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Die Öko-Junglandwirte-Tagung

Foto Benjamin Volz. Klick führt zu Groß.
Benjamin Volz ist als Mitarbeiter bei den Öko-Junglandwirte-Tagungen mit Herz und viel Engagement dabei. Foto: SÖL

Benjamin Volz hat nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung auf zwei Demeter-Betrieben am Bodensee den Bachelor-Studiengang "Ökologische Landwirtschaft" in Witzenhausen absolviert. Nach dem Studium nahm er am "Traineeprogramm Ökolandbau" teil, einem Ausbildungsprogramm mit einer Mischung von elfmonatigem Praxistraining im Betrieb mit vier überbetrieblichen Seminarwochen. Seit dem Jahr 2012 organisiert er gemeinsam mit mehreren ehrenamtlichen jungen Landwirtinnen und -landwirten die jährlich stattfindende "Öko-Junglandwirte-Tagung". Sie wird von seinem Ausbildungsbetrieb, der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) getragen. Aktuell arbeitet Volz als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau.

Oekolandbau.de: Herr Volz, in diesem Jahr wird bereits die 9. Öko-Junglandwirte-Tagung stattfinden. Wie ist die Idee entstanden?

Volz: Das entstand im Jahr 2006 aus einer Initiative von vier damaligen Schülern der Fachschule für ökologischen Landbau heraus. Die wollten mit ihrem Engagement wieder stärker die Visionen der Gründungszeit des Ökolandbaus in den Mittelpunkt rücken, angesichts eines zunehmenden Drucks, auch in dieser Branche vorwiegend profitorientiert zu arbeiten. Die Tagung war ein großer Erfolg und wird seitdem jährlich an verschiedenen Orten in Deutschland fortgesetzt.  

Postkarte als Einladung zur kommenden Junglandwirtetagung. Zwei Kinder gehen Hand in Hand über eine Wiese. Klick führt zu Groß.
Die diesjährige Öko-Junglandwirte-Tagung findet in Fulda vom 14. bis 16. November 2014 statt. Foto: SÖL

Oekolandbau.de: Setzen sich überhaupt noch viele junge Menschen mit dem Thema Landwirtschaft auseinander?

Volz: Ich denke, dass man bei dieser Frage zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft unterscheiden muss. Zum Beispiel steigen an der Uni in Witzenhausen, einem der bedeutendsten Orte für Ökolandbau, die Studierendenzahlen immer weiter an. Und im Umfeld der Städte wecken seit einigen Jahren alternative Landwirtschaftsformen, wie Urban Gardening oder solidarische Landwirtschaft, große Begeisterung bei jungen Menschen. Aber das sind wohl leider nur kleine Gegenbewegungen zur allgemein starken Entfremdung der Bevölkerung von ihren Lebensgrundlagen. 

Oekolandbau.de: Wie setzt sich Ihr Netzwerk zusammen?

Volz: In der Organisation der jährlich stattfindenden Öko-Junglandwirte-Tagung sind wir ein fünfköpfiges Team, vier ehrenamtliche Junglandwirte und ich als Projektleiter. Aber das eigentliche "Netzwerk" sind natürlich alle interessierten jungen Leute. Das sind neben "echten" Junglandwirten vor allem Studierende von den verschiedenen Agrar-Standorten, aber auch junge Gärtner, Imker, Winzer und viele mehr.  

Oekolandbau.de: Und wie ist der Anteil von Männern und Frauen unter den Öko-Junglandwirten?

Volz: Das ist wirklich ein spannender Punkt: Denn es sind immer etwa zur Hälfte Frauen, die an unseren Tagungen teilnehmen. Das überrascht Außenstehende häufig, aber zumindest die ökologische Landwirtschaft ist sicher keine reine Männerdomäne! Schon seit den frühen Anfängen waren es recht oft Frauen, die den Ökolandbau prägten.

Aufnahme der Teilnehmenden der Öko-Junglandwirte-Tagung im Oktober 2013. Klick führt zu Groß
So sieht es aus, wenn sich viele gutgelaunte Ökö-Junglandwirte und Interessierte zur Tagung treffen. Foto: SÖL

Oekolandbau.de: Welche landwirtschaftlichen Praktiken sind Ihrer Meinung nach besonders kritisch und wie tragen Sie konkret zu einer Änderung bei?

Volz: Natürlich stehen wir vielen Dingen, wie gentechnisch veränderten Pflanzen oder den konventionellen Megaställen, extrem ablehnend gegenüber. Aber man sollte auch vor der eigenen Tür kehren: Zum Beispiel die Tötung der männlichen Küken... Ich denke es ist wichtig, dass die zukünftige Generation auch an der Gestaltung der Zukunft mitwirkt. Bei der Tagung versuchen wir dafür Impulse zu setzen. 

Oekolandbau.de: Was erwartet die Teilnehmenden der diesjährigen Tagung?

Volz: Unser Arbeitstitel für die kommende Tagung ist „Zukunft gesichert?“. Wir wollen uns dabei der Zukunft des Ökolandbaus im Großen, aber auch der individuellen Zukunft der Teilnehmer widmen. Ein großes Thema soll unter anderem sein, wohin sich der Ökolandbau entwickelt: Viele Akteure der Biobranche fordern immer wieder 100 Prozent Ökolandbau – doch es wird nur selten darüber diskutiert, dass dies auch zu unliebsamen Veränderungen der Branche führen würde. Im individuellen Bereich geht es unter anderem um Hofgründungen oder auch Sicherung von bestehenden Ökoflächen. 

Oekolandbau.de: Würden Sie jungen Menschen die Ausbildung zum Ökolandwirt empfehlen?

Volz: Auf jeden Fall! Egal ob Landwirt, Gärtner oder Imker – Es ist schließlich eine der grundlegendsten Berufsgruppen überhaupt: gesunde Lebensmittel für uns Menschen zu erzeugen! Aber man muss auch ehrlich sagen, dass es oft ein harter Job ist, der leider meistens nicht entsprechend seiner Bedeutung entlohnt wird. Wer davon träumt, ein Biobauer zu werden, sollte vielleicht einfach erstmal ein Praktikum für einige Wochen oder Monate machen, um die Arbeitsrealität auf den Höfen kennenzulernen.


Letzte Aktualisierung: 11.03.2014