Auswirkungen von Duroc-Genanteilen bei Mastschweinen

Auswirkungen von Duroc-Genanteilen bei Mastschweinen

Aspekte der Mastleistung und Schlachtkörperqualität unter ökologischen Produktionsbedingungen

Die Schweinerasse Duroc zeichnet sich durch eine hervorragende Fleischqualität aus. Sie ist zudem robust und unproblematisch in der Haltung. Deshalb scheint sich ihr Einsatz in der ökologischen Fleischerzeugung anzubieten. Die höheren intramuskulären Fettgehalte, die die Sensorik positiv beeinflussen, gehen jedoch mit einer steigenden allgemeinen Verfettung des Tieres einher. Somit wird die Schlachtkörperqualität bezogen auf den Muskelfleischanteil, der für die Bezahlung bestimmend ist, negativ beeinflusst.

Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen haben in Kooperation mit weiteren landwirtschaftlichen und agrarwissenschaftlichen Institutionen untersucht, wie sich unterschiedliche Duroc-Genanteile bei Mastschweinen auf Mastleistung sowie Schlachtkörper- und Fleischqualität unter ökologischen Produktionsbedingungen auswirken.

In zwei Durchgängen prüften sie 190 Tiere ohne beziehungsweise mit 25, 50 und 75 Prozent Duroc-Genanteil auf Futterverwertung der Tiere sowie Muskelfleischanteil und intramuskulären Fettgehalt der Schlachtkörper. Das Futter stammte dabei aus rein ökologischer sowie weitgehend betriebseigener Erzeugung.

Duroc-Gentanteile verbessern die Fleischqualität

Die Untersuchungen ergaben für alle Tiere mit Duroc-Genanteilen eine deutlich verbesserte Fleischqualität. Bei einem auf Schlachtkörperqualität - also im Wesentlichen auf Muskelfleischfülle - orientierten Vermarktungsziel sollte der Duroc-Genanteil nach Angaben der Wissenschaftler jedoch nicht mehr als 50 Prozent betragen. Der Muskelfleischanteil wird mit steigendem Duroc-Genanteil geringer und der intramuskuläre Fettgehalt höher. Die Gruppe mit 75 Prozent Duroc-Genanteil zeigte auch eine deutlich schlechtere Futterverwertung.

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler feststellten, wird schon bei einem 25-prozentigen Duroc-Genanteil die Fleischqualität deutlich positiv beeinflusst, ohne dass die Schlachtkörperqualität leiden muss. Damit bietet diese Variante deutliches Optimierungspotenzial für die Profilierung von ökologisch erzeugtem Schweinefleisch gegenüber dem Verbraucher.

Schlechtere Futterverwertung

Sollte man also theoretisch jedem Ökoschweinemäster empfehlen, diesen Anteil bei den Tieren doch anzustreben? Der Projektleiter Prof. Dr. Horst R. Brandt vom Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Uni Gießen erklärte: "Bei Eigenvermarktung mit dem Fokus auf gute Fleischqualität könnte diese Empfehlung ausgesprochen werden, nicht aber für Betriebe, die sich den derzeitigen Marktbedingungen stellen müssen. Wir konnten belegen, dass ein höherer Duroc-Anteil die sensorische Fleischqualität deutlich verbessert. Allerdings verringert sich mit einer Erhöhung des Duroc-Anteils auch der Fleischanteil und die Futterverwertung wird schlechter. Aus diesem Grund müsste in der Zukunft eben nicht nur die Fleischmenge, sondern auch die Fleischqualität in ein faires Bezahlsystem miteinbezogen werden. Nur so würde sich das für Ökolandwirte, die Duroc-Schweine nutzen wollen, rechnen."

Fazit

Durch die Einkreuzung der Rasse Duroc könnte die Fleischqualität verbessert werden. Unter Berücksichtigung der derzeitigen Bezahlungssysteme ist dies aus wirtschaftlichen Gründen aber nicht zu empfehlen. Nur wenn sich das Bezahlungs- beziehungsweise das Vermarktungssystem ändern würden, könnten Mastschweine mit Duroc-Genanteile von bis zu 75 Prozent wirtschaftlich sein. Dann müssten erhöhte intramuskuläre Fettgehalte sowie bessere sensorische Eigenschaften honoriert und die damit einhergehenden verminderten Schlachtkörperqualitäten nicht negativ bewertet werden.

Allerdings schätzte der Studienleiter es als wenig realistisch ein, dass seitens der Schlachthöfe die Qualität mit ins Bezahlungssystem integriert werden wird. Brandt erklärte: "Nur der Verbraucher selbst könnte mit der Forderung nach mehr Qualität und der Bereitschaft, dafür auch zu bezahlen, einen Anstoß geben."


Kontakt

Prof. Dr. Horst R. Brandt
Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Ludwigstraße 21 b
35390 Gießen
Telefon: 06 41/ 99 37 625
Fax: 06 41/ 99 37 629
E-Mail: Horst.R.Brandt@agrar.uni-giessen.de
Internet: www.uni-giessen.de

Letzte Aktualisierung 20.02.2020

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