Milchziegenhaltung

Ökologische Milchziegenhaltung

Ziegen sind genügsame Tiere. Sie geben im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht und ihrer Futteraufnahme viel Milch. Ziegenmilch wird wegen ihrer gesundheitsfördernden Wirkung geschätzt und auch Kuhmilchallergiker greifen gerne darauf zurück. Auch Ziegenkäse hat einen festen Platz im Sortiment der Käsespezialitäten.

Die Milchziegenhaltung in Deutschland ist eine Nische. Etwa 35.000 Milchziegen werden hierzulande in 284 Betrieben gehalten (Stand 2014). 65 Prozent dieser Betriebe wirtschaftet ökologisch und der weitaus überwiegend Teil ist Mitglied in einem Anbauverband. Die durchschnittliche Milchleistung ökologischer Betriebe liegt bei 620 Litern pro Jahr. Reine Lieferbetriebe haben im Schnitt eine Bestandsgröße von etwa 150 Tiere, Selbstverarbeiter nur etwa 69 Tiere. 

Mit Abstand die meisten Milchziegenbetriebe liegen in Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Auch bei den Tierzahlen liegt Bayern vorn, dahinter Thüringen und Sachsen. In diesen beiden östlichen Bundesländern gibt es zwar nur wenige Betriebe, diese haben aber besonders große Bestände.

Haltung

Ziegen stellen keine hohen Anforderungen an das Haltungssystem. Ein einfacher Kaltstall mit Tiefstreu reicht für die genügsamen Tiere. Stallhaltung mit Weidegang von Frühjahr bis Herbst ist für die Milchziegenhaltung anzustreben, verursacht aber teilweise – je nach Weidemanagement – große Probleme mit Innenparasiten. Bei Weidehaltung in der Vegetationszeit ist ein Winterauslauf nicht zwingend vorgeschrieben. Bei ganzjähriger Stallhaltung muss den Tieren, wann immer es die Bedingungen zulassen, Zugang zu einem Auslauf im Freien gewährt werden.

Die vorgeschriebene Stallfläche beträgt je Ziege mindestens 1,5 Quadratmeter und pro Kitz 0,35 Quadratmeter. Im Auslauf müssen mindestens 2,5 bzw. 0,5 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Der natürliche Lebensraum der Ziegen ist die Bergregion. Deshalb klettern Ziegen gerne und schätzen einen erhöhten Ruheplatz. Solche Ruhemöglichkeiten in mehreren Etagen sind als Holzkonstruktionen ohne großen Aufwand in Selbstbauweise in den Stall zu integrieren.

Fütterung

In der Milchziegenhaltung ist vor allem die Fütterung der jungen Kitze schwierig. Die Aufzucht der Kitze mit Ziegenmilch steht grundsätzlich in Konkurrenz zur Verarbeitung oder Vermarktung der Milch und ist somit in der Regel unwirtschaftlich. Die erfolgversprechendste Methode ist die Verfütterung von Kuhmilch von Anfang an. Sie kann als Warmtränke oder als Kalttränke leicht mit Wasser verdünnt und angesäuert gegeben werden. Steht keine natürliche Milch zur Verfügung wird in der Praxis Biovollmilchpulver als Ersatz eingesetzt. 

Den Jungtieren sollten möglichst schon ab der dritten Lebenswoche Kraftfutter, Heu und Trinkwasser zur freien Verfügung angeboten werden.

Zur Fütterung nicht laktierender Muttertiere reichen Weidegang und Stroh oder Heu. Hochträchtige und laktierende Tiere erhalten je nach Milchleistung zusätzlich Saft- und Kraftfutter. Da Ziegen besonders empfänglich für Listeriose sind, ist es wichtig schimmelfreie Futtermittel einzusetzen. Die Gabe von Mineralfutter ist bei heranwachsenden, hochtragenden und laktierenden Ziegen erforderlich. Lecksteine sollten ständig zur Verfügung stehen.

Rassenwahl

In der Milchziegenhaltung sind vor allem die Bunte und die Weiße Deutsche Edelziege weit verbreitet. Daneben haben auch Thüringer Wald-Ziege, Toggenburger und Kreuzungen aus den verschiedenen Rassen größere Bedeutung.

Laktationsleistungen von 800 bis 1.200 Kilogramm sind möglich. Auf Ökobetrieben sollte zunächst mit rund 650 bis 700 Kilogramm Jahresmilchleistung kalkuliert werden, durch Selektion und gutes Management ist eine Steigerung realistisch.

Ausführliche Informationen zur ökologischen Milchziegenhaltung finden sich im FiBL-Merkblatt:

Milchziegenhaltung im Biobetrieb – Ein Managementleitfaden für Einsteiger und Ziegenprofis


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