Eine Hühnerrasse für Ei und Fleisch

Eine Hühnerrasse für Ei und Fleisch

Das Zweinutzungshuhn, also eine Hühnerrasse bei der die weiblichen Tiere als Legehennen und die männlichen als Masthähnchen Verwendung finden, ist schon seit einigen Jahren ein Thema, mit dem sich Forschung und auch Praxis im Ökolandbau beschäftigen. Es gilt, eine zweinutzungsgeeignete Rasse zu finden, um die Tötung von männlichen Küken umgehen zu können. Denn die männlichen Tiere der handelsüblichen Hybridrassen sind nicht masttauglich, während die Hennen bei Rassen mit masttauglichen männlichen Tieren oft eine geringe Legeleistung aufweisen. Eine Zweinutzungsrasse bietet also einen Kompromiss zwischen Legeleistung und Masteignung.

ei care – Regionalprojekt Zweinutzungshuhn

Das Projekt ei care arbeitet im Großraum Berlin seit 2011 daran, das Zweinutzungshuhn auf Betrieben und in den Köpfen von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu etablieren. Im Rahmen der Aktion halten Naturland Betriebe im Berliner Umland Jungtiere, Legehennen und Masthühner der Rasse "Les Bleus". Die Initiatoren der Aktion sind die Marktgesellschaft der Naturland Betriebe und der Naturkostgroßhändler Terra Naturkost.

Die Junghennen und Küken liefert die Naturland Brüterei Hetzenecker aus Bayern, einer der bedeutendsten Lieferanten von Les Bleues-Hühnern. Die Les Bleues sind für Christian Hetzenecker der optimale Kompromiss zwischen Eierleger und Fleischlieferant. Seine Bruteier und Eintagesküken verkauft er deutschlandweit, die Elterntierherde hat er Schritt für Schritt vergrößert. Mittlerweile verlassen neben Bruteiern alle drei Wochen bis zu 3.000 Küken seinen Betrieb.

Einzelne ei-care-Betriebe haben eigene Brutapparate und brüten selbst aus. Diese Betriebe haben bereits ein Ziel des Regionalprojektes Zweinutzungshuhn erreicht: nämlich die Aufzucht zurück in die Regionen und die Hände der Bauern zu legen, um damit die Geflügelerzeugung wieder unabhängig von externen Strukturen zu machen.

Viel Potenzial bei der Vermarktung

Durch den Kompromiss zwischen Legeleistung und Ausschlachtgewicht bei Zweinutzungsrassen kommt es zu einer Erhöhung der Produktionskosten sowohl für die Eier- als auch Geflügelfleischproduktion. Terra Naturkost hat mit der Aktion ei care bisher die Erfahrung gemacht, dass die Kunden sehr interessiert und positiv auf die "Les Bleus" Produkte reagieren, die im Vergleich zum Biodurchschnitt um zehn Cent pro Ei bzw. zwei Euro pro Kilogramm Fleisch teurer sind. In den Naturkostläden werden die Verbraucherinnen und Verbraucher über Plakate und Flyer über den ethischen Mehrwert der Zweinutzungshuhn-Produkte informiert.

ei care und die Wissenschaft

Auch die Wissenschaft interessiert sich für den ei care-Gedanken: Das Forschungsprojekt ginkoo wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der "Forschung für Nachhaltige Entwicklungen" (09/2014 bis 08/2019) gefördert. Die Ausgangshypothese ist, dass der Markt und politische Rahmenbedingungen derzeit nicht von allein zu einer nachhaltigen Landwirtschaft führen. Daher suchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin, des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung, der Technischen Universität Berlin und der agrathaer GmbH nach Innovationen für ein nachhaltiges Landmanagement. ei care ist ein Projektpartner, mit dem das Management von Innovationsprozessen für eine nachhaltige Landwirtschaft gemeinsam (weiter-)entwickelt werden soll.


Letzte Aktualisierung 13.07.2016

Leitfaden Tierwohl

Leitfaden der Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland zur Beurteilung des Wohles der Tiere im landwirtschaftlichen Betrieb, Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland

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