Lehrer


Interview: Tierschutz in der ökologischen Landwirtschaft

Blick in einen Biohühnerstall. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
In der Haltung von Bionutztieren gelten strenge Regeln, deren Einhaltung von staatlich zugelassenen Kontrollstellen überwacht wird. Foto: Europäische Kommission, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Das Thema Tierwohl ist mitten in der Gesellschaft angekommen, immer mehr Menschen machen sich Gedanken darum, unter welchen Bedingungen Kuh, Schwein und Huhn gehalten werden, bevor sie als Lebensmittel auf ihren Tellern landen. Die Biolandwirtschaft ist angetreten mit dem Anspruch, Ressourcen zu schonen, die Umwelt zu schützen und – nicht zuletzt - auch dem Tierwohl gerecht zu werden. Landwirtschaftliche Nutztiere in ihrer Obhut sollen möglichst artgerecht gehalten werden. 

Geregelt wird die Tierhaltung in der Biolandwirtschaft durch die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau, gegebenenfalls erweitert durch Richtlinien der Bioverbände und natürlich auch das Tierschutzgesetz und die Nutztierhaltungs-Verordnung (TierSchNutztV).

Porträt Markus Fadl
Markus Fadl ist Pressesprecher beim Naturland e.V. Foto: Naturland

Die Bioverbände in Deutschland sind in den vergangenen Jahren zusätzlich aktiv geworden in Sachen Tierwohl. Eine aktuelle Initiative geht von den Verbänden Bioland, Demeter und Naturland aus. Im Frühjahr 2013 vereinbarten sie, gemeinsam an einer guten Biotierhaltung auf ihren Mitgliedsbetrieben zu arbeiten. Oekolandbau.de hat Markus Fadl, Pressesprecher beim Ökolandbauverband Naturland e.V., zum Engagement bei den Haltungsbedingungen von Nutztieren befragt.

Oekolandbau.de: Herr Fadl, der Ökolandbau ist angetreten als eine Form der Landwirtschaft, die "es besser machen will". Was bedeutet das für die Bionutztierhaltung?

Fadl: Nutztiere sind für den Ökolandbau mehr als nur Eier-, Milch- oder Fleischlieferanten. Sie spielen eine wichtige Rolle im ökologischen Kreislauf. Auch deshalb betrachten Ökobauern die ihnen anvertrauten Nutztiere als Mitgeschöpfe mit einem Anspruch auf das Ausleben ihrer eigenen, artgemäßen Bedürfnisse.

Oekolandbau.de: Zusammen mit Bioland, Demeter und Biokreis geht Naturland neue Wege in der Beratung der Mitgliedsbetriebe. Was genau wird da gemacht?

Fadl: Die Verbände haben gemeinsam einen "Leitfaden Tierwohl" entwickelt, mit objektiven Kriterien für jede einzelne Tierart, um den gesundheitlichen Zustand und das Wohlbefinden der Tiere zu bewerten. Damit unterstützen wir zum einen die Betriebe dabei, ihre Tierhaltung selbst weiter zu verbessern. Zum anderen rückt mit der darauf aufbauenden Tierwohl-Checkliste erstmals das Tier selbst in den Mittelpunkt der jährlichen Ökokontrolle. Solche Tierwohlchecks sind bisher nicht Bestandteil der Kontrolle nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau.

Oekolandbau.de: Mittlerweile ist der Tierwohl-Check in einem ersten Durchgang erprobt. Wie sind die Erfahrungen? 

Fadl: Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die Kontrolle funktioniert. Natürlich müssen die Details der Checkliste weiterentwickelt und die Kontrolleure noch mehr geschult werden. Aber das Prinzip einheitlicher Standards, die auch abgeprüft werden können, hat sich in der Praxis bewährt. Bei etwa fünf Prozent der kontrollierten Betriebe wurden Mängel wie zu starke Verschmutzungen der Rinder, schlecht geführte Auslaufbereiche für Geflügel oder zu hohe Verlustraten bei Jungtieren registriert. Die Betriebe wurden aufgefordert, diese Mängel schnellstmöglich zu beheben, was durch Nachkontrollen überprüft wird.

Oekolandbau: Schwarze Schafe unter den Betrieben werden nun besser gefunden?

Fadl: Das sicher auch. Doch darum geht es erst in zweiter Linie. Zunächst einmal ist der Tierwohl-Leitfaden vor allem ein Beratungsinstrument, das den Betrieben dabei hilft, ihre überwiegend ohnehin schon gute Tierhaltung kontinuierlich weiter zu verbessern. Die Kontrolle steht dann am Ende und verleiht dem Prozess Verbindlichkeit.

Oekolandbau.de: Was sollte in Sachen Tierwohl noch unternommen werden?

Fadl: Eine große Herausforderung ist sicher das Töten der männlichen Küken bei den Legehennen. Das Zweinutzungshuhn-Projekt ei Care von Naturland ist ein Beispiel dafür, dass die Ökoverbände sich hier bereits auf den Weg gemacht haben. Doch bislang sind dabei nur Lösungen für die Nische herausgekommen. Da müssen wir weiterkommen.

Oekolandbau.de: Sollte das Thema Tierwohl verstärkt auch Thema im Schulunterricht sein?

Fadl: Ja, aber nicht isoliert, sondern als ein Teil der breiter angelegten Frage, welche Auswirkungen unsere Ernährung auf Umwelt, Klima und die Zukunft unsere Planeten hat.


Letzte Aktualisierung: 20.08.2015