Durchfall beim Kalb

Durchfall beim Kalb

Infektiöse Magen-Darm-Erkrankungen, die mit Durchfall einhergehen, sind die Hauptursache für Kälberverluste in den ersten beiden Lebenswochen. Diese Erkrankungen verursachen somit auch erhebliche wirtschaftliche Schäden.

Krankheitsursachen

Grundsätzlich sollte bei Durchfällen als Bestandsproblem geklärt werden, ob Fehler im Bereich des Tränkemanagements vorliegen oder Erreger (mangelnde Hygiene) für die Kälberdurchfälle verantwortlich sind. Bei erregerbedingten Durchfällen handelt es sich meist um ein Zusammenspiel von Viren, Bakterien und Parasiten. 

Insbesondere sind folgende Ursachen für eine Erkrankung verantwortlich:

  • Keine ausreichende Versorgung mit Biestmilch (Kolostrum) oder unzureichender Gehalt an Immunglobulinen in der Biestmilch,
  • falsche Tränketemperatur (weniger als 34 Grad Celsius, höher als 40 Grad Celsius) bzw. zu langes Anbieten der Tränke trotz fehlenden Appetits,
  • unzureichende Tränkehygiene, besonders des Tränkenippels,
  • bei Kalttränke Klumpenbildung und/oder falsche Zusammensetzung des Austauschers,
  • "Besaugen" der Kälbern untereinander und an Geräten oder Stallteilen,
  • hoher Fliegenbesatz im Stall,
  • Tränkeverweigerung aufgrund von Futter- und Tränkeumstellung.

Die Faktoren sind miteinander vernetzt und bedingen einander teilweise. Die Tiere müssen ein hohes Maß an Regulations- und Abwehrmaßnahmen aufbringen, um unter Einwirkung dieser Faktoren gesund zu bleiben. Um Krankheitssymptome zu erzeugen, sind dann schon kleine Störungen ausreichend. Hierzu zählen insbesondere mangelhafte Hygiene (zum Beispiel bei gehäuften Kälbergeburten), Tiertransporte (Stress und Kontakt zu anderen Krankheitserregern) oder Änderungen der Herdenzusammensetzung.

Durchfallerkrankungen vorbeugen

Die Förderung der Kälbergesundheit beginnt mit einer sorgfältigen, ausgewogenen Fütterung der hochtragenden Kuh. Abweichungen in der Energieversorgung der hochtragenden Kuh können zu erhöhter Kälbersterblichkeit führen. Beta-Karotinmangel kann Durchfallerkrankungen der neugeborenen Kälber zur Folge haben.

Folgende Maßnahmen beugen dem Kälberdurchfall vor:

  • Muttertierimpfung (Rota- und Corona-Viren, Coli-Bakterien) zum Zeitpunkt des Trockenstellens,
  • Aufstallung in Einzelhütten im Freien, trocken und zugfrei (häufiger Platzwechsel),
  • ein neugeborenes Kalb sollte innerhalb der ersten zwölf Stunden vier Liter Kolostrum bekommen, davon zwei Liter in den ersten beiden Stunden nach der Geburt,
  • Zutränkung von Erstgemelkskolostrum vom vierten bis zum 14. Lebenstag, 0,5 Liter täglich (von älteren Kühen, in Portionen einfrieren, bei 37 Grad auftauen),
  • keine Milch von Kühen geben, die mit Antibiotika behandelt wurden,
  • keine Milch von euterkranken Kühen geben,
  • Sauermilchtränke (Biestmilch und Vollmilch), pH-Wert geringer als 4,5 (40 Milliliter 8,5-prozentige Ameisensäure je Kilogramm Biestmilch).

In Mutterkuhherden zusätzlich:

  • Getrennte Abkalbeplätze für Erstkalbende (Unterbrechung von Infektketten),
  • Erkrankte Kälber mit den Müttern isolieren (Verringerung der Erreger-Ausbreitung).

Behandlung

Die wichtigste Maßnahme zu Beginn jeder Durchfall-Therapie ist die Regulierung des Wasserhaushaltes durch Zufuhr von Flüssigkeit, sowie der Ersatz der ausgeschiedenen Salze durch Elektrolyte.

Es empfiehlt sich, dreimal täglich 1,5 bis zwei Liter Vollmilch und dazwischen dreimal täglich ein bis zwei Liter Elektrolyt-Lösung zu geben. Dabei wird die Zwischentränke im Anschluss an die Vollmilchtränke zur freien Aufnahme bereitgestellt. Die Vollmilchtränke sollte also nicht abgesetzt werden. Dies hat den Vorteil, dass die Nährstoffaufnahme durch die Vollmilch weiterhin gewährleistet wird, die Tiere also nicht auch noch hungern. Damit können einem Kalb bis zu zwölf Liter Flüssigkeit zugeführt werden. Ein leicht ausgetrocknetes Kalb mit mäßigem Durchfall braucht etwa acht bis neun Liter Flüssigkeit pro Tag!

Durchfall verschwindet meist nicht von einem Tag zum anderen, sondern kann unter Umständen über mehrere Tage bestehen bleiben.

Letzte Aktualisierung 22.01.2019

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