Haltungssysteme für Kälber

Haltungssysteme für Kälber

Kälber werden in der ersten Lebenswoche meist in Einzelhaltung gehalten. Dies entspricht ihrem starken Ruhebedürfnis direkt nach der Geburt. Ab der zweiten Woche dürfen Kälber laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau nicht mehr isoliert gehalten werden - es erfolgt eine Gruppenhaltung im Stall oder im Freien in Einraum- oder Mehrraumbuchten. Einige Betriebe halten die Kälber während der ersten Lebenstage gemeinsam mit ihrer Mutter oder nutzen Ammenkühe bis zum Absetzen.

Einzelhaltung

Die Einzelhaltung von Kälbern bis zum siebenten Lebenstag erfolgt entweder im Stall in Kälberboxen, in der Außenhaltung in Iglus oder in Kälberhütten. Letztere sind mobile eingestreute Stallungen mit angehobenem Stallboden. Laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau muss den Kälber in Einzelhaltung mindestens 1,5 m² Stallfläche zur Verfügung stehen.

Möglichkeiten der Unterbringung von Kälbern in Einzelhaltung in der ersten Woche

 

KälberigluKälberhütte
Anzahl Kälber11
Maße Iglu bzw. Hütteca. 120 x 160 cmca. 80 x 120 cm bis zu 125 x 185 cm
Maße Auslaufca. 140 x 120 cm

ohne Auslauf

 

 Quelle: KTBL Faustzahlen für den ökologischen Landbau

 

Hinweise und Empfehlungen

  • Hütten bzw. Iglus sollten im Sommer nicht in der prallen Sonne aufgestellt werden. Eine ausreichend beschattete Lage verhindert Hitzestress. Wasser sollte den Tieren ständig zur Verfügung stehen.
  • Bei Hütten bzw. Iglus ist eine Süd-Ost-Ausrichtung im Schutz von anderen Gebäuden zu empfehlen.
  • Kranke Kälber vertragen tiefe Außentemperaturen schlechter und sollten deshalb nicht in Iglus gehalten werden (evtl. Infrarot-Lampe im Iglu, Kälberdecke).
  • Die Haltung von Kälbern im Warmstall erfordert hohe Anforderungen an das Stallklima

Gruppenhaltung

Die Gruppenhaltung von Kälbern (ab dem achten Lebenstag) findet entweder in Einraum- oder in Mehrraumbuchten sowie in Gruppeniglus statt. 

Vorteile 

  • Entspricht den physiologischen und verhaltensbedingten Anforderungen des Kalbes (Bewegung, Förderung der Kondition, sozialer Kontakt)
  • Rau- und Kraftfutteraufnahme wird gefördert
  • Geringerer Platzbedarf
  • Geringerer Arbeitszeitbedarf
  • Bessere Mechanisierungsmöglichkeit
  • Geringere Baukosten

Eine wesentliche Frage ist, ob die Kälber im Stall oder im Freien gehalten werden sollten. Bei der Haltung von Kälbern in Warmställen muss insbesondere das Stallklima beachtet werden:

  • Die Temperaturen sollten zwischen zehn und 18 Grad Celsius,
  • die relative Luftfeuchte sollte 60 bis 80 Prozent und 
  • die Luftgeschwindigkeit bei 0,1-0,2 m/sec. liegen.

Aufgrund der hohen Investitionskosten ist die Haltung von Kälbern in Warmställen nur noch in der Kälbermast sinnvoll. Zur Verringerung des Keimdrucks sollte das Raumvolumen ab der zweiten Lebenswoche mehr als sieben Kubikmeter pro Kalb betragen.

Außenhaltung

Die Außenhaltung erfolgt in Iglus bzw. Gruppeniglus, die lediglich einen Schutz vor Regen und Zugluft, aber nicht vor extremen Temperaturen bieten.

Vorteile 

  • Gute Kondition durch Kältereize
  • Deutlich bessere Gesundheit der Tiere und damit geringere Verluste aufgrund des geringeren Keimdruckes und besserer Luftverhältnisse
  • Bei Kälbermast schnellere Kraftfutteraufnahme (nach sieben Wochen werden höhere Tageszunahmen erreicht)
  • Geringerer Fliegenbefall
  • Kein überdachter Stallraumbedarf 
  • Kostengünstiger

Nachteile 

Tränken der Kälber und sonstige Stallarbeiten im Freien bei jeglicher Witterung

Mehrraumbuchten 

Bei Mehrraumbuchen sind Fress-, Lauf- und Liegebereich der Tiere getrennt.

Vorteile

  • Mehr Ruhe im Liegebereich
  • Geringerer Strohverbrauch
  • Besserer Klauenabrieb im planbefestigten Lauf- und Fressbereich

Nachteile 

  • Nutzung alter Stallgebäude, Remisen etc. ist weniger einfach
  • Höherer Bauaufwand

Kostengünstige und verhaltensgerechte Haltungsformen für Kälber sind Gruppeniglus und Freiluftställe mit unter Pultdächern angeordneten Liegeboxen oder freier Liegefläche.

Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau

Hinweise und Empfehlungen:

  • Gruppengrößen von maximal zwölf Tieren pro Gruppe gewährleisten eine bessere Überschaubarkeit und damit eine einfachere Gesundheitsüberwachung. Es besteht außerdem weniger Gefahr der Übertragung von Krankheiten.
  • Keine allzu großen Altersunterschiede innerhalb einer Gruppe, um Stressbelastungen durch Aufreiten von Bullenkälbern möglichst gering zu halten.
  • Ab 25 Kälberplätzen sollte ein separater Kälberstall vorhanden sein (Reinigung, Desinfektion).
  • Tiefstreubucht mit angehobenem Fressplatz (Strohverbrauch liegt bei 1,5 Kilo pro Kalb und Tag)
  • pro Kalb ein Fressplatz mit Fangfressgitter zur Fixierung (Möglichkeit für Behandlungen, auch als Maßnahme gegen Besaugen) insbesondere bei Kälberzukauf.

Hinweise zum Großraum-Iglu:

  • Nach jeder Benutzung sind die gereinigten und desinfizierten Iglus auf einen neuen Standort zu bringen.
  • Fester Untergrund ist zu gewährleisten.
  • Regenwasser muss abgeleitet werden können.
  • Rau- und Kraftfutter müssen unabhängig von den Witterungsverhältnissen in geeigneter Form zur Verfügung stehen.
  • Iglus sind im Sommer im Schatten aufzustellen, so dass die Gefahr des Aufheizens vermindert ist.

Letzte Aktualisierung 22.01.2019

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Foto: Titelblatt des Merkblatts, FiBL

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Titelbild des Leitfaden Tierwohl, Bild: Naturland, Bioland, Demeter

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Beurteilung des Wohles der Tiere in der Landwirtschaft - Bioland, Demeter, Naturland

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