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Demobetriebe: Praxistage für Berufsschulen

Gute Beispiele aus der Praxis werden seit 2016 überzeugend auf den Demonstrationsbetrieben Ökologischer Landbau vermittelt. Foto: BLE, Dominic Menzler

Viele angehende Landwirtinnen und Landwirte, Gärtnerinnen und Gärtner und Weinbäuerinnen und -bauern waren noch nie auf einem Biobetrieb. Um dies zu ändern und neue Perspektiven aufzuzeigen, organisiert die Koordinationsstelle der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau seit 2016 bundesweit praxisnahe Veranstaltungen für Berufsschülerinnen und -schüler auf Demobetrieben.

Biobetriebe öffnen ihre Türen

26 Praxistage hat die Koordinationsstelle der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau bisher organisiert. Jeweils zwischen 15 und 35 Berufsschülerinnen und -schüler nahmen gemeinsam mit ihren Lehrkräften an den Praxistagen teil, sodass in den ersten beiden Jahren knapp 600 angehende Landwirtinnen und Landwirte einen Einblick in den Ökolandbau bekamen. Unterstützt werden sie dabei von einem Moderator der Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Projekte GmbH, die das Rahmenprogramm gestaltet. Spezielle Veranstaltungen wurden zudem für Auszubildende aus dem sozialen Bereich konzipiert. Sie können Demobetriebe besuchen, in denen Menschen mit Behinderung arbeiten, und bekommen so eine Vorstellung, welche Beschäftigungsfelder ein ökologisch wirtschaftender Betrieb bietet und wie der praktische Alltag mit den betreuten Menschen aussieht.

Die halbtägigen Praxistage bieten ein kompaktes Format, das keinen großen Aufwand seitens der Lehrkräfte erfordert. Nach Interessensbekundung durch die Berufsschule übernimmt das FiBL die Suche nach einem geeigneten Demonstrationsbetrieb in erreichbarer Nähe und kümmert sich um die Terminfindung. Die Lehrkräfte erhalten im Vorfeld eine Materialsammlung mit weiterführenden Informationen zum ökologischen Landbau, mit Filmtipps sowie Hinweisen auf Unterrichtsmaterial, das sie für die Vor- und Nachbereitung des Praxistages nutzen können. Die Veranstaltung selbst umfasst vier Blöcke: Nach einer Einstiegsphase, in der es darum geht, eine offene Gesprächsatmosphäre zu erzeugen und zu erfahren, mit welchen Vorstellungen und Fragen die Schülerinnen und Schüler in den Betrieb kommen, folgt eine kurze Präsentation zur Situation des Biolandbaus in Deutschland. Neben aktuellen Zahlen zur Flächenentwicklung und zum Markt werden die gesetzlichen Grundlagen und Nachhaltigkeitsaspekte erläutert. Anschließend stellt die Betriebsleiterin oder der Betriebsleiter seinen Hof persönlich vor und erklärt alle Besonderheiten ganz praxisnah. Am Ende steht die Abschlussrunde, in der offen gebliebene Fragen geklärt und Eindrücke geteilt werden.

Neue Erkenntnisse bei Lehrkräften …

Insgesamt kommen die Veranstaltungen bei den Lehrkräften sehr gut an und viele wünschen sich Folgetermine. Der Besuch des außerschulischen Lernortes wird als sinnvolle, praxisnahe Ergänzung des Unterrichts gewertet, der den Schülerinnen und Schülern (neue) Lernzugänge zum Thema Ökolandbau ermöglicht.

Auch inhaltlich treffen die Praxistage offensichtlich einen Nerv. Spätestens seit dem Beschluss der Agrarministerkonferenz im April 2014, bei dem der Bund aufgefordert wurde, die Ausbildungsordnung und Rahmenlehrpläne für die Ausbildung der Landwirtinnen und Landwirte um gesellschaftlich relevante Themen wie Ökolandbau, Tierwohl, Biodiversität und Nachhaltigkeit zu erweitern, ist der Handlungsbedarf offensichtlich. Einige Bundesländer haben beispielsweise im Rahmen von Aktionsplänen oder Landesprogrammen zur Förderung des ökologischen Landbaus die Initiative ergriffen und Handreichungen oder Landeslehrpläne weiterentwickelt, in denen der ökologische Landbau eine größere Rolle spielt (zum Beispiel Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein). Auch wenn die Lehrpläne teilweise mehr Ökolandbau in der Ausbildung fordern, hapert es häufig noch an der Umsetzung. Als Gründe werden in der Regel fehlende Zeit und Unterrichtskonzepte genannt. Entsprechend groß waren auch die Unterschiede, ob beziehungsweise in welchem Ausmaß die Praxistage in den Berufsschulunterricht eingebettet wurden. Einige Lehrkräfte hatten das Thema Biolandwirtschaft bereits im Vorfeld behandelt, sodass die Schülerinnen und Schüler auf vorhandenes Wissen aufbauen konnten. Andere nutzen den Praxistag eher als abgeschlossene Einheit ergänzend zu ihrem eigenen Unterricht, in dem Ökolandbau keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ein wichtiger Faktor, warum der Biolandbau in der Berufsschulausbildung oft zu kurz kommt, ist die fehlende Prüfungsrelevanz. Andere, prüfungsrelevante Themen genießen Priorität. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf.

… und Schülerinnen und Schüler

Und was sagen die Schülerinnen und Schüler? Auf die Frage, wie ihnen die Veranstaltung gefallen hat, äußern sie sich überwiegend positiv. Eine wichtige Rolle für das Gelingen der Veranstaltung spielt dabei die Betriebsleiterin oder -leiter. Landwirtinnen und Landwirte, die offen auf kritische Fragen reagieren, aber auch selbst kritische Punkte ansprechen, wie Nähstoffversorgung und Ertragseinbußen, kommen gut an. Die Schülerinnen und Schüler merken, dass es den Betriebsleiterinnen und -leitern nicht um Schönfärberei geht, sondern dass sie eine aus ihrer Sicht gute Landwirtschaft betreiben, aber auch authentisch vermitteln, auf welche Herausforderungen sie dabei stoßen. Letztendlich ist es das gute Beispiel, das überzeugt und zum Nachdenken anregt. Ein anfangs sehr skeptischer Schüler stellte am Ende eines Praxistages auf einem Demeter-Gut in Schleswig-Holstein anerkennend fest: "Dass von den knapp 100 Hektar 30 Menschen leben können, hat mich wirklich beeindruckt". Anschließend fuhr er mit einem Bild im Kopf nach Hause, das um mindestens eine Perspektive reicher war. Und das ist gut so.

Praxistage auf Demobetrieben

Die Praxistage im Netzwerk der Demonstrationsbetriebe sind ein Projekt des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN). Dieses Programm wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziert und
von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) umgesetzt. Mit der zentralen Steuerung der Demonstrationsbetriebe beauftragt die BLE eine Koordinationsstelle (zur Zeit.: m&p: public relations GmbH, FiBL Projekte GmbH). Das Projekt läuft noch bis Mitte 2018 (Option auf
Verlängerung bis Mitte 2019). Pro Jahr sind etwa 20 Veranstaltungen geplant.

Interessierte Lehrkräfte wenden sich bitte an die Autoren des Beitrags:

Julia Meier und Carsten Veller
Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau
Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Projekte GmbH
julia.meier@fibl.org, carsten. veller@fibl.org

Beitrag aus der Ökologie & Landbau 01/2018: "Brücken bauen, statt Gräben ziehen" von Julia Meier und Carsten Veller


Letzte Aktualisierung: 01.02.2018