Junghennenaufzucht

Ökologische Junghennenaufzucht

Ein wichtiger Ausgangspunkt für die ökologische Junghennenaufzucht ist: Die Legehennen sollten unter Bedingungen aufgezogen werden, unter denen sie später auch im Legehennenstall gehalten werden. Somit sind die Vorgaben für die Legehennen in angepasster Weise auch für die Junghennen maßgeblich.

In den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gibt es bisher allerdings noch keine spezifischen Regelungen für die Junghennenaufzucht. Die deutschen Öko-Kontrollbehörden haben aber verschiedene Festlegungen getroffen, an die sich alle Ökobetriebe halten müssen.

Demnach gilt, dass Ökoküken verwendet werden müssen, wenn diese verfügbar sind. In der Regel kann der Bedarf an Ökoküken in Deutschland gedeckt werden. Sollte es dennoch einmal zu Engpässen kommen, kann im Ausnahmefall auf konventionelle Herkünfte zurückgegriffen werden. Dazu muss der Betrieb vor dem Zukauf jedoch eine Genehmigung von der zuständigen Kontrollbehörde  einholen. Diese Genehmigungspraxis kann von Bundesland zu Bundesland etwas unterschiedlich gehandhabt werden. Betroffenen Betriebe sollten sich daher vorher bei der für sie zuständigen Stelle erkundigen.

Weitere Anforderungen an eine Ökojunghennenaufzucht sind:

  • maximal 4.800 Tiere pro Stall
  • Tageslicht im Stall
  • freier Zugang zu Futter und Wasser
  • geeignete Rassen und Herkünfte
  • Aufbaummöglichkeiten (Sitzstangen)
  • Kein systematisches Kürzen der Schnäbel
  • Maximal 21 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter begehbare Fläche (EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau) bzw. 13 Junghennen pro Quadratmeter begehbare Fläche (Bioverbände)
  • Junghennen ist ab der 10. Lebenswoche während der Tageszeit ständiger Zugang zu einem Auslauf zu gewähren:
    • Grünauslauf: mindestens 0,5 Quadratmeter je Tier
    • Wintergarten: gilt als Grünauslaufersatz, wenn er pro Junghenne mindestens 400 Quadratzentimeter bereithält

Bei Verbandszugehörigkeit sind die jeweiligen Richtlinien zu beachten, die in einzelnen Bereichen noch höhere Anforderungen setzen.

Kennzeichen einer erfolgreichen Junghennenaufzucht

Eine erfolgreiche Junghennenaufzucht zeichnet sich dadurch aus, dass alle Tiere möglichst zur gleichen Zeit zu legen anfangen, möglichst wenig Eier außerhalb der Nester legen und das jeweilige Haltungssystem annehmen bzw. sich zurechtfinden. Junghennen müssen von Anfang an das für sie bestimmte Haltungssystem gewöhnt werden. Somit lässt sich auch späteres Stressverhalten wie zum Beispiel gegenseitiges Bepicken vorbeugen.

Es ist darauf zu achten, dass sich die Herde möglichst homogen entwickelt. In einer inhomogenen Herde kommt es häufiger zu aggressiven Verhalten der weiter entwickelten Tiere gegenüber den weniger weit entwickelten.

Haltung

Grundsätzlich haben die Aufzuchtställe Fenster oder besser noch Lichtbänder in den Außenwänden, die den Einfall von Tageslicht ermöglichen. Zur Regulierung der Tageslichtlänge im Verlauf der Aufzuchtperiode können die Fenster mit lichtdichten Einrichtungen, zum Beispiel Klappen, versehen werden.

Bei großen Tierzahlen werden die Küken zunächst in kleine Gruppen unterteilt. Die Junghennen müssen schon während der Aufzuchtphase daran gewöhnt werden, wie im späteren Legehaltungssystem, Futter, Tränken und Nester auf verschiedenen Ebenen aufzusuchen. Auch das Aufbaumen sollte schon während der Junghennenphase antrainiert werden.

Spätestens wenn die Tiere voll befiedert sind, können sie mühelos höhere Ebenen aufsuchen und sich auch mit dem Außenklima auseinandersetzen. Ein überdachter Bereich im Freien, der den Tieren während der Lichtphase frei zugänglich ist, eignet sich am besten. Weitere Bewegungsebenen werden den Jungtieren in Volieren-Aufzuchtsystemen oder modifizierten Bodenhaltungssystemen angeboten. Die für die Nachtruhe bevorzugten Sitzstangen können in diese Ebenen integriert sein oder sie werden als gesondertes Einrichtungselement angeboten. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass altersgemäß ausreichend Sitzplätze für die gleichzeitige Nutzung aller Tiere angeboten werden. 

Spätestens mit voller Befiederung muss den Tieren ausreichend Platz zum Sand- und Staubbaden für die Gefiederpflege zur Verfügung stehen. Gleichzeitig können die Jungtiere Steinchen für den Magen sammeln.

Futterversorgung

Die Futterversorgung der Küken ist über die Herstellung eigener Futtermischungen mit den derzeitig verfügbaren Futterkomponenten möglich. Wichtig bei der Junghennenfütterung ist die Regulierung des Proteingehaltes (gemeinsam mit der Tageslänge), um die Legereife auf die 20. bis 21. Legewoche hinauszuzögern. Es können Nährstoffgehalte wie bei handelsüblichen Starter-, Küken- und auch Aufzuchtfuttermitteln erreicht werden, ohne die Futterakzeptanz zu beschränken.

Die von den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau geforderte Versorgung des Geflügels mit Raufutter kann auch in der Junghennenaufzucht erreicht werden. Mit zunehmendem Alter können den Jungtieren zum Beispiel Körner angeboten werden, nach denen sie scharren können.


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