Landwirtschaft


Was die Ökobranche zur Verbesserung der Biodiversität tut

Feldgehölze. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Lebensräume wie dieses Feldgehölz sind auch im Ökolandbau noch zu selten zu finden. Foto: Thomas Stephan, BLE

Der Ökolandbau ist der konventionellen Landwirtschaft in Sachen Biodiversität auf dem Acker weit voraus. Das ging zuletzt aus einer vom Thünen-Institut im Januar 2019 veröffentlichten Metastudie hervor. Doch die Expertinnen und Experten sind sich einig, dass im Ökolandbau noch einiges verbessert werden kann. Auch Ökobetriebe sind zunehmend Zielkonflikten zwischen Landnutzung und Naturschutz ausgesetzt: Der steigende ökonomische Druck und die hohen Boden- und Pachtpreise verleiten auch Ökolandwirtinnen und Ökolandwirte immer mehr zur Intensivierung und Spezialisierung.

Einerseits kann das Potenzial auf den ökologischen Nutzflächen noch weiter ausgebaut werden, wenngleich der Ökolandbau hier schon gut aufgestellt ist. Besonderen Bedarf sehen die Naturschutzexpertinnen und -experten daher vor allem in zusätzlichen Lebensräumen. Hecken, Trockenrasen, Ackerrandstreifen, Feldgehölze, Trockenmauern, Steinhaufen, Tümpel und anderen Biotope, die von vielen Arten als Teillebensräume benötigt werden, sind für eine große Artenvielfalt besonders wichtig. Genau solche Lebensräume sind aber nicht nur auf konventionellen Landwirtschaftsbetrieben Mangelware, sondern auch auf ökologischen.

Mehr dazu im Artikel "Der Ökolandbau leistet viel für die Biodiversität – doch es geht noch besser!"

Die Ökobranche ist bereits aktiv

Feuchtbiotop. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Branche arbeitet bereits daran, die Schaffung zusätzlicher Lebensräume, wie zum Beispiel ein solches Feuchtbiotop, zu fördern. Foto: Thomas Stephan, BLE

Die Ökobranche hat erkannt, dass im Bereich Biodiversität noch mehr getan werden kann und muss und setzt sich daher bereits seit einigen Jahren dafür ein, den Zustand zu verbessern.

Um in Sachen Biodiversität für jeden Betrieb ein Mindestengagement zu gewährleisten, sind einige Verbände dazu übergegangen, verpflichtende Biodiversitätsmaßnahmen in ihre Richtlinien aufzunehmen. Erfolgreich umgesetzt wird dies bereits bei Demeter. Der Ökoverband hat 2013 in seinen Richtlinien verankert, dass mindestens zehn Prozent der Betriebsfläche als Biodiversitätsfläche mit entsprechenden Strukturen ausgewiesen werden muss. Erfüllen Mitgliedsbetriebe diese Anforderung nicht, werden sie dazu aufgefordert, einen Biodiversitätsplan zu erarbeiten.

Seit 2015 schreibt auch der Schweizer Ökoverband Bio Suisse seinen Mitgliedsbetrieben zusätzliche Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität vor. Die angeschlossenen Betriebe müssen von insgesamt 62 vorgeschlagenen Maßnahmen mindestens zwölf umsetzen. Welche dies sind, können sie frei wählen. Bio Suisse hat gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) zudem ein Punktesystem entwickelt, mit dessen Hilfe die Biodiversitätsleistungen eines Betriebes bewertet werden können.

Projekt "Landwirtschaft und Artenvielfalt"

Einen ähnlichen Ansatz zur Bewertung verfolgt der Anbauverband Biopark gemeinsam mit WWF Deutschland in dem seit 2012 laufenden Projekt "Landwirtschaft und Artenvielfalt". Die Kernfrage des vom Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) wissenschaftlich begleiteten Projekts lautet: Wie können Naturschutzleistungen von Biobetrieben bewertet, verbessert und die Umsetzung zusammen mit dem Handel und den Verbraucherinnen und Verbrauchern unterstützt werden? Das ZALF hat dafür einen Katalog von über 100 Naturschutzleistungen für Ackerland, Grünland und Landschaftselemente erarbeitet, aus dem die Ökobetriebe auswählen können. Die Bewertung erfolgt, ähnlich wie bei Bio Suisse, anhand eines Punktesystems unter Berücksichtigung aller im Betrieb erbrachten Naturschutzleistungen. Betriebe, die eine vorgegebene Punktezahl erreichen, können ihre Produkte entsprechend labeln und erhalten dafür höhere Preise beim Vermarktungspartner Edeka Nord.

Bioland und Ecovin arbeiten an Richtlinienänderung

Ähnliche Ansätze verfolgen auch die deutschen Anbauverbände Bioland und Ecovin. Ecovin hat 2014 bereits einen Biodiversitätscheck entwickelt, der mehrfach ausgezeichnet wurde. Bislang ist die Durchführung des Ecovin-Biodiversitätsaktionsplans noch eine freiwillige Leistung der Mitglieder. Nach Angaben von Ecovin, steht auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung aber eine Richtlinienänderung an. Auch Bioland arbeitet gerade an einer Biodiversitäts-Richtlinie samt Punktesystem. Ob dieses Vorhaben verbindlich umgesetzt wird, wird nach Aussage von Bioland auf der Jahreshauptversammlung im Herbst 2019 abgestimmt. Mit der Bioland Stiftung initiiert und fördert der Verband bereits jetzt Bildungs- und Beratungsmaßnahmen zur Steigerung der biologischen Vielfalt.