volierenhaltung; daher gelten für alle Bewegungsflächen im Stall max. 6 Tier/m²

Bioland und Naturland: Max. 12 Legehennen/m² Stallgrundfläche; weitere Vorgaben für weitere Einrichtungselemente

Demeter: Differenzierte Vorgaben für die einzelnen Bereiche sowie für Tag und Nacht

Junghennenhaltung

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Keine Regelungen3)

Bioland und Naturland, Demeter: Für die Haltung und Aufzucht von Junghennen gibt es differenzierte Regelungen, z. B. zur Sitzstangenlänge

Demeter: Auch Regelungen für die Brüterei

3) In der EU-Öko-Verordnung sind keine differenzierten Regelungen für die Haltung von Junghennen aufgeführt. Die deutschen Kontrollbehörden haben folgende Festlegungen getroffen:

  • Die Tiere benötigen ab der 10. Lebenswoche einen Kaltscharrraum als überdachten Auslauf von mindestens 400 cm2 je Tier, bei Angebot von Grünauslauf mindestens 0,5 m2 je Tier.
  • Maximal 4.800 Junghennen dürfen je Herde (Stallabteil) gehalten werden.
  • Nach Einstallung im Legehennenstall dürfen die Junghennen bis maximal 3 Tage im Warmstall (ohne Zugang zum Kaltscharrraum) gehalten werden.
  • Ab Legebeginn dürfen die Tiere maximal 7 Tage im Stall ohne Grünauslauf gehalten werden. Danach muss bis zum Beginn der Legereife ab 13 Uhr Auslaufzugang gewährt werden. Ab Legereife (d.h. 50 % Legeleistung) muss regulär Auslauf von 10 Uhr bis Sonnenuntergang angeboten werden.

Sitzstangen bei Masthühnern und Puten

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Keine Regelungen

Bioland, Naturland und Demeter: Sitzstangen müssen vorhanden sein

Spezialgeflügel

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Keine Regelungen

Bioland und Naturland: Regelungen für Kleingeflügel, die über die Besatzdichten hinausgehen (Wachteln und Tauben)

Naturland: Regelung der Besatzdichten und der maximalen Bestandsgrößen

Demeter: Teilweise Regelung der Besatzdichte und der maximalen Herdengröße

Besatzdichte bei Mastgeflügel

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Max. 10 Tiere bzw. 21 kg LG/m² im festen Stall, max. 16 Tiere bzw. 30 kg LG/m² im beweglichen Stall bis max. 150 m²

Demeter: Maximal 24 kg LG/m2 im Warmstall

Beleuchtung

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Das natürliche Licht kann durch eine künstliche Beleuchtung ergänzt werden,
damit ein Maximum von 16 Lichtstunden täglich und eine ununterbrochene Nachtruhe
ohne künstliche Beleuchtung von mindestens acht Stunden gewährleistet ist

Kaltscharrraum

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Keine RegelungenBioland und Demeter: Für Legehennen, Masthühnern und Puten ist ein überdachter Außenklimabereich (Kaltscharrraum) einzurichten

Grünauslauf

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter

Geflügel muss während mindestens eines Drittels seiner Lebensdauer Zugang zu Freigelände haben, welches überwiegend aus einer Vegetationsdecke bestehen und Unterschlupf bieten muss:

Mindestauslauffläche nach Geflügelart:

  • Legehennen: 4 m2/Tier
  • Masthühner: 4 m2/Tier
  • Enten: 4,5 m2/Tier
  • Puten 10 m2/Tier
  • Gänse: 15 m2/Tier
  • Mastgeflügel in beweglichen Ställen (Grundfläche bis max. 150 m2): 2,5 m2/Tier

Bioland, Naturland, Demeter: Ständig zugänglich mit Ausnahme von widrigen Wetterbedingungen oder aus Gesundheitsgründen; der Grünauslauf wird bei Legehennen nur bis maximal 150 m Umkreis zum Stall angerechnet

Bioland und Naturland: Im stallnahen
Bereich austauschbares Material

Demeter: Ein Geflügellaufhof muss bei feststehenden Stallsystemen eingerichtet werden; dieser ist nicht überdacht, er ist umzäunt und mit scharrfähigem und  nährstoffabsorbierendem Material versehen

Einstallung von Hähnen bei Legehennen

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter

Bioland und Naturland: Bioland und Naturland: Wenn möglich 1 Hahn pro 100 Hennen

Demeter: Einstallung von Hähnen ist vorgeschrieben

Herkunft des Futters

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter

20 % der Futtermittel müssen aus der Region stammen

Bis Ende 2017 sind max. 5 % konventionelle Eiweißfuttermittel möglich

Naturland, Bioland, Demeter: Mindestens 50 % der Trockenmasse bezogen auf den Gesamtfutterbedarf aller Tiere muss auf dem Betrieb selbst erzeugt werden oder aus einer regionalen Kooperation mit einem Ökobetrieb stammen

Bioland: Als konventionelle Futtermittel (max. 5 %) sind nur Kartoffeleiweiß und Maiskleber zulässig

Demeter: 100 % Ökofutter ist bei allen Tierarten vorgeschrieben, 2/3 der durchschnittlichen Jahresration (TM) muss Futter von Demeter-Betrieben sein; tierische Futtermittel außer Milch sind verboten

Fütterung

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Frisches, getrocknetes oder siliertes Raufutter ist beizugeben

Bioland, Naturland, Demeter: Ein Teil des Getreides ist als ganze Körner anzubieten

Bioland: 10 % der Futterration bei Legehennen ist als ganze Körner in die Einstreu zu geben

Demeter: 20 g/Tier ganze Körner sind bei ausgewachsenen Tieren in die Einstreu oder den Auslauf zu geben

Zootechnische Maßnahmen

Anforderung nach
EU-Öko-Verordnung
Zusätzliche Anforderungen der
Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter
Kein routinemäßiger Einsatz zootechnischer Maßnahmen wie das Stutzen der Schnäbel

Naturland: Prophylaktisches Schnäbelkürzen verboten

Bioland: Jegliche Schnabelbehandlung verboten

Demeter: Zootechnische Massnahmen wie Schnäbel touchieren etc. verboten

Letzte Aktualisierung: 27.06.2018