Fütterung

Fütterung von Mastschweinen

Wirtschaftseigenes Grundfutter (zum Beispiel Maissilage, Ganzpflanzensilage und Grünfutter) sind in Ökobetrieben als Beifutter auch für Schweine vorgeschrieben. Außerdem kommen Getreide, Körnerleguminosen, Kartoffeln, Rüben und Magermilchpulver in der Ration zum Einsatz. Aber auch Nebenprodukte der Nahrungsmittelverarbeitung aus der pflanzlichen Produktion wie Ölpresskuchen, sind geeignet, sofern damit eine ausgewogene Ration zusammengestellt werden kann. Der maximal zugelassene Anteil konventionell erzeugter Futtermittel an der jährlichen Futteraufnahme (bezogen auf die Trockenmasse) wird schrittweise reduziert: fünf Prozent sind die Höchstgrenze bis Ende 2020. Alle verwendeten Futtermittel müssen auf der Futtermittel-Positivliste der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau stehen.

In der Vor- und Endmast ist die Mischfutterzusammenstellung aufgrund der allgemein vorhandenen Futtermittel weitestgehend unproblematisch. Allerdings können einige Futtermittel wie Kartoffeleiweiß und Expellerfuttermittel knapp am Markt und entsprechend teuer sein.

Kraftfutter

Grundsätzlich sollten die Rationen nach der Futterkurve von Mastschweinen erstellt werden - eine mehrphasige Fütterung wird empfohlen. Eine Multiphasenfütterung ist empfehlenswert aber aufgrund der hohen technischen Anforderungen und der entsprechenden Kosten der Fütterungsanlage eher selten. Oft ist die Anzahl der Mastplätze der Betriebe zu gering oder die Technik (zum Beispiel Flüssigfütterung) nicht vorhanden.

Das Fressplatz-Tier-Verhältnis sollte bei Automatenfütterung nicht mehr als 1:5 betragen, damit die schwächeren Tiere auch angemessenen Zugang zu den Automaten bekommen.

Im Folgenden werden einige Beispielrationen vorgestellt. Innerhalb der normalen Toleranzbereiche werden mit diesen Mischungen die berechneten Nährstoffinhalte auch in der Realität erreicht.

Ration für die Vormast ab 30 kg auf der Basis der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau (Leistungsziel: 650 bis 700 g Tageszunahme)
FuttermittelAnteil in %
Weizen24
Triticale30
Hafer10
Gerste10
Erbsen15
Ackerbohnen4
Kartoffelweiß konv.5
Mineralfutter2
100
Nährstoffinhalte für die Vormastration ab 30 kg auf der Basis der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau
NährstoffEmpfehlung
(in g/kg Frischmasse)
Fertige Ration
(in g/kg Frischmasse)
*) MJ ME = Mega Joule Metabolic Energy (Umsetzbare Energie) (Quelle: Die Öko-Berater, geändert)
Trockenmasse880882
Rohprotein170165
Lysin99,1
Methionin/ Cystin5,55,8
Rohfaser4040
Calcium88
Phosphor65,9
Natrium1,51,9
Energiegehalt12,8 MJ ME*12,9 MJ ME*

Die Ration enthält noch sieben Prozent konventionelle Bestandteile (ohne Mineralfutter). Der Proteingehalt liegt leicht unter dem Normwert. Die Werte für Lysin und Methionin/ Cystin liegen im Rahmen der Normwerte.

Ration für die Endmast ab 60 kg auf der Basis der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau (Leistungsziel: 650 bis 700 g Tageszunahme)
FuttermittelAnteil %
Roggen15
Gerste30
Triticale17,5
Hafer15
Ackerbohnen16
Kartoffelweiß konv.3,5
Mineralfutter3
100
Ration für die Vormast ab 30 kg auf der Basis der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau (Leistungsziel: 650 bis 700 g Tageszunahme)
FuttermittelAnteil %
Weizen24
Triticale30
Hafer10
Gerste10
Erbsen15
Ackerbohnen4
Kartoffelweiß konv.5
Mineralfutter2

100
Nährstoffinhalte für die Endmastration ab 60 kg auf Basis der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau
*) MJ ME = Mega Joule Metabolic Energy (Umsetzbare Energie) (Quelle: Die Öko-Berater)
NährstoffeEmpfehlung
(in g/kg Frischmasse)
Fertige Ration
(in g/kg Frischmasse)
Trockenmasse880880
Rohprotein150150
Lysin7,58
Methionin/ Cystin4,54,7
Rohfaser6053
Calcium6,57
Phosphor4,55,5
Natrium1,51,7
Energiegehalt12,5 MJ ME*12,4 MJ ME*


Die Ration enthält noch 3,5 Prozent konventionelle Bestandteile (ohne Mineralfutter). Der Energiegehalt liegt leicht unter dem Normwert. Die Werte für Lysin und Methionin/Cystein liegen etwas über dem Normwert. Das Futter sollte restriktiv gefüttert werden.

Raufutter

Erfahrungsgemäß nehmen Schweine Grundfutter wie frisches Gras oder gute und schmackhafte Silagen gerne auf, sofern sie schon während der Säugezeit daran gewöhnt worden sind. In dänischen Versuchen wurde festgestellt, dass selbst bei einer Fütterung ad libitum die Tiere noch bis zu fünf Prozent des Energiebedarfes aus Gras oder Grassilage decken.

Zu Beginn der Vormast ab 30 Kilogramm Lebendmasse sind Mengen von 400 Gramm Kleegras beziehungsweise 200 Gramm Kleegrassilage pro Tier und Tag möglich, die bis zur Endmast mit rationierter Fütterung auf zwei Kilogramm Kleegras oder ein Kilogramm Grassilage gesteigert werden können. Gerade in der Endmast oder der Mast von schweren Verarbeitungsschweinen (so genannte XXL-Schweine) verhindert diese Form der Fütterung eine zu starke Verfettung. Die täglichen Zunahmen gehen jedoch mit der Grundfutterfütterung im Bereich von zehn bis 15 Prozent etwas zurück. Wird nur Stroh als Grundfutter verwendet, sollte dies von besonders guter Qualität sein. Mastschweine sind sehr empfindlich gegenüber den Mykotoxinen der Fusarienpilze im Getreidestroh. Im Stallinnenbereich ist zur Beschäftigung als Wühlmaterial und als Allein-Grobfutter eine Mindestmenge an Stroh von 200 bis 300 Gramm pro Tier und Tag erforderlich.



Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Kompensatorischer Proteinansatz in der Ökoschweinemast (2009)

Bei der Vermarktung von Mastschweinen spielt der Muskelfleischanteil des Schlachtkörpers eine wesentliche Rolle. Dieser hängt neben der Genetik vor allem vom Lysin-Energie-Verhältnis in der Futterration ab. In der ökologischen Tierfütterung ist die Verfügbarkeit von Eiweißfuttermitteln mit hochwertigem Aminosäurenmuster begrenzt. Daher besteht das Risiko zu geringer Lysingehalte in der Anfangsmastration, woraus eine zu starke Verfettung des Schlachtkörpers resultieren kann. Ein Forschungsvorhaben am Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst sollte klären, ob nach einer Lysin-Unterversorgung in der Anfangsmast nach geeigneter Realimentation in der Endmast ein kompensatorischer Proteinansatz stattfindet.

Ausnutzung eines kompensatorischen Proteinansatzes in der ökologischen Schweinemast

Letzte Aktualisierung 19.10.2018

Betriebsentwicklung für mehr Tierwohl

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Tierwohl

Titelbild des Leitfaden Tierwohl, Bild: Naturland, Bioland, Demeter

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Beurteilung des Wohles der Tiere in der Landwirtschaft - Bioland, Demeter, Naturland

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