Phasenfütterung

Phasenfütterung in der Schweinemast

In der Vormast "powern", in der Endmast "mauern"

Wie sollte man die Schweine in Zeiten hoher Kraftfutterpreise füttern? Die teuren Komponenten müssen gezielt gefüttert werden - die Phasenfütterung ist eine Möglichkeit.

Bioschweinehalter befinden sich in einer Zwickmühle. Zum einen sind die Abnahmepreise auf hohem Niveau, zum anderen fressen die hohen Futterkosten diesen Vorteil wieder auf. Sicher muss in dieser Situation mit dem Abnehmer verhandelt werden, ob bei den Preisen nach oben noch Luft ist. Doch auf vielen Betrieben bestehen auch in der Fütterung noch Reserven.

Allerdings geht es weniger darum, bei den Kosten pro Dezitonne Futtermischung zu sparen. Wichtige Kenngröße sind die Futterkosten pro Kilogramm Zuwachs. Denn zwischen Futteraufnahme, Futterverwertung und täglicher Zunahme bestehen enge Beziehungen: Lässt sich die Leistung durch optimierte Fütterung und ein gutes Management erhöhen, so verringern sich relativ die Kosten!

Der Nährstoffbedarf verändert sich 

Das Wachstum eines Mastschweins gliedert sich in folgende Phasen:

  • Der Proteinansatz nimmt bis zu einem Lebendgewicht (LG) von 60 bis 80 Kilogramm leicht zu, danach wieder ab. Die täglichen Zunahmen sind bei 60 bis 80 Kilogramm am höchsten.
  • Der Fettansatz nimmt mit steigendem Gewicht linear zu.
  • Der Zuwachs wird also immer fettreicher, damit verschlechtert sich die Futterverwertung.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus für die praktische Fütterung ziehen? Zunächst sollte die Futtermischung dem Wachstumsverlauf angepasst werden. Zu Mastbeginn gehört mehr Protein ins Futter als zum Mastende. Da Futteraufnahmevermögen und Energiebedarf im Laufe des Wachstums steigen, muss die Futtermenge erhöht werden: bei weiblichen Tiere bis zum Mastende, bei männlichen Kastraten bis 80 Kilogramm Lebendgewicht.

Protein- und Energieversorgung abstimmen

Das Schwein hat keinen Bedarf an Protein im Allgemeinen, sondern an Aminosäuren! Lysin, Methionin, Threonin und Tryptohan müssen in Mastrationen bedarfsdeckend und im Verhältnis 1 : 0,6 : 0,65 : 0,2 vorliegen.

Der Energiebedarf hängt unter anderem von der Genetik, vom Geschlecht der Schweine und vom angestrebten Schlachtgewicht ab. Die von den Forschungsanstalten veröffentlichten Richtwerte können als Anhaltspunkte genutzt werden.

Biomäster müssen die konventionellen Bedarfswerte auch deshalb kritisch betrachten, weil diese auf anderen Grundlagen beruhen: maximale Leistung bei fleischreicher Genetik, Warmstall ohne Auslauf. Bei langsamer wachsenden Rassen ist der Aminosäurebedarf je Kilogramm Zunahme geringer und der Energiebedarf höher. Die Haltung im Außenklimastall mit Auslauf führt zu einem erhöhten Energiebedarf. Bei der Auswahl der Futterkurve ist auf die unterstellten Tageszunahmen zu achten. Häufig werden unter ökologischen Verhältnissen nur Tageszunahmen von etwa 700 Gramm erreicht. Spitzenbetriebe erreichen aber auch über 800 Gramm.

Mit den oben genannten Einschränkungen kann die folgende Tabelle Anhaltspunkte geben. Entscheidend ist das in jeder Phase richtige Verhältnis von Aminosäuren zu Energie, also Gramm (g) Lysin pro Megajoule (MJ) umsetzbare Energie (ME).

Eiweiß- und Energiebedarf
Quelle: J. Hagner
Wachstumsabschnitt
(kg LG)
Lysin
(g pro MJ ME)
Lysingehalt (g/kg)
bei 13 MJ ME/kg
100,9011,70
300,7810,14
500,65  8,45
800,55  7,15

Auch in der ökologischen Schweinemast gilt es, den Rohproteingehalt der Ration - bei voller Aminosäureversorgung - so niedrig wie möglich zu halten, um Stickstoff-Ausscheidungen zu minimieren und den Kreislauf zu entlasten. Die oft eingesetzten Universalmischungen sind deshalb als wenig geeignet anzusehen.

Phasenfütterung anstreben

Auch bei den Bioschweinen gilt magerfleischbetonter Bezahlung der Grundsatz: In der Vormast "powern", da hier der Fleischansatz gebildet wird. Hier kann auch ad libitum (nach Belieben) gefüttert werden. In der Endmast "mauern": Ab etwa 70 Kilogramm sollte die Ration gekürzt oder bei einer ad libitum-Fütterung verdünnt werden, zum Beispiel mit Weizenkleie, Grünmehl, Hafer oder Dinkel im Spelz.

Sollen Rationen auf der Basis von empfohlenen Nährstoffgehalten erstellt werden, so ist es unbedingt notwendig, die Futtermittel regelmäßig auf Inhaltstoffe zu untersuchen (Rohprotein - RP; umsetzbare Energie - ME, Aminosäuren - AS: Lysin, Methionin, u.a.). Insbesondere die verzehrte Futtermenge ist immer wieder zu prüfen. Auf Basis dieser Informationen kann errechnet werden, ob die aufgenommene Nährstoffmenge mit den Bedarfsempfehlungen übereinstimmt. Eine gezielte Futterzuteilung und damit gezielte Energieaufnahme hat folgende Voraussetzungen:

  • Herkunft und Rasse beachten
  • nach Möglichkeit Geschlechter trennen
  • Rein-Raus-Verfahren
Möglichkeiten zur Futterkostensenkung in der Schweinemast
Quelle: H. Lindermayer, Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern, Institut für Tierernährung
MaßnahmeWirksamkeitAufwand
Aktives Futtermanagement+++
Sicherung der Futter- und Fütterungsqualität+++
Homogene Rationen+---
Verzicht auf Extras+---
Multiphasenfütterung++++
Angemessene Futterzuteilung+++++
Durchgängige Fütterungskonzepte+++
Optimierung der Leistung+++++
Futter- und Fütterungscontrolling+-

Eine bedarfsgerechte Rationsgestaltung heißt in den meisten Fällen Phasenfütterung. Sie stellt hohe Anforderungen an Technik und Management. Doch oft lohnt sie sich, weil sich durch gezielte Zuteilung der teuren Komponenten die Futterkosten senken lassen und der Stoffwechsel der Tiere entlastet wird. Auch das Stallklima verbessert sich. Schon bei zwei Mischungen können die Stickstoff-Emissionen um rund zehn Prozent vermindert werden.

Um die Tiere bedarfsgerecht füttern zu können, lohnt es sich, sich einige Gesetzmäßigkeiten des Wachstums von Mastschweinen ins Gedächtnis zu rufen.

  • Die Gewebeanteile wachsen in der Reihenfolge Hirn, Knochen, Muskulatur, Fett. Das Fettgewebe bildet sich in der Reihenfolge Nierenfett, Unterhautfett, Fett zwischen der Muskulatur, Fett im Muskel. 
  • Die Proteinsynthese ist energieaufwändig und ineffektiv. Die Stickstoff-Ausnutzung beträgt für die Fleischbildung nur etwa 25 Prozent, ein großer Teil wird ungenutzt ausgeschieden.
  • Protein bindet Wasser - der Gewichtszuwachs erhöht sich pro Gramm Proteinansatz um das Vierfache, während ein Gramm Fettansatz den Zuwachs nur um das 1,1-fache steigert. In der Phase des maximalen Fleischansatzes sind deshalb auch die täglichen Zunahmen am höchsten (60 bis 80 Kilogramm Lebendgewicht).

Aus der Forschung - für die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt.

Kompensatorischer Proteinansatz in der Ökoschweinemast (2009)

Bei der Vermarktung von Mastschweinen spielt der Muskelfleischanteil des Schlachtkörpers eine wesentliche Rolle. Dieser hängt neben der Genetik vor allem vom Lysin-Energie-Verhältnis in der Futterration ab. In der ökologischen Tierfütterung ist die Verfügbarkeit von Eiweißfuttermitteln mit hochwertigem Aminosäurenmuster begrenzt. Daher besteht das Risiko zu geringer Lysingehalte in der Anfangsmastration, woraus eine zu starke Verfettung des Schlachtkörpers resultieren kann. Ein Forschungsvorhaben am Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst sollte klären, ob nach einer Lysin-Unterversorgung in der Anfangsmast nach geeigneter Realimentation in der Endmast ein kompensatorischer Proteinansatz stattfindet.

Ausnutzung eines kompensatorischen Proteinansatzes in der ökologischen Schweinemast

Letzte Aktualisierung 19.10.2018

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