Gruppenhaltung ferkelführender Sauen

Gruppenhaltung ferkelführender Sauen

Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau schreiben für ferkelführende Sauen einen Auslauf vor und legen die Mindestsäugedauer auf 40 Tage fest. Die Gruppenhaltung ferkelführender Sauen ist ein Verfahren, das dem Tierschutz und der Wirtschaftlichkeit in der ökologischen Ferkelerzeugung gerecht wird. In Deutschland ist das Verfahren vor allem bei der Nutzung von Altgebäuden verbreitet. Ein Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau - "Gruppensäugungen ferkelführender Sauen als Produktionssystem im ökologischen Landbau" - hat Ergebnisse aus und Erfahrungen von Ferkelaufzuchtbetrieben, die Gruppensäugen praktizieren, erfasst und ausgewertet.

Die Erkenntnisse und Beratungsempfehlungen aus dem Projekt wurden im Merkblatt "Gruppensäugen in der Bioschweinehaltung" des Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) zusammengestellt. Im Merkblatt befindet sich eine Darstellung einer optimalen Gruppensäugebucht sowie Empfehlungen zum Management.

Nachfolgend wird anhand von Fotos von verschiedenen im Rahmen des Projektes untersuchten Praxisbetrieben eine stallbaulich optimale Gruppensäugebucht zusammengestellt.

Die strukturierte Gruppensäugebucht (Abbildung 1) in einem hier nicht beheizten, aber geschlossenen Stall, hat einen ausreichend eingestreuten Liegebereich. Der  Ferkelfressbereich ist neben dem Sauenfressplatz und regt damit die Ferkel zum Fressen an. Die Fressstände sind verschließbar und vor den Trögen sind Fressblenden angebracht. Der Fressbereich der Ferkel und Sauen und das Ferkelnest sind vom Bediengang her einsehbar. An der Auslauföffnung schützt ein Streifenvorhang vor Zugluft. Das Ferkelnest wird über eine Wärmelampe beheizt. Hier würde sich auch eine Decken- oder Fußbodenheizung eignen, da damit die Wärme gleichmäßiger verteilt wird. 

Der Liegebereich muss ausreichend groß sein (über 3,5 Quadratmeter pro Sau) wie in Abbildung 2. Nur dann haben alle Sauen genügend Platz und Erdrückungsverlusten wird vorgebeugt.

Abbildung 3 zeigt einen Selbstfangfresstand für fünf Sauen. Die Sauen verschließen den Stand durch das Betreten automatisch. Dadurch wird das Verdrängen am Fressplatz verhindert und Vulvabeißen vermieden. Am Trog befinden sich Fressblenden. Der Trog ist nach außen schwenkbar und kann leicht gereinigt werden. Auf diesem Betrieb findet die Fütterung der säugenden Sauen im Auslauf statt. Befindet sich die Fütterung im Stall, kann es zu Vernässungen der Einstreu bei der Reinigung kommen. Um jegliche Feuchtstellen im Stall und damit den Anreiz zu unterbinden, im Stall zu koten oder zu urinieren, sollte die Fütterung möglichst nach außen gelegt werden; zumindest aber die Tränken. Findet die Fütterung der Sauen draußen statt, bietet es sich an, auch den Ferkelfressplatz außen neben der Sauenfütterung anzulegen, da die Ferkel durch die Sauen zum Fressen animiert werden. Andererseits eignet sich bei den Ferkeln ein Fressplatz im Stall, da der Weg zum Fressplatz möglichst kurz sein sollte und von der Witterung relativ unabhängig.

Als Tränken eignen sich vor allem Beckentränken (Abbildung 4) und Trogfluter. Wichtig ist, dass die Tiere ausreichende Wassermengen aufnehmen können. Bei einer Nippeltränke ist die Wasseraufnahme eingeschränkt, da die Sauen und Ferkel nicht von einer Wasseroberfläche trinken, wie es ihrem natürlichen Verhalten entspricht. Die Tränken müssen so angebracht sein, dass sie nicht verkotet werden können. Dazu kann eine Stufe vor der Tränke angebracht werden (Höhe maximal zehn Zentimeter). Die Tränken dürfen, falls im Auslauf angebracht, eine maschinelle Entmistung nicht behindern. Dazu eignet sich das Anbringen an der Stallwand mit einer vorgesetzten Stufe, die als Anschlagkante für das Entmistungsgerät dient.

Das Ferkelnest ist einer der zentralen Orte im Gruppensäugestall. Es muss ausreichend Platz für alle Ferkel bieten und eine breite Öffnung zum Liegebereich haben, damit die Ferkel nicht durch andere Ferkel am Verlassen des Nestes gehindert werden. Fühlen sich die Ferkel am Verlassen des Nestes gehindert, kann es zu Verschmutzungen im Nest kommen. Breite Ausgänge eignen sich, jedoch muss ein Wärmeverlust verhindert werden. Dazu haben sich schmale Streifenvorhänge bewährt (Abbildung 5). Zugluft muss unbedingt verhindert werden. Diese entsteht durch Öffnungen im Deckel, wenn beispielsweise die Öffnungen für Wärmelampen zu groß ausgesägt wurden oder wenn eine hochklappbare Abdeckung nicht dicht schließt. 

Die Auslauföffnungen müssen einerseits für Ferkel und Sauen ohne Hindernisse passierbar sein, andererseits auch für den/die Landwirt/in ergonomisch angemessen. Abbildung 6 zeigt eine Auslauföffnung mit Streifenvorhang für die Tiere und eine Tür für den/die Tierbetreuer/in. Durch den Streifenvorhang wird verhindert, dass Zugluft im Stall entsteht; er ist auch für die kleinsten Ferkel passierbar. Wichtig ist die optimale Länge der Streifen (genau bis über den Boden) und dass die Streifen überlappen.

Eine Alternative zu den Streifenvorhängen sind feste Türen. Abbildung 7 zeigt eine Tür, die aber von Personen nur mühsam passiert werden kann. Die Sauen können die Tür von außen mit einem Schnauzengriff öffnen. Für die kleinen Ferkel, die noch zu schwach sind für den Schnauzengriff, wird ein Ferkelschlupf angeboten. Geschlossen wird die Tür automatisch (Schließzylinder). 

Wichtig ist, dass immer die Möglichkeit besteht, die Auslauföffnung zu verschließen. Dies ist notwendig, wenn Ferkel und Sauen getrennt werden müssen, beispielsweise beim Absetzen oder zum Wiegen. Provisorische Bretterkonstruktionen halten meist einer Horde aufgeregter Ferkel nicht stand.

Letzte Aktualisierung 26.02.2020

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