Lehrer


Die GemüseAckerdemie

Gruppenbild
Joachim Gauck und Christian Schmidt am Messestand der GemüseAckerdemie auf der Grünen Woche 2016

Nachgefragt bei Dr. Christoph Schmitz von der GemüseAckerdemie

Poträtfoto von Dr. Christoph Schmitz.
Dr. Christoph Schmitz, Initiator und Entwickler der GemüseAckerdemie.

Das Projekt "BioAcker macht Schule" der GemüseAckerdemie ist ein schulbegleitendes Bildungs- und Kompetenzprogramm, gefördert vom Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN). Kinder lernen hier von der Aussaat über die Pflege und Ernte bis zur Vermarktung über ein Jahr die gesamte Wertschöpfungskette von verschiedenen Ackerfrüchten kennen. Oekolandbau.de sprach mit Dr. Christoph Schmitz, Initiator des Projekts.

Oekolandbau.de: Unter dem Motto "Ackern schafft Wissen." haben Sie 2013 das Bildungsprogramm der GemüseAckerdemie ins Leben gerufen. Wie genau setzen Sie das Motto in die Tat um?

Schmitz: Mit unserem ganzjährigen Bildungsprogramm "GemüseAckerdemie" lernen Kinder und Jugendliche sowohl theoretisch als auch praktisch mithilfe eines eigenen SchulAckers, wie Lebensmittel angebaut werden, warum es wichtig ist, Ressourcen zu schonen und dass es viel Arbeit bedeutet, erfolgreich Gemüse anzubauen. Ein Jahr lang beschäftigen sich die Schüler mit den Themen Ernährung, Wertschätzung von Lebensmitteln und ökologischen Landbau. Schon im ersten Jahr konnten wir einen positiven Einfluss auf das Verhalten der Schüler und deren Familien feststellen. So berichteten uns Eltern, dass ihre Kinder Gemüse ganz anders wahrnehmen und auch viel eher probieren würden. Einige Kinder fingen sogar an zu Hause Gemüse anzubauen.

Da die GemüseAckerdemie langfristig an den Schulen angeboten werden soll, können wir so viele Generationen Schüler erreichen und nachhaltig nachhaltiges Wissen ganz praktisch vermitteln. Durch das Projekt "BioAcker macht Schule "Bundesweite Einführung und Konsolidierung des innovativen Bildungsprogramms GemüseAckerdemie" haben wir seit September 2014 die Möglichkeit das Programm bundesweit auszuweiten.  

Oekolandbau.de: Für welche Altersstufen und Schulformen bieten Sie die GemüseAckerdemie an?

Schmitz: Generell adressieren wir vor allem Schülerinnen und Schüler im Alter von 8 bis 14 Jahren. Allerdings haben wir die GemüseAckerdemie auch schon an einer Kita und einem Sportverein angeboten. Bezüglich der Schulform sind wir aufgeschlossen und sind beispielsweise an Grundschulen, Sekundarschulen und Gymnasien. 

Oekolandbau.de: Können auch Lehrkräfte ohne gärtnerische Kenntnisse mit ihrer Klasse an dem Projekt teilnehmen?

Schmitz: Richtig. Vorkenntnisse sind bei unserem Bildungsprogramm nicht zwingend notwendig. Wir hatten bereits Lehrer dabei, die bis dato keinen grünen Daumen hatten, es aber schnell gelernt haben, erfolgreich ökologisch Gemüse mit den Kindern anzubauen. Auf ihrem Weg sind die Schulen nicht allein, sondern werden insbesondere im ersten Jahr eng von uns begleitet und beraten. Dabei helfen zum Beispiel unsere Lehrerfortbildungen, die Vor-Ort-Beratung und die wöchentlichen AckerNews. Wir suchen gemeinsam mit der Schule einen geeigneten Acker, übernehmen bei Wunsch die Anbauplanung und organisieren die Jungpflanzen, Saatgut und Gartengeräte. So nehmen wir dem Lehrer die Angst vor einem SchulAcker, was die Voraussetzung für das Etablieren eines langfristigen Lernorts für Kinder ist.

Kinder auf dem Schulacker
Gemüseanbau in der Praxis: Auf dem Schulacker lernen die Kinder alles rund um Aussaat, Pflege und Ernte von Gemüse. Foto: C. Schmitz/ GemüseAckerdemie

Oekolandbau.de: Wer betreut die Kinder auf dem "SchulAcker"?

Schmitz: Die 20 bis 25 Schüler starke Klasse oder Arbeitsgemeinschaft produziert auf ökologische Weise in kleinen Teams von vier bis fünf Schülern während einer Saison Gemüse und bekommt darüber landwirtschaftliches Fachwissen und Zusammenhänge auf anschauliche und praktische Weise vermittelt. Die Teams werden von einem Lehrer oder Erzieher sowie ehrenamtlichen Mentoren wie Rentner, Studierende oder Eltern eng betreut, was ein generationsübergreifendes Lernen ermöglicht. Die Lehrer, Erzieher und Mentoren werden von uns geschult, damit sie gut vorbereitet sind und den SchulAcker pädagogisch wertvoll nutzen können. 

Oekolandbau.de: Wo gibt es überall die Möglichkeit an der GemüseAckerdemie teilzunehmen? Und wie können sich Schulen für die GemüseAckerdemie bewerben?

Schmitz: Die GemüseAckerdemie wird inzwischen bereits in fünf Bundesländern angeboten und soll künftig bundesweit so viele Schüler wie möglich erreichen. Interessierte Schulen können sich jederzeit von uns beraten lassen und uns unter info@ackerdemia.de kontaktieren. Da die GemüseAckerdemie ein ganzjähriges Programm ist, beginnt der theoretische Teil bereits im Februar. Schulen, die nach den Sommerferien 2016 einsteigen möchten, können sich bis Mai 2016 bewerben. 

Oekolandbau.de: Wie viel Zeit müssen Lehrkräfte für die Teilnahme einplanen? 

Schmitz: Für die wöchentliche AckerStunde sollten mindestens zwei Schulstunden eingeplant werden. Hinzu kommt für den Lehrer eine geringe Vor- und Nachbereitungszeit sowie die Zeit für die AckerFortbildungen und etwaige Ferienbetreuung. 

Oekolandbau.de: Wie finanziert sich die GemüseAckerdemie?

Schmitz: Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) fördert das Projekt "BioAcker macht Schule" seit 2014 und noch bis 2017. Weiterhin beteiligen sich die Schulen und die GemüsePaten an den Kosten des Programms. Die höchsten Kosten fallen im ersten Jahr an, so dass sich die Kosten der GemüseAckerdemie mittel- und langfristig deutlich senken und sich das Programm an der Schule verstetigt.  

Oekolandbau.de: Wie sind Ihre Erfahrungen: Gefällt den Kindern die praktische Arbeit auf dem Acker? 

Schmitz: Ja, die Kinder sind absolut begeistert, auch weil wir das Thema Schulgarten über unsere kindgerechte Kommunikation interessant vermitteln. Unsere ausführliche Evaluationsarbeit in Kooperation mit wissenschaftlichen Partnern zeigt, dass die Kinder mehr über Gemüsebau und Lebensmittel wissen, mehr Gemüse essen und das Thema auch mit nach Hause in die Familie tragen. Auch Befragungen der Eltern haben gezeigt wie positiv sich das Verhalten der Kinder durch das Programm verändert hat.   

Oekolandbau.de: Was lernen die Kinder bei dem Projekt?

Schmitz: Zunächst lernen die Kinder vor allem, dass Gemüse nicht im Supermarkt wächst und auch nicht auf die Schnelle fertig ist. Ohne Arbeit erzielt man keinen Ertrag. Das ist für viele Kinder eine wichtige Erkenntnis und stärkt vor allem die Wertschätzung für Gemüse. Weiterhin lernen sie viel über den ökologischen Anbau von Gemüse und wie wichtig nachhaltiges Handeln ist. Die Arbeit in Kleingruppen schult soziale Fähigkeiten und Kompetenzen, deren Training im normalen Schulalltag meist zu kurz kommt. Es ist ein ganzheitliches Angebot, welches zukünftig möglichst viele Schulen anbieten sollten.   

Hintergrund

Im vergangenen Jahr wurde Ackerdemia e.V. für das Bildungsprogamm GemüseAckerdemie von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zum startsocial-Bundessieger gekürt und von Joachim Gauck zum Preisträger "Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen" ernannt. 

Das Projekt "BioAcker macht Schule - Bundesweite Einführung und Konsolidierung des innovativen Bildungsprogramms GemüseAckerdemie" wird gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).


Letzte Aktualisierung: 05.01.2016