Landwirtschaft


Umstellen mit Biogasanlage – Chancen und Herausforderungen

Beim Betrieb einer Biogasanlage im Ökolandbau ist die Verfügbarkeit und Qualität der Substrate entscheidend für die Wirtschaftlichkeit.
Quelle: Peter Meyer, BLE

Nur 180 der knapp 7.500 Biogasanlagen in Deutschland werden auf Biohöfen betrieben. Dabei bieten Biogasanlagen ökologisch wirtschaftenden Betrieben viele Vorteile. Denn bei der Vergärung von Mist, Gülle oder pflanzlichen Substraten bleiben zentrale Nährstoffe wie Stickstoff bei geringen Verlusten von zehn bis 15 Prozent größtenteils erhalten und können auch über die Wintermonate optimal konserviert werden.

Zudem sind die Gärreste ein idealer Dünger bei ökologischer Bewirtschaftung. Denn der Stickstoff im vergorenen Substrat ist im Vergleich zu Wirtschaftsdüngern deutlich schneller pflanzenverfügbar und erlaubt so eine sehr gezielte Düngung zum jeweiligen Bedarfszeitpunkt einer Kultur. Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Zahlen zur Substratwirkung, aber viele Praxisbetriebe berichten von Ertragssteigerungen von bis zu 20 Prozent. Hinzu kommt, dass vor allem Biogasanlagen mit hohem Gülleanteil die Bildung von klimaschädlichem Methan deutlich verringern.

Beschaffung von Substraten ist große Herausforderung

Die größte Herausforderung beim Betrieb einer Biogasanlage im Ökolandbau ist es, durchgehend geeignete Substrate in ausreichender Menge und benötigter Qualität bereitzustellen. Da die eingespeiste Kilowattstunde in ökologisch betriebenen Anlagen genauso vergütet wird wie im konventionellen Bereich, die Substratkosten aber in der Regel höher liegen, ist ein wirtschaftlicher Betrieb im Ökolandbau schwieriger. Deshalb ist eine Biogasanlage für viele konventionelle Betriebe oft ein Hindernis bei der Umstellung, insbesondere bei größeren Anlagen über 250 Kilowatt.

Welche Substrate ein Biobetrieb einsetzen darf, ist je nach Biostandard unterschiedlich geregelt. Am niedrigsten sind die Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Hier können bis zu 100 Prozent konventionelle Komponenten eingesetzt werden, wenn sie frei von genetisch verändertem Material sind und es sich nicht um Gülle aus industrieller Tierhaltung handelt. Das heißt, die Gülle darf nicht von konventionellen Betrieben mit mehr als 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar stammen. Allerdings gibt es in den einzelnen Bundesländern noch weitere Einschränkungen, etwa dass Geflügelmist nicht aus Käfighaltung stammen darf.

Strengere Verbandsregeln für Substrate

Deutlich strenger sind dagegen die Vorgaben der Bioverbände. So muss zum Beispiel nach den aktuellen Regelungen von Bioland mindestens die Hälfte aller eingesetzten Substrate aus ökologischer Erzeugung stammen. Konventionelle Gülle ist nicht zulässig, während konventioneller Mist von Wiederkäuern und Pferden erlaubt ist, wenn dieser von Betrieben mit weniger als 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar stammt. Auch konventioneller Mais kann bis zu einem Anteil von 30 Prozent eingesetzt werden, wenn beim Anbau keine gentechnisch veränderten Organismen und Neonicotinoide eingesetzt wurden.

Grundsätzlich plant Bioland aber stufenweise den kompletten Verzicht auf konventionelle Substrate bis 2020. Über die konkrete Ausgestaltung der zukünftigen Vorgaben wird der Verband im laufenden Jahr beraten. Fachleute vom Arbeitskreis Biogas des Maschinenrings gehen jedoch davon aus, dass es unter den derzeitigen Vergütungsbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) unmöglich ist, Anlagen ab 250 Kilowatt wirtschaftlich zu betreiben, wenn ausschließlich ökologische Substrate genutzt werden können.

Vorteile für viehhaltende Betriebe

Gärsubstrate aus Biogasanlagen sind ein wertvoller Dünger im Ökolandbau. Praxisbetriebe melden Ertragssteigerungen von bis zu 20 Prozent.
Quelle: Peter Meyer, BLE

Ob eine Umstellung auf Ökolandbau für einen Betrieb mit Biogasanlage wirtschaftlich umsetzbar ist, hängt nicht zuletzt von den jeweiligen betrieblichen Voraussetzungen ab. Hier haben viehhaltende Betriebe grundsätzlich Vorteile, da hier Gülle und/oder Mist als ideale Biogaskomponenten durchgehend verfügbar sind. Reinen Ackerbaubetriebe bietet sich die Möglichkeit, Kooperationen mit benachbarten viehhaltenden Betrieben eingehen, um auf nennenswerte Anteile an Wirtschaftsdüngern zu kommen. Da jedoch die Transportwürdigkeit vor allem bei Gülle gering ist, sollten die Entfernungen zu den Kooperationsbetrieben nicht zu groß sein.

Betrieb mit 100 Prozent Kleegras ist möglich

Der Anbau reiner Energiepflanzen wie Mais ist im Ökolandbau schwieriger und systembedingt unerwünscht. Stattdessen können Biobetriebe aber auf Klee- oder Luzernengras als Substrat zurückgreifen, mit dem sich durchaus akzeptable Gaserträge erzielen lassen. Sogar der ausschließliche Einsatz dieser Komponenten ist grundsätzlich möglich und hat sich in der Praxis bewährt.

Für die faserreichen Pflanzen wird jedoch eine besonders stabile Rühr- und Fördertechnik benötigt, die mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Zudem ist die Führung einer solchen Anlage sehr anspruchsvoll, da sich die hohen Proteingehalte negativ auf die Aktivität der Bakterien auswirken. Deshalb empfehlen Fachleute bei Verfügbarkeit zumindest geringere Anteile von Mais zu ergänzen, da er kaum Stickstoff enthält und den Gärprozess stabilisiert. Weiterer Nachteil von Klee- und Luzernegras sind die im Vergleich zum Mais deutlich geringeren Erträge. Das erfordert für den Anbau ausreichender Mengen mehr Fläche und macht die Substraterzeugung teurer.

Schnitte von Naturschutzflächen sind ungeeignet

Nicht geeignet sind dagegen größere Anteile an Gras- oder Ganzpflanzensilage, da eine normale Rührtechnik mit dem sperrigen Material überfordert ist. Schnitte von überständigen Naturschutzflächen sollten grundsätzlich nicht genutzt werden, da sie den Gärprozess negativ beeinflussen und eine sehr geringe Gasausbeute haben. Interessant sind dagegen Abfälle von Gemüsebaubetrieben oder aus der Lebensmittelindustrie. Hier ist allerdings zu prüfen, ob die potentiellen Substrate den Vorgaben des Anbauverbandes beziehungsweise der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau entsprechen.

Grundsätzlich gibt es also auch für den ökologischen Betrieb einer Biogasanlage viele Möglichkeiten, geeignete Substrate zu beschaffen. Letztlich muss aber jeder umstellungswillige Betrieb eine individuelle Lösung entwickeln, die zu den eigenen betrieblichen Voraussetzungen passt. Entscheidend ist, dass sich Betriebe mit Biogasanlage frühzeitig vor der Umstellung nach Bezugsquellen für geeignete Substrate umsehen und mit anderen Betrieben möglichst verbindliche Kooperationen eingehen.


Letzte Aktualisierung: 14.03.2018