Arbeitszeit- und Strohbedarf

Arbeitszeit- und Strohbedarf

Da im Ökolandbau Vollspaltenställe verboten und kaum Teilspaltensysteme vorhanden sind, ist für Stroheinstreu und Entfernen des Mistes gegenüber einer konventionellen Haltungsform zusätzlicher Arbeitszeitbedarf zu berücksichtigen. Wird der Auslauf zur Bindung von Kot und Harn eingestreut, sind je nach Reinigungsrhythmus und Tiergröße 0,5 bis zu 1,5 Kilogramm Stroh pro Mastschwein bzw. Sau und Tag erforderlich. Hier ist der Anteil überdachter Auslauffläche entscheidend für den Strohverbrauch. Bei sinnvoller Gliederung des Stalls koten und harnen die Schweine im Wesentlichen nur im Auslauf, so dass der Strohbedarf im Stallinnenbereich gering ist.  

Zusätzlicher Arbeitszeitbedarf besteht bei der Klimasteuerung von Außenklimaställen. Je nach Jahreszeit muss auf die Wärme- bzw. Kälteregulierung geachtet werden. Die Kisten müssen im Winter gut eingestreut und die Lamellenvorhänge der Kisten und Auslauftüren dicht sein beziehungsweise die Jalousien funktionieren. . Die Lamellen sollten robust ausgeführt sein, damit die Schweine sie nicht beschädigen oder sogar zerstören. Dicke und größeren Lappen mit integriertem Gewebe sollten bevorzugt werden. In der Ferkelaufzucht kann der oberen Teil der Lappen Luftpolster zur besseren Wärmeisolierung enthalten. Eine Fußbodenheizung in der Liegekiste ist in der Ferkelaufzucht und ggf. auch in der Vormast sinnvoll. Im Sommer muss vermieden werden, dass die Tiere in den Stall koten, um sich dort eine Suhle anzulegen. Das Dach der Liegehütten kann zu diesem Zweck angehoben werden.

Außerdem ist in der ökologischen im Vergleich zur konventionellen Schweinehaltung ein zusätzlicher Arbeitszeitbedarf einzuplanen für:

  • Grobfuttergabe und Resteentsorgung
  • Kontrolle und das Öffnen der beheizten Ringwasserleitungen auf Frostsicherheit im Winter
  • Herstellung des Futters (Mahlen und Mischen)
  • Erhöhte Dokumentationszeiten (Kontrolle entsprechend den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau)
  • Zeitaufwändige Transporte mit oft geringen Tierzahlen in Eigenleistung

Zu beachten ist zudem, dass im Vergleich zu konventionellen Sauenbeständen die Bestandsgrößen wesentlich geringer sind, was eine Rationalisierung der Arbeitsabläufe unter anderem aufgrund relativ längerer Rüstzeiten erschwert. Auch wirtschaftet ein Teil der Ökosauenhalter in Altgebäuden mit erhöhtem Handarbeitsaufwand. Die Arbeitszeiten für Füttern, Misten und Einstreuen sind dort erheblich länger als bei stärker mechanisierten Systemen.

Diese spezifischen Bedingungen können dazu führen, dass je nach Haltungssystem mit Arbeitszeiten von bis zu zwei Stunden pro erzeugtem Mastschwein und bis zu 40 Stunden pro Sau und Jahr gerechnet werden muss. Selbst in größeren Beständen mit teilweise automatisierter Fütterung und mechanisierter Entmistung werden selten weniger als 30 Arbeitsstunden je Sau und Jahr benötigt.

Arbeitszeitbedarf bei Mastschweinen

Die Arbeitswirtschaftlichkeit verschiedener Systeme soll an folgenden Beispielen (Tieflaufstall und Außenklima-Kistenstall, jeweils -mit planbefestigtem Auslauf- für jeweils 200 beziehungsweise 420 Mastschweine) verdeutlicht werden.

Den größten Arbeitszeitbedarf hat das Tieflaufstallsystem mit 200 Mastplätzen infolge der verhältnismäßig hohen Rüstzeiten für die regelmäßig notwendige Außenentmistung. Die Optimierung der Arbeitswirtschaft liegt vor allem in der Gestaltung des Stalles und des Auslaufes. Bei einem Tieflaufstallsystem mit Auslauf für 200 Mastplätze in Gruppen von 30 Tieren ist mit einem Arbeitszeitbedarf von zwei bis 2,5 Arbeitskraftstunden (Akh) pro erzeugtem Mastschwein zu rechnen.

Beim Tieflaufstall für 420 Mastplätze und Gruppen mit 60 Tieren beträgt der Arbeitszeitaufwand zwischen einer und 1,5 Akh pro erzeugtes Schwein. Der Arbeitszeitbedarf beim Außenklima-Kistenstall beträgt bei 200 Mastplätzen zwischen 1,5 und zwei Akh, bei 420 Mastplätzen eine bis 1,5 Akh pro erzeugtes Mastschwein. 

Arbeitszeitbedarf bei Sauen

In ökologisch wirtschaftenden Betrieben gibt es zurzeit noch kleine bis mittlere Sauenbestände zwischen 20 und 200 Sauen. In diesen Beständen wird bei den leeren und tragenden Sauen in der Regel mit Selbstfang-Einzelfressständen zur besseren Tierkontrolle gearbeitet. Dies führt zu einem höheren Arbeitsbedarf als bei Großgruppen mit Gruppenfutterstationen und Transpondern. Aufgrund der größeren Abferkelbuchten mit Auslauf und in der Regel begrenzter oder fehlender Fixierung der Sau während der Abferkelphase ist mit einem höheren Arbeitsaufwand für die Betreuung der Sauen zu rechnen.

Der Arbeitszeitbedarf bei dem Sauenbestand in einer Größenordnung von 30 Tieren beträgt zwischen 40 und 45 Stunden, bei 72 Sauen ist mit 35 bis 40 Stunden zu rechnen. Wird mit dem Gruppensäugeverfahren gearbeitet, liegt die Arbeitsbelastung bei 30 Sauen zwischen 35 und 40 Stunden, bei 72 Sauen zwischen 30 und 35 Stunden pro Sau und Jahr. Die Optimierung der Arbeitswirtschaft liegt in den Händen der Betriebs- bzw. Betriebszweigleiter und ihrer Mitarbeiter beziehungsweise ist durch die baulichen Gegebenheiten bedingt.


Letzte Aktualisierung 26.02.2020

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