Pferde

Pensionspferdehaltung auf dem ├ľkobetrieb ÔÇô Welche Regeln gelten?

Reiten ist in Deutschland zum Breitensport geworden. Rund 1,2 Millionen Menschen betreiben hierzulande regelm├Ą├čig Pferdesport, weitere 2,5 Millionen reiten hin und wieder. Das hei├čt, beinahe jeder zwanzigste Deutsche sitzt mehr oder weniger regelm├Ą├čig im Sattel. Entsprechend hoch ist die Zahl der Tiere: Rund 1,1 Mio. Pferde und Ponys leben in Deutschland ÔÇô etwa viermal so viel wie noch vor 40 Jahren.

Viele Landwirtinnen und Landwirte haben diese Entwicklung fr├╝h erkannt und ihren Betrieb auf die Pferdehaltung umgestellt ÔÇô darunter auch zahlreiche ├ľkobetriebe. Laut einer Studie der Hochschule f├╝r nachhaltige Entwicklung Eberswalde wurden im Jahr 2013 auf 4.100 Biobetrieben insgesamt 31.900 Pferde und Ponys nach ├Âkologischen Bedingungen gehalten ÔÇô das sind 6,9 Prozent aller Pferde und Ponys in Deutschland. Die wichtigsten Einnahmequellen dieser ├ľkobetriebe, so die Studie, sind die Pensionspferdehaltung, das hei├čt das Einstellen von Pferden Dritter, sowie die Reitpferdehaltung, bei der Programm mit eigenen Pferden angeboten wird.

Lohnt sich der Einstieg in die Pferdehaltung?

Den ersten Ansto├č geben h├Ąufig Anfragen von Pferdehalterinnen oder Pferdehaltern, die ihre Pferde gerne gegen Bezahlung auf dem Betrieb unterstellen m├Âchten. Das ist der Moment, in dem Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter erstmals ernsthaft ├╝ber die Pferdehaltung als Betriebszweig nachdenken. Viele H├Âfe verf├╝gen bereits ├╝ber ausreichend Weidefl├Ąchen, Stallungen und betriebseigenes Futter, oder sind bestenfalls schon an ein Reitwegenetz angeschlossen. Sind solche Voraussetzungen gegeben, kann der Einstieg in die Pferdehaltung eine gewinnbringende Einkommensalternative darstellen.

Erst das Rechtliche kl├Ąren!

Unklarheit besteht h├Ąufig dar├╝ber, wie die Pensionspferdehaltung auf dem ├ľkobetrieb rechtlich geregelt ist. Denn Pferde, die nicht der Erzeugung von Lebensmittel dienen, fallen auch nicht in den Anwendungsbereich der EU-Rechtsvorschriften f├╝r den ├Âkologischen Landbau und sind daher prinzipiell von der ├ľkozertifizierung ausgenommen. Dies ist jedoch dann anders, wenn ein Betrieb F├Ârdergeld f├╝r ein Programm des ├Âkologischen Landbaus bezieht, das eine Gesamtbetriebsumstellung voraussetzt ÔÇô so zum Beispiel in Bayern (KULAP), Hessen (HALM) oder Rheinland-Pfalz (PAULa) der Fall. Solche Betriebe und auch alle diejenigen, die an einen ├Âkologischen Anbauverband angeschlossen sind, m├╝ssen Pensions- und Freizeitpferde entsprechend der EU-Rechtsvorschriften f├╝r den ├Âkologischen Landbau beziehungsweise gem├Ą├č der geltenden Richtlinien der ├ľkoverb├Ąnde halten. Betriebe, die ├╝ber eine Pensionspferdehaltung nachdenken, sollten sich daher fr├╝hzeitig bei ihrer Beraterin oder ihrem Berater ├╝ber die geltenden Rahmenbedingungen informieren.

100 Prozent ├ľkofutter

Das Grundfutter und alle regelm├Ą├čig verabreichten Kraftfutter- oder Mineralfuttermittel wie Getreide, Pellets oder Pferdem├╝sli m├╝ssen zu 100 Prozent ├ľkoqualit├Ąt aufweisen. Mindestens 60 Prozent des eingesetzten Raufutters muss zudem im Betrieb selbst oder in Kooperation mit anderen Betrieben in der Region erzeugt worden sein. Die Regel "100 Prozent ├Âkologisch" gilt ├╝brigens auch f├╝r die sogenannten Leckerlis ÔÇô auch wenn die ├ľkokontrolleurinnen und -kontrolleure hier nicht so genau hinschauen. Das hei├čt, Zusatzfutter wie ├äpfel, Br├Âtchen, Karotten oder spezielle Handelsprodukte, die von den Tierbesitzerinnen und -besitzern gelegentlich mitgebracht werden, m├╝ssen ├Âkologischer Herkunft sein. Prinzipiell m├╝sste also jeder Betrieb die Pensionspferde-Einsteller anweisen, nur noch ├Âkologische Zusatzfuttermittel zu kaufen und sich die Zertifikate der Hersteller und H├Ąndler dar├╝ber aush├Ąndigen lassen. Da dies ist der Praxis kaum umsetzbar ist, empfehlen ├ľkoberaterinnen und -berater, ├╝ber die Einstellvertr├Ąge zu regeln, dass auch das Zusatzfutter zentral ├╝ber den Betrieb gekauft wird.

Der Stall muss stimmen

Die Stallungen m├╝ssen den Pferden gen├╝gend Bewegungsfreiheit bieten. Hier eignet sich am besten ein Laufstallsystem mit Gruppenhaltung. Die Haltung in Einzelboxen ist auch m├Âglich, wenn diese den Tieren Sozialkontakt erm├Âglichen. Reichlich Tageslicht, nat├╝rliche Bel├╝ftung, ungehinderter Zugang zu Fressplatz und Tr├Ąnke, sowie ein trockener, eingestreuter Liegeplatz sind weitere Voraussetzungen, die erf├╝llt sein m├╝ssen. Die St├Ąnderhaltung, bei der die Pferde angebunden werden, ist nicht erlaubt.

Die Fl├Ąche, die den Pferden in Stall und Auslauf mindestens zur Verf├╝gung gestellt werden muss, ist durch die EU-Rechtsvorschriften f├╝r den ├Âkologischen Landbau geregelt und richtet sich nach dem Gewicht der Tiere, wie die folgende Tabelle zeigt:

LebendgewichtStallfl├ĄcheAuslauffl├Ąche
bis 100 Kilogramm1,5 m2 pro Tier1,1 m2 pro Tier
bis 200 Kilogramm2,5 m2 pro Tier1,9 m2 pro Tier
bis 300 Kilogramm4,0 m2 pro Tier3,0 m2 pro Tier
├╝ber 350 Kilogramm

5,0 m2 pro Tier

mindestens 1 m2 je 100 Kilogramm Lebendgewicht

3,7 m2 pro Tier

0,75 m2 je 100 Kilogramm Lebendgewicht

Die Vorgaben gelten auch f├╝r Betriebe, die einem der ├Âkologischen Anbauverb├Ąnde angeschlossen sind. Diese Regelungen, die im ├ťbrigen auch f├╝r Rinder gelten, sind jedoch als Mindestanforderungen zu sehen. F├╝r eine wirklich tiergerechte Pferdehaltung empfehlen Expertinnen und Experten, sich bei der Bemessung der Stallungen an den "Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten", des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zu orientieren. Diese gehen weit ├╝ber die genannten Richtlinien hinaus. Der Mindeststallfl├Ąchenbedarf berechnet sich darin nach der Formel: Doppelte Widerristh├Âhe zum Quadrat. F├╝r ein Pferd mit einer Widerristh├Âhe von 1,7 Meter, wird demnach eine Mindeststallfl├Ąche von 11,5 Quadratmetern ben├Âtigt.

Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten (BMEL)

Das Stroh zur Einstreu soll, soweit verf├╝gbar, aus dem eigenen Betrieb oder aus anderen ├ľkobetrieben stammen. Ist solches nicht verf├╝gbar, kann auch konventionelles Einstreustroh verwendet werden. Allerdings sollte dieses m├Âglichst auf Fl├Ąchen mit geringer Bewirtschaftungsintensit├Ąt gewonnen werden.

Pferde brauchen viel Auslauf

Neben ausreichend Stallfl├Ąche muss den Pferden den Sommer ├╝ber regelm├Ą├čig Weidegang gew├Ąhrt werden. Ist Weidegang nicht m├Âglich, muss f├╝r einen st├Ąndigen Zugang zu einem ausreichend gro├čen Auslauf gesorgt werden.

F├╝r die Weide gilt: Es d├╝rfen nur ├Âkologisch bewirtschafte Fl├Ąchen genutzt werden. F├╝r die Nachsaat der Fl├Ąchen bieten Saatgutunternehmen inzwischen speziell f├╝r die Pferdeweide geeignete Saatgutmischen in ├ľkoqualit├Ąt an. Die Verf├╝gbarkeit dieses ├ľkosaatguts kann in der Internetdatenbank organicXseeds.de abgefragt werden.

organicXseeds.de: Grasmischungen f├╝r die Aus- oder Nachsaat

Mehr zur ├ľkologischen Gr├╝nlandbewirtschaftung

Maximale Besatzdichte und Tiergesundheit

Wie f├╝r andere Bereiche der ├Âkologischen Tierhaltung, gilt auch f├╝r die Pensionspferdehaltung: Der Tierbesatz ist so zu begrenzen, dass ein 170 Kilogramm Stickstoff entsprechender Dungeintrag je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fl├Ąche und Jahr nicht ├╝berschritten wird. Umgerechnet sind das zwei Pferde, ├Ąlter als sechs Monate, je Hektar.

Auch f├╝r den Erhalt der Tiergesundheit gelten dieselben Anforderungen wie in anderen Bereichen der ├Âkologischen Tierhaltung: Alternative Heilmethoden wie Hom├Âopathie sollen den Vorrang haben. In Akutf├Ąllen darf aber auch ÔÇô auf Verantwortung des Tierarztes ÔÇô herk├Âmmliche Schulmedizin angewendet werden.

Hobbyhaltung oder nicht?

In einigen Details unterscheiden sich die Regelungen der Bundesl├Ąnder zur ├ľkopferdehaltung etwas voneinander ÔÇô so zum Beispiel bei der Frage "Hobbyhaltung oder nicht?". Was ist also, wenn ein Familienbetrieb auf seinem ├ľkohof ein Pferd zu reinen Hobbyzwecken h├Ąlt. Muss dieses Pferd nach den geltenden ├ľkorichtlinien gef├╝ttert und gehalten werden? Die Antwort: In einigen Bundesl├Ąndern m├╝ssen alle Pferde im Betrieb gem├Ą├č der ├ľkorichtlinien gehalten werden, auch solche, die als "Familienpferd" zu Hobbyzwecken gehalten werden. In anderen Bundesl├Ąndern, zum Beispiel Bayern, sind ein bis zwei Pferde, wenn sie nicht zum Betriebseinkommen beitragen, von der ├ľkokontrolle ausgenommen. Welche Regelungen hier im Einzelnen gelten, kann ├╝ber die Beratungsstellen der L├Ąnder in Erfahrung gebracht werden.


Betriebsentwicklung f├╝r mehr Tierwohl

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Titelbild des Leitfaden Tierwohl, Bild: Naturland, Bioland, Demeter

Leitfaden

Beurteilung des Wohles der Tiere in der Landwirtschaft - Bioland, Demeter, Naturland

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